«Gemeindechef» kann nur einer werden

Sieben Männer und eine Frau sind bereit, sich der Herausforderung zu stellen, die Fusionsgemeinde Mettauertal aktiv in eine positive Zukunft zu führen. Die Gemeinderatskandidaten stellten sich in Mettau einem grossen Publikum näher vor.

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Aargauer Zeitung

Susanne Hörth

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das gilt sicherlich für die Stimmberechtigten von Etzgen, Mettau, Oberhofen, Wil und Hottwil. Sie wählen am 17. Mai den Gemeinderat für ihre künftige Gemeinde Mettauertal. Sieben Sitze gilt es zu besetzen. Im Rennen sind mit Peter Weber (Wil), Robert Keller (Hottwil), Heinz Knecht (Mettau), Christoph Rutschmann (Oberhofen), Thomas Vetter (Etzgen), Adrian Bürki (Etzgen), Patricia Treier (Oberhofen) und Fritz Kuhn (Wil) gleich acht Kandidaten.

Behördenwahl am 17. Mai

Der am 17. Mai zu wählende Gemeinderat nimmt seine Geschäfte offiziell am 1. Januar 2010 und damit mit dem Start der neuen Gemeinde Mettauertal auf. Nach erfolgter Wahl wird das gewählte Gremium aber bereits während der laufenden Umsetzungsphase mitwirken. Für die erste Amtsperiode (2010 bis 2013) wird der Gemeinderat Mettauertal aus sieben Personen bestehen. Danach verkleinert sich das Gremium auf fünf Personen. (sh)

Auf der Zielgeraden Richtung Amt des Gemeideammannes befinden sich zudem mit Peter Weber und Robert Keller zwei amtierende Ammänner. Wem soll Frau und Mann nun die Stimme geben? Um diese Entscheidung etwas zu vereinfachen, stellten sich die acht Kandidaten am Freitagabend in der Turnhalle Mettau einem grossen Publikum vor. Roland Kaufmann, amtierender Gemeindeammann von Etzgen, führt gekonnt durch die informative Vorstellungsrunde.

Schwerpunkt Teambildung

Roland Kaufmann fragte die beiden Gemeindeammann-Anwärter nach ihrer Motivation. Peter Weber, Wil, verglich das Fusionsprojekt mit einem Kind, das vom Kindergarten in die Schule geführt wird, sich hier erfolgreich behaupten kann. «Ich möchte den wichtigen Zusammenschlussprozess, bei dem ich von Beginn an und auch jetzt in der Umsetzungsphase intensiv dabei bin, weiter begleiten.» Als Schwerpunkt erwähnte Weber die Teambildung innerhalb des Gemeinderates.

«Wo steht Mettauertal in zehn Jahren?»

Das wollte ein Versammlungsteilnehmer von den Kandidaten wissen.
Peter Weber, 50 Jahre, Gemeindeammann von Wil: «Schuldenfrei, ein Steuersatz von 107 Prozent, ein Kulturzentrum. Wir sind eine Gemeinde, von der man redet.»
Robert Keller, 55 Jahre, Hottwil, Gemeindeammann von Hottwil: «Ich hoffe auch, dass man von Mettauertal spricht. Und vergisst aus welchem Ortsteil man kommt. 10 Prozent mehr Einwohner»
Heinz Knecht, 55 Jahre, Gemeindeammann von Mettau: «Eine gut funktionierende Gemeinde, die zusammenhält»
Christoph Rutschmann, 45 Jahre, Gemeinderatsmitglied in Oberhofen: «Eine tiefschwarze Finanzlage. Dass wir uns bewusst sind, unsere Jugend von heute, sind die Kapitäne von morgen.»
Patrizia Treier, 32 Jahre, Oberhofen, neu: «Eine zufriedene Gemeinde. Alle kennen sich im Mettauertal. Die Bevölkerung identifiziert sich mit der Gemeinde. Leute sagen, der Gemeinderat macht seine
Sache gut.»
Thomas Vetter, 48 Jahre, Gemeinderatsmitglied von Etzgen: «Weg gekommen von der Schlafgemeinde, hin zur Trendgemeinde»
Adrian Bürki, 34 Jahre, Etzgen, neu:«Dass das Standortmarketing funktioniert.»
Fritz Kuhn, 55 Jahre, Vizeammann von Wil: «Bin zufrieden, wenn Leute sagen, wir haben vor zehn Jahres nichts Schlechtes gemacht.» (sh)

Hierfür brauche auch es Leute mit Führungserfahrung. Als grösste Herausforderung erachtete Weber den Weg zur Einheit. «Es soll eine Wahl statt finden können für den Chef der neuen Gemeinde», sagte Robert Keller aus Hottwil. Auch er kann wie Weber auf eine langjährige Führungserfahrung im Gemeinderat zurückblicken. Für ihn braucht es für den erfolgreichen Zusammenschluss nicht nur ein engagiertes Gremium sondern ebenso eine aktive Bevölkerung, die bei der Gestaltung der neuen Gemeinde mitmacht.

Standortmarketing ist für ihn eine prioritäre Aufgabe. Auf das Zeitengagement eines Ammannes angesprochen, erklärte Peter Weber, dass er sich als selbstständig Erwerbender die Zeit einteilen könne. Robert Keller gab an, dass er sein Arbeitspensum bei einer Wahl zum Gemeindeammann wahrscheinlich auf 80 Prozent reduzieren werde. Robert Keller wie auch Peter Weber gaben klar zum Ausdruck: Sollten sie nicht zum Ammann gewählt werden, möchten sie gleichwohl im Gemeinderat engagiert mitwirken.

Sich erst finden

Heinz Knecht, zurzeit Gemeindeammann von Mettau, will sich als Mitglied im Mettauertaler Gemeinderat ebenfalls einbringen. «Wichtig ist, dass sich das Behördenteam wie auch die Gemeinden nun erst einmal finden.» Diese Aussage bestätigte auch Christoph Rutschmann. Der Oberhofener Gemeinderat stellt sich als Vizeammann zur Wahl. Die noch vorhandenen und vielfach spürbaren Grenzen müssen abgebaut werden, damit die fünf Ortsteile zu einer Einheit zusammenwachsen können ist er überzeugt. Für ihn stehen nicht die einzelnen Gemeinderatsmitglieder im Vordergrund. «Der ganze Gemeinderat muss an einem Strick ziehen.»

Vermittelnde Aufgabe

Patricia Treier, aus Oberhofen, die einzige Frau in der Kandidatenrunde, kann für ein künftiges Behördenamt unter anderem die Sicht der Verwaltung einbringen. Sie ist Finanzverwalterin der Gemeinden Hottwil, Oberhofen und Gansingen. Nach der Fusion amtet sie in dieser Funktion nur noch für Gansingen. Diese Gemeinde hat sich gegen eine Fusion mit den anderen Talgemeinden ausgesprochen. Patricia Treier erklärt in diesem Zusammenhang, dass sie durch ihren Beruf weiss, was Schweigen heisst, und auch hofft, dass sie sich vermittelnd einbringen kann.

Ein von ihr angestrebtes Ziel ist die Verbesserung des öffentlichen Verkers im Tal. Auch soll sich keine der Gemeinden einer anderen gegenüber benachteiligt fühlen. Der bisherige Etzger Gemeinderat Thomas Vetter sieht eine wichtige Aufgabe der neuen Gemeinde darin, dass das kulturelle Angebot für die Jugend attraktiver wird. Für ihn heisst das auch, dass die Vereine gestärkt werden sollen. Mit mehr Attraktivität können die Jungen vermehrt zum Mitmachen gewonnen werden. Sich aktiv einbringen, mitgestalten und die neue Gemeinde auf ihrem Weg begleiten steht für Adrian Bürki im Vordergrund. Ganz besonders grossen Stellenwert hat für den Etzger die Bindung innerhalb des Gemeinderates wie auch unter den künftigen Ortsteilen.

Interne Verschiebungen

Moderator Roland Kaufmann fragte Fritz Kuhn ob er wisse, was ein Sprengkandidat sei. «Das ist einer, bei dem chlöpfts. Das will ich nicht», so der amtierende Vizeammann von Wil. Kuhn hat sich erst in den letzten Tagen definitiv für eine Kandidatur entschieden. Er möchte als überzeugter Landwirt unter anderem deren Interessen in der neuen Gemeindeexekutive vertreten. Angesprochen auf die kurz vor Abstimmung stehende Bildungsreform Kleeblatt gaben sich die Kandidaten zurückhaltend. Klar sei aber, so Peter Weber aus Wil, dass das neue im Bau befindliche Schulhaus in Wil unabhängig von der Bildungsreform gebaut werde.

Den Schulraum benötige es so oder so. Auf die Frage aus der Versammlung, ob mit der neuen Gemeinde eine Vergrösserung oder Verkleinerung der Bauzone anstehe, antwortete Robert Keller, Hottwil: «Der Kanton wird keine Hand bieten, damit die Zonen vergrössert werden können.» Keller betonte aber, dass es intern in Mettauertal zu Verschiebungen zwischen Gewerbe- und Wohnzonen kommen müsse. Auch müsse ein grösserer Anteil an Mietwohnungen geschaffen werden.

Die Wahl des neuen Gemeinderates verspricht spannend zu werden, das betonte auch Gesprächsleiter Roland Kaufmann, bevor er die Anwesenden zu einem Apéro einlud.