Gefährlich: Giftpilze zwischen Champignons

Baden Pilzkontrolle

«Stinken nach Zigarrenschachtel»

Baden Pilzkontrolle

Die Pilzkontrollstelle in Baden ist seit Samstag wieder geöffnet. Wie eine Pilzkontrolleurin Sammler davor bewahrt, giftige Pilze zu essen.

Andreas Bannwart

«Ich war halt im Wald», sagt Michèle Meyer und springt gerade noch rechtzeitig aus ihrem Auto. Meyer ist zertifizierte Pilzkontrolleurin der Stadt Baden. Und an diesem Samstag, Punkt 17 Uhr, eröffnet sie die Pilzkontrollstelle im Holztäferhäuschen bei der Einfahrt zum Schadenmühleplatz.

«Sie können Ihre Pilze schon vorsortieren», sagt Meyer zu den Sammlerinnen und Sammlern, die teilweise prallvolle Körbe gebracht haben. Unterdessen stellt Meyer eine Waage auf und macht die Tische bereit, um die Pilze auszulegen.

Durchfall

Die Messnadel der Waage bleibt beim ersten Steinpilz bei 600 Gramm stehen. Michèle Meyer nimmt ein Pilzkontrollblatt zur Hand und notiert: «Ein Steinpilz à 600 Gramm». Auch alle anderen Pilze, ob Speisepilze oder nicht, notiert sie auf einem Pilzkontrollblatt, zusammen mit dem Namen des Sammlers.

«Bei Problemen können wir zurückverfolgen, welcher Pilz es war.» Welcher Pilz ein Speisepilz ist und welcher nicht, dazu gibt die Vereinigung Amtlicher Pilzkontrollorgane (Vapko) Auskunft. Doch auch Speisepilze sind unterschiedlich verträglich und könnten zu «beschleunigter Darmtätigkeit» führen, sagt Meyer – und meint Durchfall.

Vorsicht beim Essen

Damit Pilze in guter Erinnerung bleiben, sagt Meyer klar: «Pilze auf keinen Fall roh essen.» Die Ausnahme bilden der Trüffel und der Eispilz. Dieses Jahr gäbe es viele Reizker-Pilze. Den Reizker müsse man heiss im Öl braten.» Auch das vermerkt sie auf dem Pilzkontrollschein. Denn gekocht sei der Reizker «grusig».

Andere, dunklere Pilze eignen sich wegen des Farbkontrastes gut für Risotto. Meyer ist um keinen Begriff verlegen, einen Pilzgeruch zu beschreiben: «Manche stinken nach Zigarrenschachtel.» Andere nach Fisch.

Unkannte Pilze trennen

Da gibt es den Knollenblätterpilz, der sich gerne zwischen Champignons versteckt. Sein Gift ist oft tödlich. Das Heimtückische: «Der Knollenblätterpilz hat ein Leberzellgift, das sich erst 4 bis 8 Stunden nach Verzehr dramatisch bemerkbar macht», sagt Meyer. Andere Giftpilze zeigten ihre Wirkung noch viel später – ein bis zwei Wochen nach dem Verzehr. In dieser Zeit lagere sich das Gift im Körper ab.

Und wenn der Knollenblätterpilz mit geniessbaren Pilzen im Körbchen lag? «Das ist nicht gut», sagt Meyer und rät: «Unbekannte Pilze mit einer Alufolie oder Papier von bekannten Speisepilzen trennen, viele Sammler machen das schon wunderbar.»

Sonst könnte im schlimmsten Fall das ganze Körbchen im Eimer landen. Meyer erinnert daran, dass Pilze ein Genussmittel und schwer verdaulich sind. «Darum Kindern bis 6 Jahre keine Pilze geben und schon gar nicht zum Verzehr zwingen». Selbst in Frankreich, einem «Land von Genussmenschen», werde bis zum Alter von 12 Jahren vom Pilzverzehr abgeraten.

Bedächtig sammeln

Wer sich im Gebiet von Rotkäppchen richtig verhält, hat später keine Probleme. Die Devise lautet: «Nur Bekanntes sammeln». Oder wer eine Pilzgruppe nicht bestimmen kann, der dreht einen oder zwei Pilze komplett aus dem Boden und bringt ihn zur Pilzkontrollstelle.

Und wichtig: «Pilzsammler sollen die Stelle, wo sie den Pilz aus der Erde gedreht haben, wieder mit Erde zudecken», sagt Meyer. Das habe mit dem Pilzmyzel zu tun, das Geflecht, das 5 bis 15 cm tief in der Erde liegt und der eigentliche Pilz ist. «Was wir pflücken, ist nur die Frucht – wie ein Apfel.»

Und wozu das Körbchen? Weil sie luftdurchlässig und trocken sind? «Genau deswegen», sagt Meyer. Auch ein Papiersack sei in der Not in Ordnung. «Nie Plastik, die Pilze schimmeln, und das gibt Bauchweh.»

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