Sommer
Für viele Fische hart an der Grenze

Nach langer Hitzephase bis 34,5 Grad im Aargau kommt die Abkühlung im rechten Moment. Menschen und Tiere können aufatmen, für Fische ist die Lebensgefahr vorerst gebannt.

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Für viele Fische hart an der Grenze

Für viele Fische hart an der Grenze

Hans Lüthi

Die Sonnenseiten der Gluthitze just im rechten Moment zur Ferienzeit haben alle voll ausgekostet. Mit Siesta im Schatten, viel Abkühlung in Schwimmbädern, Seen und Flüssen, mit Glace-Genuss und langen Grill-Abenden. Für Menschen mit gesundheitlichen Problemen oder mit Atembeschwerden waren die Hitze und die Ozonbelastung langsam des Guten zu viel.

Für viele Fische und Wassertiere ging es an die Grenze des Überlebens: «Mit bis zu 24,8 Grad sind die Flusstemperaturen sehr hoch», sagte der kantonale Fischereiaufseher Thomas Stucki noch am Donnerstag. Denn «schon ab 26 Grad kommt für die Äsche der tödliche Bereich».

Abkühlung zur rechten Zeit

Eine Zeit lang können sich die durch die hohen Temperaturen gefährdeten Wassertiere noch in Sicherheit bringen. Sie suchen laut Stucki «schattige Stellen auf, kühlere Grundwasser-Aufstösse oder verzichten vorübergehend auf Nahrung». «Gewitter und Abkühlungen haben die Situation dieses Jahr immer wieder entschärft, im Gegensatz zum Hitzesommer 2003», erklärt der kantonale Aufseher. Darum ist er auch um den gegenwärtigen Temperaturtaucher auf 20 Grad hinunter sehr froh.

In den Flüssen hat sich das gestern Freitag so ausgewirkt: Die Reuss in Mellingen ging von 24 auf unter 20 Grad zurück, die Aare bei Brugg auf 21 und der Rhein bei Rheinfelden auf 23 Grad.

Normale Pegel in den Seen

Bei den kleinen Juragewässern ging die Trockenheit hart an die Grenze des Versiegens: «Die Sisseln hat noch 110 Liter pro Sekunde, das ist fast nichts mehr», stellte Urs Egloff von der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons vorgestern fest. In den grösseren Flüssen waren die Pegel tiefer als üblich, aber nicht dramatisch. Denn Aare, Reuss und Rhein profitieren von der Schneeschmelze, bis 20. Juni schneite es bis weit hinunter. Und bei einer Nullgradgrenze über 4000 Meter kommt viel Schmelzwasser.

Darum weisen die grossen Seen normale Pegel auf. Kommt es zu einem heftigen Gewitter, machen die kleinen Bäche die grössten Sprünge. Berüchtigt dafür ist die Kleine Emme: In der Nacht auf Freitag schnellte sie von rund 7 auf über 175 Kubikmeter pro Sekunde! Die braunen Wassermassen rissen viel Holz mit und liessen auch die Reuss gestern auf 350 bis 400 Kubikmeter anschwellen. Weniger sprunghaft reagieren Aare und Rhein. «Wir mussten auch in der grössten Hitzephase keine Wasserentnahmen verbieten», sagt Egloff zu den künstlichen Bewässerungen.

Hoffnung bei Stromproduzenten

Die im Aargau bisher mässigen, in der Zentralschweiz jedoch massiven Niederschläge sind Wasser auf die Axpo-Mühlen. Bisher haben die rund 30 Wasserkraftwerke an Limmat, Aare, Reuss und Rhein zu wenig Strom produziert. Im Mai und Juni betrug die Minderproduktion laut Axpo rund 5 Prozent oder 17 Gigawattstunden, die Juli-Zahlen fehlen noch. Kurzfristig musste auch das Atomkraftwerk Beznau marginal reduzieren. Hier lag «die Minderproduktion bei 0,1 Prozent der Wochenleistung», schreibt Axpo- Sprecherin Anahid Rickmann auf Anfrage.

Das Problem hier liegt bei einer zu starken Erwärmung der Aare, denn Beznau 1 und Beznau 2 haben Flusswasserkühlung. Wenn die Temperatur der Aare auf 22 bis 23 Grad steigt, muss die Leistung gedrosselt werden. Das Projekt für Beznau 3 sieht einen Kühlturm vor, weil mit der viel grösseren Leistung die Kühlkapazität des Flusses zu gering wäre. Wirklich ins rote Tuch ging die Minderproduktion des AKW Beznau im Hitzejahr 2003, mit 0,4 Prozent im Juni, 0,8 Prozent im Juli und vollen 8 Prozent oder 20 800 Megawattstunden im August.

Ozonproblem stark entschärft

Auch wenn sich fast niemand mehr dafür zu interessieren scheint: Der Juli brachte auch starke Ozonbelastungen, aber die Schwelle von 200 Mikrogramm wurde nicht mehr überschritten – wie am 30. Juni mit 2005 Mikrogramm in Sisseln. Der Grenzwert von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft ist in Baden während 125 Stunden, in Sisseln 146 und in Suhr während 81 Stunden überschritten worden.

Dank dem Regen gibt es seit gestern nur noch 40 bis 50 Mikrogramm Ozon in der Luft. Der Kanton habe «den Rolls-Royce unter den Messgeräten», versichert Lufthygieniker Markus Schenk zur Genauigkeit. Registriert wurden bisher 10 bis 12 Hitzetage mit über30 Grad im Aargau. Der Rekord mit 39 bis 42 Hitzetagen aus dem legendären 2003 lässt sich wohl kaum mehr einholen.

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