Für eine mutige Gesellschaft

Gemeinsam organisierten die beiden Gemeinden Fraubrunnen und Grafenried ihre 1.-August-Feier. Als Gastredner war Regierungsrat Urs Gasche (BDP) eingeladen

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Gabrielle Steiner

Mit Mühe und Not fanden Neuankömmlinge auf dem Festplatz «uf dr Höchi» zwischen Grafenried und Fraubrunnen einen Sitzplatz. Das Interesse der Bevölkerung an der von den beiden Gemeinden gemeinsam organisierten 1.-August-Feier war beträchtlich. Zwischen herrlich duftenden Grilladen, Pommes frites und Hotdogs machten sich schon früh einige Kinder sichtlich aufgeregt bereit und übten den später auf dem Programm stehenden Lampion-Umzug, der zum grossen Feuerzauber führen sollte.

Die Dämmerung setzte ein, als der Fraubrunner Gemeinderatspräsident Christian Guggisberg (Forum) das Programm erläuterte und den Bärebach Musikanten, dem Sportclub Grafenried und dem Regierungsrat Urs Gasche (BDP) für ihren Einsatz und Beitrag zum guten Gelingen des Anlasses dankte.

Brückenschlag zu früher

Allzu oft ereilt den Menschen das Gefühl, die menschlichen Belange fühlten sich heute noch wie zu Gotthelfs Zeiten an. Urs Gasche leistete in seiner Ansprache zum Nationalfeiertag der Schweiz einen weiteren Gedankenanstoss in diese Richtung. «Was hat die am ersten August gefeierte Geburtsstunde der Eidgenossenschaft mit dem heutigen modernen Leben zu tun?», fragte er. Schon zu Wilhelm Tells Zeiten habe man von Freiheit gesprochen und sich nach den Umständen gerichtet, habe alles getan, um das Freisein zu gewinnen und zu erhalten. So sei es auch heute noch, nur die zu behandelnden Themen oder Voraussetzungen hätten sich verändert, sagte Gasche. Freiheit und Unabhängigkeit können immer wieder in Gefahr geraten, so der Redner, deshalb sei es wichtig, bereit zu sein, um die Werte immer wieder verteidigen zu können. «Das gilt heute bei Verhandlungen, Streitigkeiten um Steuerfragen und Bankgeheimnis genauso wie es im Zweiten Weltkrieg mit Waffen und Diplomatie gegolten hat.»

«Wie kommen Sie beim Redenschreiben auf das Thema, das Sie darin aufgreifen wollen?», kam die Frage auf. «Eigenes Erleben. Diesmal inspirierten mich Erlebnisse in den Ferien. Wir verbrachten sie in den Berner Alpen und angrenzenden Gebieten und besuchten überdies die Tellspiele in Interlaken», antwortete Gasche. Dabei habe er mit einem anderen Aspekt der Freiheit zu tun gehabt: der Pressefreiheit. In seinem Vortrag erläuterte er: «Wenn man aber selber Thema dieser Pressefreiheit wird und wenn man spürt, dass weder sachliche Distanz noch objektive Berichterstattung, sondern Meinungsmache und Sommerflaute der Antrieb der Berichterstattung sind, dann wird es schwieriger, die Pressefreiheit hochzuhalten.»

Mut haben und sich einsetzen

Doch er lasse sich nicht beirren, bleibe dabei, dass die «freie Presse ein wichtiges Merkmal unseres Staates ist», sagte er. Presse und Medien sollten Orientierer sein und damit zur Vielfalt der Meinungsbildung der einzelnen Bürger beitragen. Der BDP-Regierungsrat überliess es denn auch den Zuhörern, ihre eigenen Schlüsse über das Gesagte zu ziehen. Er wünschte sich einzig, dass sie der Mut nicht verlasse, «sich in Diskussionen unpopulär zu machen, für Schwächere oder den ethisch als richtig empfundenen Entscheid einzustehen». Das nenne man Zivilcourage.

Massgebend sei am Ende das, was der Mensch in der täglichen Herausforderung tue - im persönlichen Leben ebenso wie in öffentlichen Chargen. Reden könne man viel. Aus dem vor 718 Jahren durch einige Urschweizer beschlossenen Heraustreten aus Knechtschaft und Abhängigkeit sowie aus der Kündigung des Obrigkeitsglaubens habe sich die Demokratie und ein differenziertes Selbstbewusstsein im Schweizerland entwickelt, sagte Gasche.