Fünf Jahre für Millionenbetrüger

Mit erfundenen Geschichten hat ein türkischer Hochstapler aus Schlieren eine Dietiker Familie und weitere Opfer um über 1,2 Millionen Franken geprellt. Mit dem Betrüger wurde auch ein früherer Kadermann der Crédit Suisse verurteilt.

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Attila Szenogrady

Fünf Jahre Freiheitsstrafe und die Rückzahlung von ergaunertem Geld: Wenn er damals gewusst hätte, was ihm blüht, hätte der 43-Jährige Kaufmann im Oktober 2006 wohl nicht so freudig gefeiert. Denn als damals die Champagnerkorken knallten, eröffnete der in Deutschland aufgewachsene Türke mit einem pompösen Fest ein Edel-Restaurant. Der Besitzer galt als Multimillionär: Er gab vor, in Antalya 60 Hektar Land und in Istanbul eine Jacht zu besitzen.

Landsleute hinters Licht geführt

Heute weiss man, dass es sich beim Angeklagten um einen klassischen Hochstapler handelt. Er wurde im Februar 2008 von der Polizei festgenommen und sitzt seither im Gefängnis. Diese Woche musste er sich wegen gewerbsmässigen Betrugs vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Die Anklageschrift zeigt, wie der einschlägig vorbestrafte Gauner ab Herbst 2003 vor allem gutgläubige Landsleute um den Finger wickelte. Die ersten Opfer waren ein Ehepaar, das an der Langstrasse einen Kebab-Stand führt. Der Täter führte gegenüber den Eheleuten aus, dass er hervorragende Beziehungen zur Crédit Suisse (CS) pflege und mit gewinnbringenden Anlagen hohe Gewinne erzielen könne. Die Geschädigten vertrauten dem Betrüger. Umso mehr, nachdem sich ein Vizedirektor der CS einschaltete und jegliche Darstellungen bestätigte.

Die Opfer übergaben dem Duo 240 000 Franken und sahen das Geld nie wieder: Die Summen landeten auf dem Privatkonto des Hauptbeschuldigten. Noch schlimmer erging es einem Ehepaar aus Dietikon. Es vertraute dem Angeklagten ein Vermögen von 870 000 Franken an - ebenfalls auf Nimmerwiedersehen. Erneut war es der CS-Kadermann, der die Gelder entgegennahm und widerrechtlich auf das Konto seines Komplizen überwies. Dieser wiederum verprasste die Summen für sein Gastro-Projekt.

Vergeblich Unschuld beteuert

Vor Gericht beteuerten sowohl der türkische Kaufmann als auch der Ex-CS-Bänker vergeblich ihre Unschuld und sprachen von legalen Darlehen. Im gestern eröffneten Urteil verurteilten die Richter den Haupttäter wegen mehrfachen Betrugs sowie Drohung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der Ex-Bänker erhielt wegen Gehilfenschaft zu Betrug eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Beide Angeklagten wurden verpflichtet, den Geschädigten den gesamten Schaden zu ersetzen.