Gämsen in Küttigen? Kein Scherz!

In den drei Jagdrevieren von Küttigen und Erlinsbach tummeln sich bereits rund 80 Gämsen bei besten Bedingungen. Es wird vermutet, dass die Tiere aus dem Solothurner Jura eingewandert sind.

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Hermann Rauber

Gämsen im nahen Jura? Weder ein Aprilscherz noch eine wildbiologische Täuschung. Die ursprünglich im alpinen Raum beheimateten Tiere fühlen sich auch auf sanfteren Hügeln ausgesprochen wohl. Vereinzelte Gämsen sind im Gemeindebann Küttigen und Erlinsbach bereits vor Jahrzehnten gesichtet worden. Sie sind, so vermutet der Präsident der Jagdgesellschaft Wasserfluh-Homberg, Albert Welte, aus dem Solothurner Jura eingewandert. Eine zweite Aargauer Gamskolonie, die allerdings bewusst angesiedelt worden ist, existiert am Villiger Geissberg.

Der Bestand der Tiere hat sich in der Zwischenzeit prächtig entwickelt. Seit rund zehn Jahren werden die Populationen in Villigen und ob Erlinsbach und Küttigen systematisch gezählt. Im Raum Aarau betroffen sind drei Jagdreviere, nämlich Erlinsbach-Ramsfluh, Hungerberg-Egg und Wasserfluh-Homberg. Diese haben auf Initiative des Kantons eine Gamshegegemeinschaft gegründet und sind auch für die jährliche Zählung der Herde verantwortlich.

«In sehr guter Verfassung»

Die Zahlen zeigen eine erstaunliche Entwicklung. Registrierte man im so genannten Kerngebiet Wasserflue 2002 noch 24 Tiere, so waren es 2005 bereits um die 50. Heute dürften es laut Albert Welte bereits rund 80 Exemplare sein, die sich am Jurasüdfuss tummeln. «Wir beobachten eine überdurchschnittliche Zuwachsrate von 15 bis 20 Prozent pro Jahr», sagt der passionierte Jäger. Die Gämsen befinden sich «in sehr guter Verfassung», denn im Gegensatz zum Hochgebirge mangelt es den Jura-Gämsen in der Regel nicht an Nahrung. Und auch die natürlichen Feinde sind rar, den Tieren könnte höchstens einer der seltenen Luchse ins Gehege kommen.

Zu den bevorzugten Weideplätzen gehört der Achenberg ob Küttigen. Wer nördlich des Aussiedlerhofes von Samuel Hochuli mit dem Fernglas auf die Pirsch geht, hat gute Chancen, ein grösseres Rudel Gämsen beobachten zu können. Am besten gelingt dies laut Welte am Morgen zwischen 8 und 10 Uhr und am Nachmittag von 15 bis 18 Uhr, in der Zeit des Asers. Dabei ist allerdings ein «Sicherheitsabstand» einzuhalten, sonst verschwinden die Tiere rasch im Wald, wo sie auch schlafen und ruhen. Die Gämsen sind gemäss dem Jäger «sehr standorttreu», das heisst, sie lassen sich nicht so leicht aus dem gewohnten Revier vertreiben.

Bejagung grundsätzlich möglich

Bei der Abteilung Wald auf der kantonalen Verwaltung betrachtet man das Vorkommen im Jura als «Verbindungskorridor» zwischen den Gäms-Populationen im Schwarzwald und im Solothurner Jura. Die Waldgämsen ernähren sich vorwiegend von Gras und können bei guten Lebensbedingungen ein Alter bis 18 Jahre erreichen. Während die Jura-Gämsen bis jetzt lediglich «selek-tiv» geschossen worden sind, ist nach dem neuen aargauischen Jagdgesetz seit dem 1.Januar 2010 eine Bejagung grundsätzlich erlaubt, allerdings nur nach dem verbindlichen Abschussplan.

Wer aber die Begeisterung, mit der Albert Welte von «seinen» Gämsen erzählt, vor Augen hat, kann davon ausgehen, dass sich die Kolonie an Achenberg und Wasserfluh auch künftig positiv entwickeln wird.