Geld
Geld für Luxusleben abgezweigt

Teure und schnelle Autos sind für ihn das Grösste. Weil er auch illegale Mittel nicht scheute, um sich seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren, wurde er verurteilt. Nun soll ein Autounfall an allem schuld sein.

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Solothurner Zeitung

Raffaela Kunz

Reto T.* wurde 2006 zu 26 Monaten Zuchthaus verurteilt. Das Obergericht sprach ihn unter anderem wegen Urkundenfälschung, Veruntreuung, gewerbsmässigem Betrug und ungetreuer Geschäftsführung schuldig. Der heute 39-Jährige durchlief sämtliche Instanzen und gelangte bis vor Bundesgericht – das den Schuldspruch bestätigte. Doch dann kam alles anders.

Im Rahmen eines anderen Verfahrens wurde ein psychiatrisches Gutachten über T. erstellt, das dem Schweizer verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Er hatte 1992 einen Autounfall verursacht und schwere Verletzungen davongetragen. «Organische Persönlichkeitsstörung infolge eines Hirnschadens» lautete die Diagnose des Gutachters. Reto T. verlangte deshalb eine Neubeurteilung des Falls. Gestern stand er erneut vor Obergericht.

Er wollte protzen

Reto T., der in den vergangenen Jahren als Unternehmer immer wieder für negative Schlagzeilen sorgte, hatte 2002 bei einer Bank einen Kredit aufgenommen, um sich in Recherswil eine luxuriöse Villa zu bauen. Statt in den Bau steckte er das Geld indes in die eigene Hosentasche – und finanzierte sich einen aufwendigen Lebensstil. Der Bank schickte er jeweils gefälschte Abrechnungen.

Rund 410000 Franken konnte er so zweckentfremden. Darüber hinaus kaufte sich der gelernte Maurer aus Geldern der Firma seines Vaters, deren Geschäftsführer T. war, einen Porsche und liess diesen auf Kosten des Unternehmens aufmotzen. Kurz bevor dieses Konkurs anmelden musste, schaffte er sich zudem aus Firmengeldern einen Mercedes an.

Um an Geld zu kommen, benutzte T. auch ungefragt die Kreditkarte seines Vaters, der ihn schliesslich anzeigte. Auch liess er sich von einem Factoring-Unternehmen fiktive Forderungen auszahlen. Dazu kommt eine Vielzahl weiterer Delikte, die inzwischen entweder bereits rechtskräftig oder verjährt ist.

Den Oberrichtern indes ging es gestern nicht darum, die ganze Geschichte noch einmal aufzurollen. Im Zentrum stand vielmehr T. selber. Dieser wies sämtliche Schuld weit von sich. «Ich bin immer ins falsche Licht gerückt worden», beschwerte sich der 39-Jährige. Niemand glaube ihm. Er habe «sein Geld zugut gehabt» und auch immer zurückzahlen wollen. Nach seinen Motiven gefragt meinte T., er habe einfach zeigen wollen, dass er sich etwas leisten könne. Sein Vater habe ihn immer als Trottel hingestellt. «Seit meinem Unfall verspüre ich einen starken Geltungsdrang.»

Ob sich T.s Verhalten tatsächlich auf seinen Unfall zurückführen lässt, war an der Verhandlung der springende Punkt. Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt hatte gestützt auf das Gutachten die Strafe 2009 um die Hälfte reduziert – worauf sowohl die Staatsanwaltschaft als auch T. appellierten.

«Öffentlichkeit schützen»

Staatsanwalt Rolf von Felten stellte die Diagnose gestern infrage. Er verlangte, ein Obergutachten einzuholen, zumal ein älteres Gutachten T. keine bleibenden Schäden attestiert hatte. Nach einstündigem Unterbruch wurde die Verhandlung fortgesetzt. «Wir haben hart gerungen», meinte Oberrichter Daniel Kiefer. Von Feltens Antrag aber wurde abgewiesen. Des Weiteren verlangte dieser eine unbedingte Freiheitsstrafe von 341⁄2 Monaten. Die Öffentlichkeit müsse vor T. geschützt werden, begründete von Felten seinen Antrag. T. habe erst kürzlich erneut ein Unternehmen zu Boden gewirtschaftet, ein erneutes Fiasko sei vorprogrammiert.

Ganz anderer Ansicht war T.s Verteidiger: Er stellte seinem Mandanten eine gute Prognose. Seit vier Jahren sei dieser nicht mehr straffällig geworden, zudem sei T. Vater von vier Kindern. Er verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten und eine bedingte Geldstrafe nach richterlichem Ermessen. Obwohl T. eigentlich schon längst verurteilt ist, ist also auch Jahre später noch überhaupt nicht klar, wie seine Strafe aussehen wird. Mehr Klarheit dürfte morgen herrschen: Dann wird das neue Urteil des Obergerichts erwartet.

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