Aarau
Frust, Alkohol und Provokationen

Am 9. April 2007 randalierten Fans des FC Luzern nach verlorenem Spiel ihres Vereins in Aarau: Nun standen vier Männer vor dem Bezirksgericht.

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Justitia

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Peter Weingartner

Das Video zeigt: Die vier Männer waren an vorderster Front dabei, als die Polizei an jenem Montagabend für Ordnung sorgen wollte. Provozieren in Wort und Gestik, Steine werfen.
Da ist zuerst der Frust: 4:1 siegt der FC Aarau auf dem Brügglifeld gegen den FC Luzern. Etwa 100 FCL- «Fans» ziehen nicht von dannen, obwohl die Polizei da ist und die Fangruppen trennen will. Velos fliegen. Auf dem Weg zum Bahnhof springen Randalierer an der Bachstrasse auf parkierte Autos, zerkratzen Karosserien, beschädigen Aussenspiegel, schlagen Scheiben ein. Der Sachschaden: rund 15 000 Franken.

Diese Delikte werden den vier Männern aus dem Kanton Luzern vor dem Bezirksgericht Aarau (Vorsitz Thomas Müller) nicht vorgeworfen. Wohl aber Landfriedensbruch und Gewalt gegen Behörden und Beamte.

Alkohol war dabei

Das Video der Polizei zeigt vor Gericht genug, und die vier Männer im Alter von (heute) 23, 28, 32 und 36 Jahren mit urschweizerischen Namen stehen dazu: Sie waren dabei und zogen sich nicht zurück. Ob sie die expliziten Aufforderungen gehört haben, ist für das Gericht nicht entscheidend. Zumal der Jüngste in seinem alkoholisierten Zustand wohl eh nichts gehört haben dürfte, wie der Gerichtspräsident anmerkt. Landfriedensbruch.

Von Gewalt gegen Beamte wollen sie allerdings nichts wissen. Das Video zeigt den Metallbauschlosser (32) gestikulierend. Auf Schlichtung bedacht, deutet er selber seine Gesten. Und den Einsatz der Polizei (Gummigeschosse, Pfefferspray) hält er für unangepasst. Der Versicherungskaufmann (28) provoziert mit grotesken Grimassen, bietet dem Polizisten seinen Mund an für eine Prise aus dem Pfefferspray. Ein Angebot, das der Polizist wahrnimmt. Der 36-Jährige versteckt sich.

Der Jüngste hat mal eine Fahnenstange in der Hand und steht zu seinem Steinwurf. «Ich habe nicht gegen die Polizei geworfen, sondern über sie hinweg auf die Aarauer Fans, die auch Gegenstände geworfen haben», sagt er. Voilà: Und damit habe er in Kauf genommen, die Polizei zu treffen. Thomas Müller ermahnt die vier, vorab die älteren, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen, statt durch ihr Verhalten Teenager zu Gewalttaten zu animieren. Offenbar aber hätten sie ihre Rolle genossen.

Einschlägig vorbestraft

Die vier Männer sind nicht Aussenseiter der Gesellschaft. Alle arbeiten; der 32-Jährige hat ein Kind. Bis auf den Jüngsten sind aber alle einschlägig vorbestraft. Die schrägste Biografie hat der Älteste. Seine Spielsucht (Casino, nicht Fussball) hat ihm 300 000 Franken Schulden eingebracht. Er ist am Zurückzahlen, hat sich therapieren lassen. Er hat am meisten auf dem Kerbholz; ein ähnlicher Vorfall in Biel ist auch Gegenstand der Verhandlung in Aarau. Ein Cup-Spiel. Da durfte er, der ein Stadionverbot für die obersten beiden Spielklassen hat, dabei sein. Steinwürfe? Er bestreitet dies, doch der Polizist aus Biel will ihn erkannt haben. Der Angeklagte trägt eine auffällige Brille.

Das Gericht hält alle für schuldig: bedingte Geldstrafen zwischen 9000 und 21 000 Franken und Bussen zwischen 500 und 2000 Franken. Die Probezeit beträgt 3 Jahre für den Jüngsten, 4 Jahre für die anderen. Am härtesten trifft es den Senior der Gruppe: Er muss eine bedingte Gefängnisstrafe von zwei Monaten (aus dem Jahr 2006) absitzen. Wenn er Halbgefangenschaft beantragt, kann er weiter arbeiten. Das Gericht stellt allen eine gute Prognose.

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