Open-Air-Kino
Für manche zu sehr «Summer in the City»

Und wieder scheidet der Standort des Open-Air-Kinos die Geister. Einige loben die gute verkehrstechnische Lage des Dornacherplatzes, andere kritisieren die Atmosphäre.

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Open-Air-Kino

Solothurner Zeitung

Regula Bättig

Ausverkauft am Donnerstag, rund 70 Besucher am Freitag. Der Unterschied? Das Wetter. «An schönen, warmen Abenden ist es eigentlich ganz egal, welcher Film läuft: Das Publikum kommt», sagt Urs Unterlerchner, seit Jahren verantwortlich für den von «Perron8» organisierten Anlass.

Egal ist dann eigentlich auch, ob die Tribüne unter den Bäumen der Kantonsschule steht, zwischen St.-Ursenkathedrale und Bipperlisi-Geleisen platziert ist oder auf dem Dornacherplatz. «Jeder Platz hat seine Vor- und Nachteile.»

Sowohl die Vor-, wie auch die Nachteile sind beim Dornacherplatz sehr deutlich ausgeprägt: Die verkehrstechnische Lage mit Bus, Bahn und Parkhaus in unmittelbarer Nähe könnte besser sicher nicht sein. Die Umgebung könnte aber auch kaum nüchterner daherkommen - bei der Kantonsschule haben die Blätter gerauscht, auf dem Dornacherplatz rauschen die Güterzüge.

Er habe sehr viele positive Rückmeldungen zum neuen Standort erhalten, sagt Unterlerchner. «Wer etwas ausserhalb wohnt, erreicht den letzten Bus ohne grössere Probleme. Das war oben bei der Kanti ganz anders.»

Die anderen gebe es allerdings auch. «Die Liebhaber», wie Unterlerchner sie nennt. Jene, die angesichts des Dornacherplatzes auf Filmabende unter freiem Himmel verzichten oder abwandern nach Nidau, nach Murten oder in die Sommerfilme des Alten Spitals.

Neuer Standort – ungewohnte Probleme

Das Kino steht inmitten von Wohnhäusern und doch gab laut Urs Unterlerchner bisher keine Reklamationen. «Einige Anwohner hatten zwar Bedenken im Vorfeld», erzählt er. In der Praxis zeige sich nun, dass diese trotz des Kinobetriebs schlafen können. «Der grösste Teil des Schalls geht Richtung Bahngeleise weg, zudem reduzieren wir die Lautstärke nach der Pause.»

Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Gewerbetreibenden vor Ort gestalte sich unkompliziert, sagt Unterlerchner. Kinderkrankheiten, wie die zu hell strahlenden Strassenlampen oder die Park-hausbeleuchtung, die Premierebesucher blendete, waren am zweiten Abend behoben.

Andere machen es den Betreibern des Open-Air-Kinos nicht ganz so einfach: Leute, die während der Filme rumproleten oder partout ohne Ticket reinwollen - auch ausserhalb der Vorstellung - oder Dinge zerstören. Probleme, wie man sie bei den anderen Standorten nicht oder kaum hatte. «Anders als dort macht sich die 24-Stunden-Überwachung des Areals hier wirklich bezahlt.» (rb)

Lärm durch Züge und Busse

Zur Kategorie «Liebhaber» gehört auch Sabina Riser. «Ich wollte den Film eigentlich in Nidau schauen, doch da gabs keine Tickets mehr.» Den Standort Dornacherplatz bezeichnet sie diplomatisch als «nicht sehr gut»: Sie frage sich, was sich die Verantwortlichen dabei gedacht hätten.

«Wenn ich die Tickets nicht gewonnen hätte, wäre ich sicher nicht hier.» Für ihren Begleiter Steve Knuchel ist es schon der zweite Open-Air-Filmabend. Viel zu lärmig sei es: «‹Harry Potter› ist ja kein leiser Film, aber selbst da habe ich die Dialoge nicht immer mitbekommen.»

Nun reichts auch für den Bus

«Ich finds besser als bei der Kanti, vergleichbar mit der Chantierwiese», setzt Lorenz Jäggi den Kontrapunkt - wegen der Anfahrt. Eine Ansicht, die sein Sohn Marco nicht teilt: «Mit dem Lärm ist es hier zwar etwas besser als bei der Chantierwiese», sagt er, der ebenfalls mit «Harry Potter» erste Erfahrungen gesammelt hat. «Aber die hell erleuchteten Schaufenster stören massiv.»

«So lang wie breit» wo diese Leinwand steht, ist es hingegen Thomas Sturzenegger. «Die Umgebung sieht man im Dunkeln eh nicht.» Und der Verkehr störe ihn nicht, «viel los ist hier ja nicht, wies scheint.» Wenigstens gebe es noch ein Open-Air-Kino, «anders als bei uns in Thun.» Er sei einzig wegen des Films hergekommen. «Wir wollten eigentlich erst nach Murten fahren, aber der Film der dort läuft, war schlicht unbrauchbar.»

Dornacherplatz endlich genutzt

Losgelöst von Charme und Erreichbarkeit argumentiert Nuria Zaugg: «Ich finds super, dass der Platz endlich mal genutzt wird.» Allerdings sei die Atmosphäre oben bei der Kantonsschule schon schöner gewesen. Ihre Begleiter Thomas Bader und Andreas Marti teilen die Ansicht. «Dafür sind wir hier binnen weniger Minuten zu Hause.»

Oder im nächsten Restaurant. Das spüren Eva Weber und Willy Pilloud, die verantwortlich sind für das Catering. «Durch die Nähe der Restaurants haben wir weniger Leute, die hier essen», sagt Pilloud. «Aber das war schon im Vorfeld klar.» Snacks und Süssigkeiten seien aber genauso begehrt. Dass der Standort eine gewisse Skepsis wecke, spüre man deutlich.

Dennoch möchte Eva Weber nicht unbedingt zurück zur Kantonsschule: «Von der Infrastruktur her ist es hier viel einfacher, sagt Weber. «Eine Spülmaschine hätte wir dort nicht installieren können.» Eine Rückkehr in den Hof der Kantonsschule würde daher auch die Rückkehr zu Papptellern bedeuten.

Wo aber wird das Open-Air-Kino 2010 stehen kommen? «Das wird sich zeigen», sagt Urs Unterlerchner. Erst nach Abschluss der Saison werde man mit der Stadt über den nächstjährigen Standort diskutieren.

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