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Garstige Kehrseite der Grillparty

Der neu gestaltete Rheinweg zwischen Johanniter- und Dreirosenbrücke entwickelt sich zur Open-Air-Partyzone. Jetzt regt sich Widerstand gegen die Auswüchse: Nachtlärm, Abfall, Urin in den Vorgärten.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Walter Brunner

Spätestens seit an der Euro 08 die Holländer hier waren, weiss Basel, dass konsumierte Getränke wieder aus dem Körper herausfliessen. Das gleiche Phänomen zeigt sich nun an den Massen-Grilladen, die am neu gestalteten Unteren Rheinweg stattfinden. Uringestank, rostende Garagentore, beissender Grillrauch und Lärm sind die lästigsten Folgen der Grillfeste, sagt Theres Wernli, Leiterin des Stadtteilsekretariats Kleinbasel.

«Eine junge Frau reklamierte, sie könne einfach nicht schlafen, wenn jemand bis morgens um drei Uhr auf seinen Bongos trommle.» Der Stadtentwickler Thomas Kessler freut sich über den neuen Grillstrand. «Es ist sogar erwünscht, dass die Leute kommen», sagt er. Die meisten würden sich auch an die Regeln der Zivilisation halten, die Abfälle mitnehmen, nachts die Lautstärke senken. «Das Problem sind asoziale Exzesse. Es hat Randalierer dabei, die sich in den Vorgärten der Anwohner versäubern, oder die so viel Lärm machen, dass morgens um vier Uhr die Kinder aufwachen.»

Wernli und Kessler betonen, dass die Toleranz der Anwohner im Kleinbasel sehr hoch sei. «Aber wenn die Lärmbelastung zu gross ist, oder wenn man am Morgen zuerst den Kot aus dem Garten entfernen muss, dann geht das einfach zu weit», sagt Thomas Kessler. Und Theres Wernli stellt ein gewisses Unbehagen bei den Anwohnern fest: Einerseits haben sie volles Verständnis für die Grillparty am Rhein, anderseits wollen sie nicht mit Verboten kommen oder gleich die Polizei rufen. Hier prallen zwei Anliegen aufeinander, nämlich die Party am Rhein und das Wohnen am Rhein. Als Lösungsansätze nennt sie Stichworte wie den runden Tisch mit der Polizei, Zivilcourage, mehr Sensibilisierung und sozialarbeiterische Projekte.

Wachsende Piazza-Kultur

Basel habe ein mediterranes Klima und am meisten Sonnenstunden aller Schweizer Städte - und folglich eine lebendige Nutzung am Rhein, sagt Kessler. «Deshalb brauchen wir auch ein Nutzungsbewusstsein wie in mediterranen Städten: Dass man abends auch mit den Kindern draussen ist und sich ebenso zivilisiert verhält wie daheim.» Theres Wernli spricht von einer zunehmenden Piazza-Kultur: «Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Leute immer mehr nach draussen gehen. Dieses Leben braucht eine andere Mentalität, eine gesellschaftliche Haltungsänderung.»

Dafür gebe es noch kein Konzept, sagt Wernli, doch das könnte sich bald ändern. Die Probleme, die sich am neu gestalteten Rheinufer ergeben, sind nämlich erkannt. So stellt das Baudepartement vier neue WC-Container auf, um das Urin- und Kotproblem zu entschärfen (bz vom 1. Juli). Die Stadtentwicklung will zunächst das Gespräch fördern. Thomas Kessler: «Wir müssen die Themen benennen und ehrlich miteinander ins Gespräch kommen, und nicht auf eine dramatische Entwicklung warten.» In einem weiteren Schritt soll in interdepartementaler Zusammenarbeit abgeklärt werden, wie man das neu gestaltete Rheinufer am besten nutzen könnte. «Die Optimierung ist in den Startlöchern», sagt Stefan Dössegger von der Stadtentwicklung.

Auch die Polizei weiss, dass sich der Rheinweg zur Grillmeile entwickelt hat und sich deshalb zunehmend mehr Leute dort aufhalten. Für Peter Sumsander, Polizei-Dienstchef des Bezirks Kleinbasel, ist klar, dass dies auch zu mehr Reklamationen führen kann. Die meisten Leute an der Grillmeile seien jedoch Quartierbewohner und würden sich anständig aufführen. Die häufigsten Reklamationen würden das Grillieren betreffen, etwa wenn ein Grill rauche oder stinke. «Das Grillieren im öffentlichen Raum ist aber erlaubt», sagt Sumsander, deshalb könne keine Rede sein von einem Verbot.

Für Klaus Mannhart, Sprecher der Basler Polizei, gehört das Grillieren am Rheinufer zum Leben in der Stadt. Die Polizei gehe nicht gegen das Grillieren vor, sondern mache mehr Patrouillen, wenn mehr Leute zusammenkommen. Auch würden relativ häufig Personenkontrollen gemacht, etwa um «Kügeli-Dealer» zu erwischen. «Die Menschenmenge lockt eben auch Leute an, die in dubiosen Geschäften tätig sind.»

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