Rollsplitt

Gefährlich wie Glatteis

Um 90 Grad gedreht: Zwischen Bäumen eingeklemmt das Fahrzeug des Schwerverletzten. (Kapo AG)

Unfall Splitt

Um 90 Grad gedreht: Zwischen Bäumen eingeklemmt das Fahrzeug des Schwerverletzten. (Kapo AG)

Flächendeckender Rollsplitt wurde für zwei Autolenker zur Falle: Zwei schwere Unfälle innert 13 Stunden an fast genau derselben Stelle forderten einen Schwerverletzten und eine Leichtverletzte.

Rosmarie Mehlin

Auf der Verbindungsstrasse Lengnau-Rekingen geriet am Donnerstag um 18 Uhr oberhalb von Baldingen ein 37-jähriger Automobilist ins Schleudern. Das Fahrzeug donnerte im 90-Grad-Winkel zur Strasse in den Wald, wobei der Lenker im Wagen eingeklemmt und an Kopf und Becken schwer verletzt wurde. Er wurde mit der Rega ins Spital geflogen.

Gestern Morgen gegen 7 Uhr geriet eine in Richtung Lengnau fahrende Automobilistin an fast genau derselben Stelle ebenfalls ins Schleudern. Ihr Auto querte die Strasse und prallte frontal gegen einen Baum. Die Lenkerin wurde, dank Air-Bag, glücklicherweise nur leicht verletzt, ihr Fahrzeug erlitt Totalschaden. Am Mittwochnachmittag hatte eine Strassenbaufirma an jener Stelle eine Oberflächenbehandlung vorgenommen. Nachdem sich wegen der Hitze in der Mitte der Strasse ein Streifen Bitumen verflüssigt hatte, brachte sie vor rund drei Wochen zunächst Sand und Kies aus. Damals hatte die Firma Splitt-Warnschilder aufgestellt. Obwohl die Strasse längst wieder normal befahrbar war, wurden die Schilder nicht entfernt. Dass die Schilder ab Mittwochabend völlig überraschend wieder Gültigkeit hatten, wurde zur Falle für zwei Fahrer, welche diese Strecke täglich frequentieren.

Grosse Menge loser Splitt

Zumal das betreffende Bauunternehmen mit frischem Bitumen keine neue Unterlage geschaffen hatte, sondern auf der ganzen Länge und Breite des Strassenstückes nur 170 Grad heissen Splitt ausbrachte - insgesamt 2,5 Kubik. Dass diese kostengünstige Variante gewählt wurde, weil es sich um Garantiearbeit handelt, stellt ein Bauführer der betreffenden Firma vehement in Abrede. Spezialisten hätten dieses Vorgehen empfohlen.

Der Splitt wurde zwar eingewalzt, doch vermengte sich nur ein geringer Teil mit der Unterlage. Der grössere Teil bildete einen beinahe durchgehenden, rund einen Zentimeter hohen, äusserst rutschigen Belag, ähnlich Glatteis. «Ich hatte keine Chance», sagte die gestern verunfallte Lenkerin und betonte, nicht übermässig schnell gefahren zu sein. Sie und der Schwerverletzte vom Mittwochabend, werden gemäss dem Gesetz wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs und Nichtanpassens der Geschwindigkeit verzeigt. Die Strassenbaufirma ihrerseits ist der Überzeugung, alles völlig korrekt gemacht zu haben. Die polizeilichen Abklärungen müssen weisen, ob dem so ist.

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