«Fussball trotz Ramadan»

Ahmet Uysal: Bestellt auch nach Sonnenuntergang nur Tee. (Aline Wüst)

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Ahmet Uysal: Bestellt auch nach Sonnenuntergang nur Tee. (Aline Wüst)

Ahmet Uysal aus Menziken wurde während des Ramadan geboren. Vielleicht hat er deshalb eine besonders innige Beziehung zum Fastenmonat.

Aline Wüst

«Das Spezielle am Ramadan ist, dass sogar Wasser nach langer Entbehrung herrlich schmeckt», sagt der Publizistikstudent Ahmet Uysal, 25.

Während seiner Schulzeit war der Ramadan nie ein Problem. «Ich faste aus Überzeugung. Allah hilft mir dabei und gibt mir Kraft», sagt Uysal. Am Sportunterricht habe er genau-so teilgenommen wie seine Mitschüler. Einzig dem Schwimmunterricht blieb er fern: Das Risiko, dabei Wasser zu schlucken, sei zu gross. Seine Lehrkräfte hatten immer Verständnis für den Muslim.

Schon früh lernte Uysal seinen Glauben gegenüber Mitschülern und Lehrern zu verteidigen und sich zu erklären. «Durch die Diskussionen lernte ich mich auszudrücken, und das hat mich als Mensch weitergebracht», sagt Uysal. Im Unterricht war es manchmal schwierig, wenn Lehrer Islam-Klischees erzählten. «Beispielsweise, dass im Islam Frauen unterdrückt werden.» In solchen Momenten habe er immer versucht, das richtigzustellen.

Religion verliert an Bedeutung

Der Türke beobachtet, dass viele junge Muslime nicht mehr fasten. Uysal vermutet die Ursache darin, dass Ramadan dieses Jahr im Sommer ist, dadurch sei das Fasten härter. Zudem spiele die Religion bei vielen jungen Muslimen eine untergeordnete Rolle: Sie seien faul und sähen den Sinn des Ramadan nicht.

Oft seien Eltern nachsichtig mit ihren Kindern, befürchten vielleicht, dass ihre Sprösslinge in der Schule schlechter seien oder ausgegrenzt werden, wenn sie Ramadan machen. «Das sind Bedenken, die Gläubige nicht haben sollten», sagt Uysal und fügt an: «Je weniger Menschen den Islam leben, desto weniger lernen die Religion kennen.»

Für Muslime, die Ramadan halten, werde es zudem immer schwieriger: «Wenn acht von zehn Türken während des Ramadan am Schwimmunterricht teilnehmen, kommen die anderen zwei Kinder in Erklärungsnot.»

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