Furka-Bahn: Am Traumziel beginnt die Reise
Furka-Bahn: Am Traumziel beginnt die Reise

Endlich sind auch die letzten fünf Kilometer zwischen Gletsch und Oberwald gebaut. Die Bahn über die Furka ist nach fast 30 Jahren bereit – für vier Tage Fest und den Dauerbetrieb. Die intensive Fronarbeit geht weiter - auch für Aargauer.

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Furka-Bahn
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Furka-Bahn

Hans Lüthi

Dampfbahn und Nostalgie in Ehren, aber die Furka-Bergstrecke ist auch ein öffentliches Verkehrsmittel und unterliegt der strengen Aufsicht durch das Bundesamt für Verkehr (BAV). Zu Recht, denkt man an die Gefahren einer derart exponierten Bergstrecke, die von Bodensenkungen, Steinschlag, Rüfen dauerbedroht - und wegen Lawinen acht Monate lang geschlossen ist. Auch die fünf Kilometer lange Strecke Gletsch-Oberwald prüfte der Bund auf Herz und Nieren, wie jede andere Bahnstrecke im Land. Im 1,8 Kilometer langen Scheiteltunnel ohne Zahnstangen könnten die Räder auf den meist nassen Gleisen durchdrehen: Jeder Zug wird hier durch eine zusätzliche Diesellok gesichert.

Aargauer Grosseinsatz

Auch für die Aargauer Furkafreunde erfüllt sich ein grosser Traum. Der Verein Furka-Bergstrecke (VFB) zählt weltweit über 7000 Mitglieder, die Sektion Aargau gehört mit 1200 Dampfbahn-Freunden
zu den grössten - und innovativsten: Seit Jahren werden alle Wagen in Aarau restauriert, im umgebauten und ideal eingerichteten früheren Schlachthaus der Stadt beim Güterbahnhof. Eisen-Unterbau und der Kasten aus Holz werden in alle Einzelteile zerlegt, fachgerecht restauriert oder in schönster Handwerkskunst komplett erneuert. «Für die rechtzeitige Eröffnung haben wir dieses und letztes Jahr viel Frondienst im Wallis geleistet», sagt Ex-Präsident Walter Benz. Bisher haben die Aargauer 12 Bahnwagen restauriert und für jeden 8000 bis 12000 Arbeitsstunden aufgewendet.
Über ihre Sektion hinaus sind die Aargauer an der Bergstrecke gefragt: Präsident beim Gesamtverein DFB ist Robert Frech aus Würenlingen, Finanzchef Pepi Helg aus Aarau. Walter Benz aus Döttingen ist Chef Finanzen bei der Stiftung und Peter Schwaller aus Endingen wirkte als Präsident des Verwaltungsrates. (Lü.)

Bergbauern haben harte Köpfe

Bei der Spurweite von 1000 Millimetern oder einem Meter reicht die Toleranz bis 1020 Millimeter, darüber muss das Gleis neu befestigt werden. Liegt das eine Gleis tiefer, spricht der Fachmann von einer Verwindung, die bei zu starkem Ausmass zu einer Entgleisung des Zuges führen könnte.

Als ein Bauer Steine von der Weide hebelte und die Gleise arg beschädigte, stellte ihn der Streckenwärter zur Rede. «Das geht mich nichts an, die Kühe sind vor der Bahn da gewesen», war seine Antwort. Was zweierlei beweist: Die Oberwalliser Bergbauern haben harte Köpfe - und überdies unglaublich alte Kühe.

Vor fast 100 Jahren begann es

Fast hundert Jahre sind vergangen, seit die Gesellschaft Brig-Furka-Disentis 1914 erstmals mit den fauchenden Dampfzügen vom Wallis her Gletsch erreichten. Nur elf Jahre später übernahm die erfolgreichere Furka-Oberalp-Bahn (FO) den Betrieb, verlängerte die Strecke bis Disentis und stellte den Anschluss an die Rhätische Bahn her. Erst 1942 wurde die Strecke elektrifiziert, die kurze Betriebszeit von Mitte Juni bis Ende September hat das nicht verlängert.

Ein Winterbetrieb ist wegen der extremen Klimabedingungen undenkbar, bis zu 18 Meter hoch liegt das Trassee in den Lawinenzügen unter den Schneemassen begraben. Jeden Herbst muss die Steffenbachbrücke demontiert und im Frühjahr neu montiert werden. Dank des Scheiteltunnels muss die Bahn nicht bis auf die Höhe der Passstrasse (2436 Meter) klettern, die Furkastation liegt auf 2160 Metern.

Der grosse Irrtum

Mit dem Bau des Furka-Basistunnels Realp-Oberwald schien die Bergstrecke 1982 endgültig dem Tod geweiht. Die ersten Dampfbahnfreunde erschienen als Fantasten und erinnerten an Sisyphos und seinen Stein; auch sie würden ewig Steine wegrollen, Schienen reparieren und ihr Ziel doch nie erreichen. Das glaubten viele ferne und einheimische Beobachter. Doch sie irrten sich.

Das Wunder der Bergstrecke basiert auf einem starken Willensfundament der Nostalgiebähnler, die weder Einsatz noch härteste Arbeit scheuten. Hunderte leisteten bisher Hunderttausende von Frondienststunden, oft mit leuchtenden Augen. Denn auf viele löst die robuste Bahntechnik in der hochalpinen Landschaft mit Bergen, Gletschern, Bächen, Flora und Fauna eine grosse Faszination aus.$

Traum geht in Erfüllung

Vom Virus Furka-Dampfbahn sind zahllose Helferinnen und Helfer bei Einsätzen auf der Strecke - mit Sonne, Kälte, Wind und Schnee - befallen worden. Nach dem Abbruch des Abbruchs eroberten die Dampfbähnler die Furka Stück um Stück zurück, ab Realp ging es 1992 bis Tiefenbach, 1993 bis zur Furkastation. Vor 10 Jahren bis Gletsch, das in den ersten Bahnjahren noch am Fuss des Rhonegletschers lag. Und am 12. August 2010 wird das grosse Ziel erreicht.

Mit der Ankunft in Oberwald geht ein grosser Traum der Furkabähnler in Erfüllung. Aber die Reise der Dampfbahn beginnt ja damit erst richtig. Der Betrieb auf der Bergstrecke bleibt die grosse Herausforderung, die auch in Zukunft nur mit zahllosen Freiwilligen, viel Kohle, grosszügigen Spendern und Begeisterung zu bewältigen sein wird.

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