Andrea Masek

30 Jahre ist es her, dass im Universitätsspital Basel über 2000 Kinder geboren worden sind. Insgesamt erblickten im 2009 - bis zu Weihnachten - 2113 Babys das Licht der Welt. Davon waren 1098 Knaben und 1015 Mädchen. 57 Mal gab es Zwillinge, zwei Mal Drillinge. Ganz ungewöhnlich ist diese frohe Botschaft nicht, denn seit 2005 steigt die Zahl der Geburten in der Schweiz stetig an.

Dass gerade das Universitätsspital Basel mit einem Rekord auftrumpfen kann, hat aber seine besonderen Gründe. Die Baslerinnen und Basler sind nicht etwa aussergewöhnlich zeugungs- und gebärfreudig.

Geburtszentren liegen im Trend

«In den letzten Jahren liegen grosse Geburtszentren im Trend», erklärt Andreas Bitterlin, Mediensprecher des Unispitals. Deshalb wählen viele werdende Eltern aus Basel und Umgebung das Basler Unispital. Sie möchten das Risiko möglichst tief halten und entscheiden sich deshalb für Kliniken, wo Spezialistinnen und Spezialisten aller medizinischen Disziplinen unter einem Dach sind und zur Verfügung stehen, falls es Komplikationen gibt.

Das ist beim Unispital der Fall. «Auch die Neonatologie ist bei uns im gleichen Haus», fügt Bitterlin an. In der Neonatologie werden kranke Früh- und Neugeborene fachärztlich betreut. Mütter, die kürzlich ihr Kind in der Frauenklinik des Unispitals zur Welt gebracht haben, bestätigen diese Aussagen.

Sie sagen zudem, ihnen sage der moderne Betrieb zu. Bitterlin bekräftigt, dass sich die Frauenklinik seit einigen Jahren zunehmend grosser Beliebtheit erfreut. Unter anderem seit dem Umzug «vom altehrwürdigen, etwas antiquiert wirkenden Frauenspital an der Schanzenstrasse in die neue Klinik an der Spitalstrasse, die sich durch eine freundliche bauliche Ambiance auszeichnet».

Andere Spitäler wie das Bethesda oder das Kantonsspital Liestal stellen zwar auch steigende Geburtenzahlen fest, verzeichnen dieses Jahr aber keine aussergewöhnliche Zunahme. Ob der Drang nach Sicherheit in Krisenzeiten ausgeprägter ist und das Unispital deswegen mehr gewählt wurde, darüber kann nur spekuliert werden. Fachleute wollen dies weder bestätigen noch verneinen.

Genauso wenig wie sie die Frage beantworten, ob sich die Menschen in wirtschaftlich schlechten Zeiten wieder mehr auf die Familie besinnen und mehr Kinder wollen. Renato Meier, Leiter der Basler Familien-, Paar- und Erziehungsberatung, sagt nur, seit Jahren gebe es mehr Kinder und weniger Scheidungen. Für die Generation zwischen 25 und 35 Jahren sei die Wertvorstellung Familie, sei das Zusammensein wieder sehr wichtig.

Auch Soziologieprofessor Ueli Mäder möchte den Babytrend nicht an der Wirtschaftskrise festmachen. Er meint, die Wachstumsentwicklung sei in der Schweiz lange zurückgefahren worden und jetzt würde sich das Ganze einfach wieder einpendeln. Auffällig ist jedoch, dass im Basler Unispital der Juni mit 197 Geburten der Rekordmonat war - jene Kinder sind zu dem Zeitpunkt gezeugt worden, als die Krise die Schweiz erreicht hat...