Geläuterter Schläger: «Gewalt bringt einfach nichts»

Das Festival Riot of Love in Oftringen soll ein Zeichen gegen Gewalt werden. Als Helfer sind auch geläuterte Schläger im Einsatz.

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Michael Spillman

Der 17-jährige Vladimir aus Oftringen weiss, wovon er spricht: «Als ich acht Jahre alt war, habe ich zum ersten Mal einen Älteren verprügelt.» Zwei Jahre später stand er erstmals vor der Jugendanwaltschaft. Er begründete die OCB-Gang, die «Oftringen City Boys». Die Bande zählte zeitweise über 100 «Mitglieder», Vladimir war so was wie deren Anführer. In verschiedenen Zusammensetzungen zogen sie los und prügelten sich mit anderen Gangs. Selbst als er regelmässig in «Kontakt mit der Jugendanwaltschaft» gewesen sei, habe er das stets als «cool» empfunden.

Was war der Antrieb für die Prügelorgien? «Niemand interessierte sich für uns», erinnert sich der 17-Jährige.
Mit dem Projekt in Oftringen sei nun alles anders. Jetzt engagiert sich Vladimir gegen Gewalt - und für
Riot of Love, das Festival in Oftringen. Am 12.Juni treten Musiker in der Mehrzweckhalle auf. Organisiert wird das Festival von der Jugendarbeit Oftringen, mit Unterstützung der Popart Veranstaltungen GmbH und Yvonne Hoheisel, der Mutter von Schlägeropfer Nicky.

Schluss mit Prügelorgien

Als er blutüberströmt im Spital lag, da war Vladimir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. So meldete er sich als Helfer für Riot of Love. Probleme mit seiner Gang habe es deswegen nicht gegeben, er sei schliesslich der Gründer der OCB. Er konnte sogar sechs Kollegen seiner berüchtigten Bande für einen Einsatz begeistern. Erst habe er eigentlich die Security übernehmen wollen. Schliesslich wurde er für den Abbau der Festivalinfrastruktur eingeteilt. Er hat der Gewalt also abgeschworen? «Es ist nicht einfach, aber ich habe gemerkt: Es bringt einfach nichts!»

Der 21-jährige Oftringer Matthias Pletscher macht bei der Jugendarbeit ein Praktikum und ist Festival-OK-Mitglied. Als Jugendlicher kam er früh in linksautonome Kreise, prügelte sich regelmässig mit Neonazis. «Ich spreche aus Erfahrung. Wir wollen nicht nur reden, sondern auch etwas gegen Gewalt machen», sagt der gelernte Landschaftsgärtner.

Studentin Rebecca Lindegger aus Trimbach SO wird in naher Zukunft den Praktikumsplatz bei der Jugendarbeit übernehmen. Sie habe noch nie mit Gewalt zu tun gehabt, wie sie mehrfach betont. Sie macht für das Festival die Öffentlichkeitsarbeit und produziert Kurzfilme für den Internetauftritt von Riot of Love. «Am Fest wird es nicht nur um die Musik gehen, es soll auch wichtige Gespräche unter Jugendlichen geben», verspricht sie.

Prügeln wegen Gruppendruck

Mit Gewalt in Kontakt kam hingegen der 16-jährige Julian. «An meiner alten Schule haben wir in den Pausen Jüngere angepöbelt. Es gab einen Anführer, der Gruppendruck war gross», so der Oftringer Schüler. Einmal sei die Situation so ausgeartet, dass es Probleme mit der Schule gegeben habe. Zusammen mit seiner 15-jährigen Freundin Carina setzt er sich nun mit dem Projekt gegen Gewalt ein: «Ich habe gemerkt, dass diese grundlose Gewalt nichts bringt.»