Ganz Friedlisberg abgespritzt

«Dreh dich nicht um, der Buchsbaumzünsler geht um.» Dieser abgewandelte Spruch gilt für einmal nicht. Hinsehen ist angesagt. Dank der Aufmerksamkeit einer Anwohnerin konnte in Rudolfstetten-Friedlisberg rasch auf den Befall reagiert werden.

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Kampf gegen Buchsbaumzünsler

Kampf gegen Buchsbaumzünsler

Hans Rechsteiner

Als Barbara Killmann am Montag in ihrem Garten auf dem Friedlisberg verdächtig serbelnden Buchs entdeckt, reagiert sie goldrichtig. Sie packt ein paar Zweige in einen Plastiksack und bringt sie zur Untersuchung zu Gärtnermeister Peter Baumann.

Dieser erkennt unter dem Mikroskop den Schädling sofort: Eigelege, Puppen und Raupen des Buchsbaumzünslers (Diaphania perspectalis). Jetzt geht es schnell. Denn auch der Pflanzenschutzdienst des Kantons Aargau auf der Liebegg ist vorbereitet. Geri Busslinger hatte schon im Mai ein informatives Merkblatt drucken lassen, das er sofort auf den Mutschellen schickt und ausserdem intensive Beratung zur Verfügung stellt.

Ganz Friedlisberg abgespritzt

Auch Pedro Baumann, Spezialist und Züchter von Buchs («Ich habe für Zehntausende Franken Buchsbaum in meinem Zuchtgarten»), reagiert blitzschnell. Schon am Dienstag fährt eine Equipe mit dem richtigen Spritzmittel durch die Gärten und spritzt, selbstverständlich mit dem Einverständnis der durchwegs dankbaren Anwohner, die vielen Buchsbäume auf dem Friedlisberg ein erstes Mal.

Und schon am Mittwoch sind die Pheromon-Geschlechter-Duftstofffallen bereit, mit denen wie beim Borkenkäfer die liebestollen Buchsbaumzünsler-Schmetterlinge für die Zählung eingefangen werden.

Baumann lässt in den Friedlisberger Gärten die befallenen Buchsbäume flächendeckend mit dem Pflanzenschutzmittel Delfin abspritzen. Er betont aber, dass es für jeden Raupentyp ein eigenes Gegenmittel gebe.

«Delfin» gegen Buchsbaumzünsler

Das «Delfin» sei immerhin bienenfreundlich, was dem Naturfreund ebenso wichtig ist wie dessen Wirkung. Zwei, drei Spritzungen seien schon nötig, sagt Baumann, und Nachkontrollen, besonders im Inneren der Buchsbäume, weil dort der erste Frassangriff meist unbemerkt stattfinde.

Gemeinde übernimmt die Kosten

Übrigens hat auch die Gemeinde Rudolfstetten-Friedlisberg, deren öffentliche Anlagen, vor allem der Friedhof, stark befallen sind, schnell und unbürokratisch reagiert. Gemeindeammann Josef Brem, selber auf dem Friedlisberg wohnhaft, stellt in Aussicht, dass die Gemeinde die Kosten der Spritzaktion übernehme. Sonst müsste Pedro Baumann jedem Gartenbesitzer für die jeweilige Spritzung – je Garten zwei Minuten à drei Franken, dazu die Mann-Minuten – eine individuelle Rechnung ins Haus schicken.

Wie weit die übrige Region vom Durchzug des Buchsbaumzünslers betroffen ist, weiss man bisher nicht. Baumann ruft die Gartenbesitzer auf, ihre Pflanzen genau unter die Lupe zu nehmen und sich bei Befall zu melden. Und er schöpft auch noch aus seinem grossen Wissensfundus: «Buchs gehört zu den ältesten Kulturpflanzen Europas und kann mehrere hundert Jahre alt werden» sagt er.

Früher habe man Pfeile für die Armbrust davon geschnitten oder Alphorn-Mundstücke daraus geschnitzt. Heute dienen sie, professionell gestutzt, der Zier unserer Hausgärten.

Zünsler seit 2007 in der Schweiz

«Erste Meldungen zu einem neuartigen Schädlingsbefall an Buchsbäumen (Buxus sempervirens) kamen in Europa im Jahr 2007 aus Weil am Rhein und rasch auch im Raum Basel», steht in der Broschüre des Pflanzenschutzdienstes Aargau.

Beim Schädling handle es sich um Raupen eines Kleinschmetterlings, der aus dem asiatischen Raum (China, Japan, Korea) stamme. Der Buchsbaumzünsler entwickelt eine bisher unbekannte Fressaktivität in Gärten, Park- und Friedhofanlagen und kennt keine natürlichen Feinde, meint die Broschüre.

Peter Baumann weiss es besser: «Zwar nehmen beispielsweise Raubmilben den Zünsler nicht, aber Hummeln, Wespen und Ameisen fressen ihn», sagt er. «Aber der Buchsbaumzünsler vermehrt sich derart schnell, dass dies kaum Wirkung zeigt.» Und er fügt an, dass, wer Ameisen und Wespen bekämpfe, auch wissen müsse, dass er damit nützliche Helfer der Schädlingsbekämpfung vernichte.

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