Peter Schmid

Auch wenn (oder gerade weil) es nur ein Meisterschaftsspiel der dritten Liga war, das im Sommer 2008 in einer Gemeinde des Bezirks Lenzburg ausgetragen wurde, fighteten die beiden Mannschaften doch mit ausgesprochen harten Bandagen. Nachdem zwei Mittelfeldspieler aneinandergeraten waren, drohte Giovanni vom auswärtigen Team seinem Widersacher Gustav: «Nächstes Mal breche ich dir das Bein.»

Das nächste Mal kam bei einem Einwurf, der in Gustavs Füssen landete. Da nahte von hinten Giovanni und hieb ihm das Knie mit solcher Wucht in den Brustkorb, dass
eine Rippe brach. Zudem erlitt er schmerzhafte Brust- und Lungenprellungen. Gustav ging zu Boden. Als ihm seine Mitspieler zu Hilfe eilten, knurrte Giovanni: «Der soll doch verrecken.» Er kassierte die zweite gelbe Karte und musste das Spielfeld verlassen. Gustav war einen Monat arbeitsunfähig, verpasste acht Meisterschaftsspiele, musste die Weiterbildung verschieben und höllische Schmerzen erdulden.

«Er ist ausgerutscht»

Den Strafbefehl des Bezirksamts Lenzburg akzeptierte Giovanni nicht, denn für ihn war der Zusammenstoss eine Rempelei, wie sie in jedem Match passieren könne. Er versuchte abzuwiegeln: «Gustav ist ausgerutscht, weshalb ich ihn statt den Ball traf.» Nur: Schiedsrichter und Gustavs Mitspieler waren überzeugt, dass Giovanni gar keine Chance hatte, an den Ball zu kommen.

Das Bezirksgericht Lenzburg gelangte wie schon das Bezirksamt zur Überzeugung, dass Giovanni seine Attacke in der Absicht geritten hatte, seinen Gegner zu verletzen. Der Antrag des Verteidigers, Giovanni freizusprechen, hatte keine Chance. Die Sache mit dem Ausrutscher
taxierte Gerichtspräsident Daniel Aeschbach als reine Schutzbehauptung.

Es tönt einfacher, als es tatsächlich war. Das Bezirksamt Lenzburg hatte eine ganze Reihe von Spielern beider Teams sowie den Schiedsrichter angehört - ein grosser Aufwand für eine einfache Körperverletzung, ganz abgesehen davon, dass es eine wahre Rarität ist, dass ein solcher Fall überhaupt vor einem Gericht endet und nicht auf disziplinarischem Weg erledigt wird.

Die Aussagen gingen auseinander. Giovannis Mitspieler verwickelten sich zudem in Widersprüche noch und noch und gaben diverse Versionen zum Besten. Die Aussagen von Gustavs Team hingegen tönten ähnlicher und waren somit glaubwürdiger. Insbesondere bestätigten diverse Teamkollegen Giovannis rüde Bemerkungen.

Aeschbach fasste Giovannis Ausraster zusammen: «Es war eine rücksichtslose, unsportliche und unfaire Attacke, die über das hinausgeht, was bei einem Fussballmatch passieren kann.» Das Gericht verurteilte den Angeklagten deshalb zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse von 400 Franken.