Rückzugsstreifen für Kleintiere

Für Heuschrecken, Käfer & Co

Das Bild entstand in Thalheim, am Nordhang der Hombergegg. (Bild: Peter Belart)

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Das Bild entstand in Thalheim, am Nordhang der Hombergegg. (Bild: Peter Belart)

Die Rückzugsstreifen für Kleintiere tragen vielerorts zum Landschaftsbild bei.

Peter Belart

Besonders auffällig sind die ungemähten Grasstreifen am Eitenberg. Aber auch im Schenkenbergertal und an diversen andern Orten unserer Region haben Landwirte darauf verzichtet, eine Wiese integral zu mähen. Auf meist lang gezogenen Flächen blieben das Gras und die weiteren Pflanzen stehen. Sie bilden nun eigentliche Inseln im Wiesland.

Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt schreibt dazu: «Für Wiesen bewohnende Kleintiere stellt jeder Schnitt eine existentielle Gefährdung dar. Ihr Lebensraum wird plötzlich stark verändert, und viele Kleintiere werden durch den Ernteprozess getötet. Mit den ‹Rückzugsstreifen für Kleintiere› können diese negativen Auswirkungen gemildert und die Überlebenschancen erhöht werden.» Der Kanton sieht in den Rückzugsstreifen einen Ort, wo diese Kleintiere Schutz und Deckung, aber auch ihre Nahrungsgrundlage finden. Unter anderen sind Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebefliegen, Heuschrecken, Käfer, Spinnen oder auch Vögel angesprochen.

Unterschiedliche Beurteilung

Zwei Landwirte aus Thalheim äusserten völlig unterschiedliche Meinungen gegenüber dem Projekt. Hans Ulmann vom Weiler Rischelen hält überhaupt nichts davon. «Das sind doch reine Alibi-Übungen, sinn- und nutzlos, ausgeheckt von irgendwelchen Bürolisten», sagt er, und er fährt fort: «Die Insekten und anderen Kleintiere haben auch ohne diese Massnahmen genügend Fluchtraum.»

Peter Wernli und seine Frau Christine bewirtschaften den Egghof, hoch über dem Talboden. Sie sehen die Sache mit den Rückzugsstreifen völlig anders als Ulmann und beteiligen sich mit verschiedenen Wiesflächen an dem Projekt. «Doch, wir glauben schon an die Wirksamkeit solcher Massnahmen, und wir waren deshalb gerne bereit, hier mitzumachen.» Sie sprechen aber auch offen darüber, dass bei ihrer Entscheidung der finanzielle Aspekt eine beträchtliche Rolle gespielt hat. Pro Are wird den Vertragsbauern nämlich ein Beitrag von immerhin vier Franken zugesprochen.

Die Vereinbarungen sehen vor, dass bei jedem Schnitt mindestens 5% und höchstens 10% als ungemähte Streifen von 1 bis 6 Metern Breite stehen gelassen werden. Und weiter: «Der Standort der Rückzugsstreifen muss bei jedem Schnitt gewechselt werden.» Schliesslich liegen konkrete Empfehlungen vor, wie das entsprechende Grundstück gemäht werden sollte, um eine optimale Wirkung zu erzielen. Peter Wernli weist aber darauf hin, dass die Geländestruktur beim Mähen gewisse Grenzen vorgibt.

Finanzieller Anreiz

In einem Punkt sind sich Hans Ulmann und Peter und Christine Wernli aber einig: Die finanzielle Situation der Bauern ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Sie illustrieren diese Aussage mit den Milch-, Fleisch- und Getreidepreisen, die ihrer Meinung nach nicht mehr fair sind und die Existenz vieler Betrieb gefährden. Vor diesem Hintergrund kommt den Bewirtschaftungsverträgen und den Rückzugsstreifen eine zusätzliche Bedeutung zu: Sie bilden einen finanziellen Anreiz für die Landwirte, einen weiteren Beitrag für die Vielfalt von Flora und Fauna zu leisten.

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