Das Video beginnt mit einer alltäglichen Szenerie dreier junger Menschen Anfang 20 im Auto. Sie kehren gerade aus dem Urlaub zurück. Der Fahrer selbst filmt das Grüppchen während der Fahrt und verschickt das Video.

Schon damit zeigen die zwei jungen deutschen Filmemacher Elena Isabel Walter und Emanuel Luca Zander-Fusillo aus Osnabrück ein erstes Problem auf, das im schockierenden viereinhalbminütigen Kurzfilm nur eine Nebenrolle spielt.

Denn nachfolgend fahren die drei jungen Erwachsenen an einem Unfall vorbei. Sie halten an, filmen das brennende Auto und den Feuerwehreinsatz aus Distanz und verbreiten die Videos in den sozialen Netzwerken. Als Zuschauer des Kurzfilms nimmt man dabei immer wieder den Blick durch die Kamera des jungen Gaffers ein.

Von der Schaulust und der Geltungslust getrieben geht das Trio immer näher an die Unfallstelle heran, um spektakulärere Bilder machen zu können. Es endet schliesslich in einem regelrechten voyeuristischen Exzess und der Behinderung der Einsatzkräfte: Die Schaulustigen schiessen geschmackslose und makabere Selfies von sich und dem Unfallopfer. Auch von den im Einsatz stehenden Feuerwehrleute, die eindringlich darum bitten eindringlich darum, das Gaffen einzustellen, lassen sie sich nicht aufhalten.

Die Filmemacher von «Blickfänger GbR» wollen mit ihrem Clip mehr öffentliche Wahrnehmung für das «Schaulustige bei einem Rettungseinsatz» bewirken – was ihnen gelungen ist. Die Botschaft kommt an: Unter dem Hashtag «#seikeingaffer» verbreitet sich der Film rasant in verschiedenen sozialen Netzwerken und wurde nach kurzer Zeit schon mehrere Millionen mal angeschaut.

Denn die Filmemacher warten in ihrer Kurzgeschichte mit den grossen Schock bis zum Ende. Die Hauptfigur, der junge voyeuristische Fahrer, stellt sich als Sohn des Unfallopfers heraus.

In Deutschland ein Strafbestand

In Deutschland wurde das Gaffen im vergangenen Jahr zum Strafbestand erhoben – es drohen inzwischen happige Bussen von bis zu 1000 Euro oder gar bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe. Inzwischen halten deutsche Polizisten explizit Ausschau nach Handy-Gaffern und verzeigen diese. Denn auch die Veröffentlichung und Verbreitung von solchen Aufnahmen ist widerrechtlich.

Auch in der Schweiz wurde schon darüber diskutiert. 2016 forderte der Aargauer BDP-Nationalrat Bernhard Guhl, dass Schaulustige, welche Unfälle fotografieren, bestraft werden.