Gebäudeversicherung muss für nicht erkennbare Mängel zahlen
Gebäudeversicherung muss für nicht erkennbare Mängel zahlen

Die Regierungsrat macht bei der Gebäudeversicherung eine Kehrtwende: Sie soll künftig auch für Elementarschäden an Gebäuden aufkommen, die wegen Baupfusch entstanden sind. Die Mängel dürfen für den Liegenschaftsbesitzer aber nicht sichtbar sein.

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Sturmschäden in Reinach
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Sturmschäden in Reinach

Aargauer Zeitung

Das heutige Gebäudeversicherungsgesetz schliesst Schäden, die durch mangelhafte Konstruktion oder durch mangelhaften Unterhalt entstehen, aus der Elementarschadendeckung aus. Das soll sich ändern. Der Regierungsrat hat eine entsprechende Teilrevision des Gebäudeversicherungsgesetzes verabschiedet.

Die Regierung macht damit eine Kehrtwende. Ausgelöst wurde sie von den Sturmschäden in Reinach im Jahr 2006. Damals liess ein gewaltiger Sturm das Dach einer Terrassensiedlung am Eichhörnliweg in Reinach davonfliegen. Es landete auf einem Auto. Der Schaden belief sich auf 100000 Franken.

Keinen roten Rappen

Bis heute hat die Aargauische Gebäudeversicherung, bei der alle Liegenschaften im Kanton zwangsversichert sind, jedoch keinen roten Rappen bezahlt. Begründung: Ohne Baumängel wäre das Dach beim Sturm nicht davongeflogen. Beim gleichen Unwetter ist auch das Dach des Schulhauses in Reinach massiv beschädigt worden.

Mit der vorliegenden Teilrevision sollen künftig auch Elementarschäden an mangelhaften Gebäuden entschädigt werden, allerdings nur dann, wenn die Mängel nicht erkennbar sind und auch nicht überwiegend für den Schaden verantwortlich waren.

Gleichzeitig werden Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer im Rahmen einer allgemeinen Präventionsobliegenheit verpflichtet, bei bekannten oder leicht erkennbaren Konstruktions- oder Unterhaltsmängeln die notwendigen und zumutbaren Massnahmen zu treffen.

Für die Geschädigten in Reinach ändert die Gesetzesrevision nichts. Ihre Schäden bleiben ungedeckt. (rsn)