Furka-Fronis versetzen Berge

Der Traum Tausender ist Wirklichkeit geworden: Dampfzüge fauchen wieder über die Furka, von Realp bis Oberwald. Urner, Walliser, Aargauer und alle Bahnfreunde feiern diesen Meilenstein mit einem Fest.

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Furka-Fronis versetzen Berge

Furka-Fronis versetzen Berge

Hans Lüthi, Oberwald

Faszinierend schön und ebenso wild und rau ist die Bergwelt um die Pässe Furka, Grimsel und Nufenen, viele hielten die Pioniere der Furka-Dampfbahn für verrückt. Im Winter liegen auf der Strecke bis zu 18 Meter Schnee, von 365 Tagen ist der Bahnbetrieb zwischen Oberwald und Realp nur an 70 Tagen möglich – von Ende Juni bis Ende September. Auch im Sommer schlägt die Natur unerbittlich zu, vor zwei Wochen verschüttete eine Rüfe das Gleis oberhalb von Gletsch.

In der Nacht vor der Einweihung tobt ein heftiges Gewitter, Wasser und Geröll überschwemmen an der gleichen Stelle Zahnstangen und Schienen. Doch die Frondienstler – liebevolle Fronis genannt – räumen das Gleis rechtzeitig. Die mit Sonnenblumen und Fahnen geschmückte Dampflok Furkahorn rollt mit den Fahrgästen von Realp via Scheiteltunnel und Gletsch nach Oberwald. Festwetter herrscht nicht eben, aber zwischen Trockenheit und Nieselregen ist es ganz erträglich.

Freude herrscht in Oberwald

Feststimmung total dafür in Oberwald, mit dabei der geistige Vater von «Freude herrscht», das trotz Abnützungserscheinungen mehrfach zitiert wird. Mit gutem Grund: Als Ständerat und Nationalrat vor 20 Jahren der Neukonzession zustimmten, gratulierte der damalige Verkehrsminister Adolf Ogi den FurkaBähnlern im Bundeshaus persönlich.

Eine Ehrung und ein herzlicher Applaus sind ihm in der mit 370 Gästen voll besetzten Festhalle von Oberwald sicher. Eher trocken die Botschaft des abtretenden Verkehrsministers, schriftlich gratuliert Moritz Leuenberger dem Verein «zu dieser Meisterleistung herzlich». Und er lobt die gelebte Solidarität, die auch in der heutigen Zeit noch möglich sei und grosse Ziele mit beharrlichem Einsatz erreichen lasse.

Ohne Kohle entsteht kein Dampf

Möglich machte das Wunder von der Furka nur der Einsatz Tausender, die Hunderttausende von Stunden schufteten, mit Pickel und Schaufeln, aber auch an den Schreibtischen. Ebenso nötig für die Dampfbahn war der ständige Nachschub von Kohle im grossen Stil. Stellvertretend für alle Sponsoren und Spender wird der 75-jährige Unternehmer Hansjörg Wyss mehrfach genannt: Für die rasche Fertigstellung der letzten fünf Kilometer von Gletsch nach Oberwald hat er 3,7 Millionen Franken spendiert. Sein Wunsch soll ihm bald erfüllt werden: eine Fahrt im Führerstand der Dampflokomotive. Ohne diesen starken Kohleschub hätte das Traumziel wohl noch Jahre auf sich warten lassen.

Fronis als Helden der Eröffnung

Dennoch: Mit noch so vielen Millionen allein hätte die Dampfbahn nie mehr den Weg über die wilde Furka gefunden. Wie ein roter Faden zieht sich der höchst verdiente Dank durch alle Reden, der Dank an die Fronis. Sie sind die grossen Helden dieser Eröffnung, sie haben bei Wind und Wetter an der Strecke hart gearbeitet, aber auch beim Wagenbau in Aarau und in der Werkstatt für Lokomotiven in Chur. Der Kanton Wallis würdigt diesen Einsatz mit einer grossen Spende und dem uneingeschränkten Lob von Staatsratspräsident Jean Michel Cina.

Das originellste Geschenk aber zaubert Hans-Rudolf Mooser symbolisch aus der Westentasche: «Wir übergeben ihnen die 97-jährige Dampflokomotive HG4/4FO4, die in 18000 Frondienststunden erneuert worden ist, sagt der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Matterhorn- Gotthard-Bahn. In Vorfreude auf einen Tourismusaufschwung für die Region bringen viele Redner kleinere Geschenke und grosse Gratulationen: Der Urner Landammann Isidor Baumann, der Obergommer Gemeindepräsident Christian Imsand und sein Realper Kollege Anton Simmen. Und natürlich Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, weil dank dem neuen Zug die Post bald mit Volldampf abgehen könnte. Für Gletsch, einst Zentrum der Postkutschen über die Alpen, sehen viele eine neue Epoche anbrechen.

Dank für Einsatz der Aargauer

Die Eröffnung der Bergstrecke ist nicht allein ein Freudentag für die Bergler zwischen Urserental und Obergoms. Bei den Unterländern kommt den Aargauern eine zentrale Rolle zu. Am Direktorentisch sitzt auch Ex-Regierungsrat Silvio Bircher, er hat schon als Nationalrat 1981 eine Interpellation eingereicht. Vergeblich, die 40 Millionen Franken könne niemand aufbringen, antwortete der Bundesrat. Abbruchgegner und Naturfreund Bircher macht 1982 an einer Protestkundgebung in Gletsch mit, ein Jahr später wird der Verein Furka-Bergstrecke (VFB) gegründet.

Der heutige Verwaltungsratspräsident Oskar Laubi würdigt auch den Einsatz des Endingers Peter Schwaller, «der als Präsident wesentliche Führungsarbeit geleistet hat». Den Eröffnungstag wollen auch andere starke Furka-Dampfbähnler live miterleben, die mit viel Herzblut mitwirken: DFB-Präsident Robert Frech aus Würenlingen, den es emotional stark gepackt hat: «Da hat man Tränen in den Augen, wenn man diese fantastische Leistung sieht.» Stiftungs-Finanzchef Walter Benz aus Döttingen blickt bei aller Freude schon nach vorne und will möglichst rasch eine Einstellhalle für die in Aarau wunderbar restaurierten Personenwagen. Das wünschen sich auch Präsident Walter Lüthi von der Sektion Aargau und Werkstattchef Werner Beer. Eines ist für alle klar: Das Ziel ist erreicht, die Arbeit geht weiter – doch vorerst wird in Gletsch bis zum Sonntag tüchtig gefeiert.

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