Puff
Für ein Bordell betrog er sie um ihr ganzes Vermögen

15 Monate unbedingt fasste am Donnerstag ein Fahrender vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Einer Bekannten hatte er ihr Vermögen von 195 000 Franken abgenommen, um dieses in ein Bordell zu investieren.

Merken
Drucken
Teilen
Bordell

Bordell

Dino Nodari

In mehreren Tranchen hat die Dottikerin Anna ihrem Bekannten Bruno (alle Namen von der Redaktion geändert) von Oktober 2008 bis Juni 2009 insgesamt 195 000 Franken gegeben, damit dieser eine Liegenschaft in Augsburg (D) in ein Bordell umgestalten kann. In einer ersten Einvernahme sagte der Beschuldigte aus, er habe den gesamten Betrag im Casino verzockt. Auf Anraten seines Anwaltes erzählte er vor Gericht, dass er etwa 100 000 Franken für seinen Lebensunterhalt und Besuche im Casino gebraucht habe. Den Rest habe er in das Bordell gesteckt. Die erste Aussage habe er nur gemacht, um seinen Geschäftspartner zu schützen. Das Bezirksgericht unter dem Vorsitz von Präsidentin Isabelle Wipf verurteilte Bruno zu 15 Monaten unbedingt wegen mehrfacher Veruntreuung und versuchten Betrugs. Die Staatsanwaltschaft hatte 21 Monate gefordert.

Nie an Seriosität gezweifelt

Anna und Bruno kennen sich seit Jahren. Immer wieder hat die an einer unheilbaren Krankheit leidende Anna Schmuck von Bruno gekauft. Kennen
gelernt haben sie sich über einen gemeinsamen Bekannten. «Ein sehr wohlhabender und angesehener Mann», erklärte Anna vor Gericht. Deshalb habe sie auch nie an der Seriosität von Bruno gezweifelt. Sie wusste nicht, dass er einschlägig vorbestraft war, bei Gläubigern mit insgesamt mehr als 600 000 Franken in der Kreide stand und vom Sozialamt unterstützt wurde. Ihre Beziehung sei rein geschäftlich gewesen, sie habe noch nicht einmal gewusst, wo er wohnte.

Bezahlt, ohne Fragen zu stellen

In Augsburg bot sich für den Fahrenden durch seinen Schwiegervater in spe die Möglichkeit, Teilhaber einer Liegenschaft zu werden, die in ein Bordell umgenutzt werden sollte. Besiegelt wurde die Teilhaberschaft ohne Vertrag und nur mit Handschlag, wie bei Fahrenden üblich. Immer wieder stand Bruno bei Anna auf der Matte und fragte nach Beträgen in der Höhe von 5000 bis 50 000 Franken. Er erzählte der gutgläubigen Frau von Problemen mit Handwerkern, Heizung oder dass die Betriebsbewilligung noch nicht erteilt wurde. Immer zahlte die Geschädigte, sofort und in bar, den geforderten Betrag ohne gross Fragen zu stellen. Dabei räumte sie nicht nur ihr eigenes Konto leer, sondern hob auch 50 000 Franken von dem Firmenkonto des Geschäfts ab, in dem sie als Prokuristin tätig ist.

Als Bruno Mitte Mai 2009 seine Schulden hätte begleichen müssen, rief ein jugendlicher Bekannter von ihm mit dessen Mobiltelefon bei Anna an. Der jugendliche Bekannte wurde von Bruno nach Dottikon gebracht, wo er der Frau erklärte, dass Bruno in Hamburg in Untersuchungshaft sitze und dringend 50 000 Euro benötige. In der Zwischenzeit war Annas Konto aber leer.

Freispruch gefordert

Der Verteidiger forderte, sein Mandant sei vollumfänglich freizusprechen. Es sei unbestritten, dass Bruno das Geld genommen habe, jedoch habe er nie arglistig gehandelt. Dass das Bordell noch keine Betriebsbewilligung erhalten habe, sei nicht der Fehler seines Mandanten. Ebenso könne ihm nicht angelastet werden, dass Anna zu wenig nachgefragt habe, was mit ihrem Geld passiere. Von dem Versuch des jugendlichen Bekannten habe Bruno nichts gewusst. Und der gesamte Betrag würde mit Zinsen zurückbezahlt werden, sobald das Bordell die Betriebsbewilligung erhalte.

Das Gericht war anderer Meinung. Bruno habe 100 000 Franken zweckentfremdet und somit veruntreut. Ebenso glaubte es dem Angeklagten nicht, dass er nichts von dem Versuch des Bekannten gewusst habe, 50 000 Euro zu erhalten. Schliesslich habe der Bekannte ausgesagt, dass die Aktion abgesprochen war.