Geiser agro.com AG
Für sämtliche Herausforderungen gerüstet

Bei einer stärkeren Verbreitung der Schweinegrippe könnten die Grossverteiler den Offenverkauf von Früchten und Gemüse einschränken. Mit Folgen für die Zuliefererbetriebe: Diese müssten sämtliche Produkte verpacken. Die Arbeitsabläufe könnten problemlos umgestellt werden, sagt dazu Peter Bracher von der Geiser agro.com AG.

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Verpackt

Verpackt

Solothurner Zeitung

Olivier Andres

Nehme die Aggressivität und die Verbreitung der Schweinegrippe zu, so könne der Offenverkauf von Früchten und Gemüse allenfalls eingeschränkt werden, liessen die Grossverteiler kürzlich in den Medien verlauten. Wenn immer möglich würden Früchte und Gemüse abgepackt, damit sie durch niemanden angefasst werden könnten, sagte etwa Coop-Sprecherin Susanne Sugimoto-Erdös. Dies hat auch Folgen für die Zulieferer der Grossverteiler: Was bisher in grossen Gebinden offen transportiert werden konnte, muss womöglich schon bald einzeln abgepackt werden.

Äpfel wird es nur noch im Viererpack geben

Über 100 000 kleine Verpackungen mit Früchten und Gemüse verlassen täglich die Steffen-Ris AG. Im Falle einer Schweinegrippe-Pandemie ist das Utzenstorfer Unternehmen gewappnet: «Sobald eine Weisung vom Bundesamt für Gesundheit kommt, werden wir reagieren», sagt der Sicherheitsbeauftragte Daniel Adam. Konkret heisst das, dass es dann voraussichtlich keinen Offenverkauf mehr geben wird. In den Läden nehmen die Kunden Obst und Gemüse in die Finger - bei einer Pandemie gelte es dies zu verhindern, sagt Adam. Konsequent werden dann nur noch verpackte Waren dem Grossverteiler geliefert. Einen einzelnen Apfel oder eine Karotte lassen sich demnach nicht mehr einkaufen. Die kleinste Packung enthält vier Äpfel. Diese hygienische Massnahme wird einen Mehraufwand verursachen: «Die Arbeitsabläufe werden anders», sagt Adam. Bei den Äpfeln könnten Engpässe entstehen, da diese bisher meist in den Offenverkauf gelangten. Gemüse werde bereits jetzt grösstenteils abgepackt. Damit die Packmaschinen nicht an ihre Kapazitätsgrenzen stossen, will die Steffen-Ris AG allenfalls die Arbeitszeiten anpassen. Das zusätzliche Verpackungsmaterial kann laut Adam innerhalb von zwei bis drei Wochen bestellt werden. Für die Firma selber entwarf der Sicherheitsbeauftragte einen Pandemieplan, gestützt auf den Musterplan des BAG. Daneben schaffte er 10 000 Hygienemasken und 100 Liter Desinfektionsmittel an. «Unsere Angestellten müssen zur Arbeit kommen», sagt Adam. Schliesslich gelte es, den Vertrieb von Grundnahrungsmitteln sicherzustellen. (JPW)

«Für uns wäre diese Umstellung kein Problem», sagt Peter Bracher, Geschäftsleiter und Mitbesitzer der Geiser agro.com AG. Der traditionsreiche Langenthaler Betrieb ist der grösste private Obst- und Kartoffelhändler der Schweiz und verarbeitet jährlich unter anderem etwa 14 000 Tonnen Äpfel und Birnen. Die Kunden sind dabei Migros und Manor. Von rund 41 000 Tonnen Kartoffeln liefert die Geiser agro.com AG den Grossteil in die verarbeitende Industrie, den Rest nehmen die Grossverteiler ab.

Verpackte Produkte sind nicht teurer

Anhand der zur Verfügung stehenden Informationen sei nicht klar, ob die Grippe überhaupt über die Berührung von Obst und Gemüse weiterverbreitet werden könne, sagt Bracher. Daher sei es gefährlich, unnötige Panik zu schüren. Erschwerend komme hinzu, dass heute niemand wisse, wie sich die Konsumenten bei einer stärkeren Verbreitung der Schweinegrippe verhalten werden. «Kaufen sie überhaupt noch Früchte und Gemüse ein oder bleiben sie gleich zu Hause?» Aufgrund dieser Unsicherheit sei ein situatives und pragmatisches Vorgehen angezeigt, so Bracher.

Die Geiser agro.com AG ist dabei für alle Fälle gerüstet: «Wir verfügen über genügend Maschinen, um unsere Ware abzupacken», sagt Bracher; allenfalls müsste einzig eine zusätzliche Schicht eingeplant werden. Bereits heute würden 30 Prozent der Früchte verpackt, eine Erhöhung dieses Anteils stelle für das Unternehmen keinen Mehraufwand dar. Entsprechend sei auch mit keinen grossen Preissteigerungen der verpackten Produkte zu rechnen, beruhigt Bracher.

Dass die Früchte infolge grippebedingten Lieferengpässen der Produzenten plötzlich knapp werden könnten, hält Bracher für nicht wahrscheinlich. Im Gegenteil: «Womöglich wird es sogar zu einem Rückgang der Nachfrage kommen.»

Kein zusätzliches Personal angestellt

Angst, dass der Betrieb der Geiser agro.com AG wegen zu vielen erkrankten Mitarbeitern nicht mehr aufrechterhalten werden kann, hat deren Geschäftsleiter ebenfalls nicht. Erfahrungen mit normalen Grippeerkrankungen habe das Unternehmen bereits, sagt Bracher, und er glaube nicht, dass von der Schweinegrippe gleich alle 150 Mitarbeiter betroffen sein werden.

Natürlich gebe es jedoch Pläne, wie reagiert wird, wenn Angestellte ausfallen, doch zu einem vorsorglichen Ausbau des Personalbestands komme es deswegen nicht. «Wir sind da flexibel und notfalls können wir Personal aus anderen Bereichen einsetzen», so Bracher.

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