Frühlingsbeginn für die Amphibien

Er ist der Mann, der die Amphibien vor der tödlichen Strasse rettet: Urs Hilfiker hat im Moment viel zu tun. Wenn die Temperatur wieder steigt, machen sich die Frösche, Molche und Kröten auf den Weg zu ihren Laichplätzen und sind dabei vielen Gefahren ausgesetzt.

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Urs Hilfiker

Urs Hilfiker

David Hunziker

Über dem Biotop steigt ein verheissungsvoller Nebel auf, reges Leben bewegt die schwarze Wasseroberfläche. Dutzende Frösche, Molche und Kröten tummeln sich im Wasser. Ihr Wirken erkennt man an einem zwei Meter breiten Band aus Laich, das sich dem Ufer entlang zieht. Wir befinden uns bei einem Biotop am Rande der Autobahn in der Nähe der Ausfahrt Urdorf Süd. Das künstliche Wasserbecken soll die Amphibien vor dem grausamen Tod auf der Strasse bewahren.

Gefahrenherd Kantonsstrasse

Urs Hilfiker war zwanzig Jahre lang Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Urdorf, zu dessen Aufgaben auch die Betreuung der Amphibien gehört. Diese Aufgabe hat Hilfiker nun über seine Vereinszeit hinaus beibehalten. Amphibien laichen im Wasser und überwintern im Wald. Dazwischen legen sie einen Weg zurück. Dieser wurde in Urdorf vor fünfzehn Jahren von der Autobahn durchtrennt und auch die Kantonsstrasse unterbricht einen Laichzug.

Wenn es wieder wärmer wird, etwa sechs bis sieben Grad in der Nacht, machen sich die Amphibien auf die Reise. «Der Weg über die Strasse würde wohl für 90 Prozent der Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche, die wir hier vorwiegend finden, den Tod bedeuten», sagt Hilfiker. An der Autobahn ist für die Tiere Endstation, daher musste ein neues Biotop gebaut werden. An der Kantonsstrasse müssen die Tiere noch über die Strasse gebracht werden. Ihr Ziel ist das Rückhaltebecken des Allmendbachs. An der Strasse sind ein Zaun und einige eingegrabene Kessel angebracht, in die die Amphibien hineinfallen, wenn sie einen Weg um das Hindernis suchen.

Frösche sind geselliger

«In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir hier etwa 6o Tiere gezählt, die Bedingungen waren Ideal», erzählt Hilfiker von der ersten Rettungsaktion. Das weise auf ein Jahr mit vielen Tieren hin. «Die Zahl kann von insgesamt 100 bis 250 Tieren pro Jahr variieren.» An diesem Abend ist die Suche deutlich weniger ergiebig als am Wochenende: Einzig ein Molchpärchen hat sich in einen der Kessel verirrt.

«Die müssen nicht unbedingt ein Paar sein», entgegnet Hilfiker. «Die Frösche sind da geselliger. Deren Männchen reisen oft schon auf dem Rücken ihres Weibchens zum Laichplatz.» Von der Strasse ertönt ein hoher lauter Ton, der Rehe fernhalten soll. Als Mitglied der Jagdgesellschaft, gehören auch diese Tiere zu Hilfikers Schützlingen. «Seit die Warnmelder installiert sind, werden viel weniger Rehe angefahren», stellt er fest. Wenn man dem ohrenbetäubenden Ton einige Minuten zugehört hat, versteht man auch, wieso.
Hilfikers Arbeit ist aktuell. In Europa sei dieses Jahr das Jahr der Biodiversität, erzählt er. «Das bedeutet jedoch nicht nur, die Anzahl der Arten zu sichern. Biodiversität bedeutet auch, dass die genetische Vielfalt erhalten bleibt. Zwei verschiedene Stämme derselben Art sind also auch darum wertvoll, weil sie unterschiedliche Genpools besitzen.»
Die zwei Molche gelangen nun in Hilfikers Kessel sicher über die Strasse. Am Zielort angekommen erhalten sie einen sicheren Platz auf dem feuchten Boden zwischen Büschen und Schilf. Der Frühling kann für diese Molchpärchen also beginnen.

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