Andreas C. Müller

In sieben Jahren werden Jugendliche aus dem Fricktal ans Muttenzer Gymnasium kommen, die im Gegensatz zu den Baselbietern ab der dritten Klasse in Englisch, nicht in Französisch unterrichtet wurden. Und schon geht die Angst um, dass Fricktaler «Gymeler» nach Aarau pilgern müssen und der Schulstandort Muttenz geschlossen wird.

Denn das Fricktal orientiert sich schulisch am Raum Basel. Gut 400 Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Muttenz stammen aus dem Aargauer Tal nördlich des Jurakamms, fünfzig Prozent der gesamten Schülerschaft in Muttenz. Doch nun führt der Aargau als einziger Vertreter des Bildungsraums Nordwestschweiz ab der 3. Primarklasse Frühenglisch ein. Baselland und Basel-Stadt setzen auf Französisch als erster Fremdsprache.

Dieser Unterschied wird speziell für die Fricktaler zum Problem, denn wer künftig in Rheinfelden oder Möhlin die Bezirksschule besucht und hernach nach Muttenz ans Gymnasium oder an die FMS übertreten will, dem fehlen drei Jahre Französischunterricht.

«Das war absehbar, und wir haben das immer kritisiert», erklärt Kathrin Nadler, pädagogische Sekretärin des Aargauer Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ALV). «Da sprechen alle von Harmonisierung und letztlich haben wir nicht einmal bei den Sprachen eine einheitliche Regelung.»

Ausbaden müssen die Angelegenheit nun die Fricktaler Jugendlichen. Gemäss dem Rheinfelder Bezirkschulstandortleiter Beat Glünkin wird es künftig Gefässe für Zusatzstunden geben. So sollen die Schülerinnen und Schüler im Französisch fit für Muttenz gemacht werden.

Bedenken hinsichtlich der Belastbarkeit der Auszubildenden relativiert Glünkin: «Die Schülerinnen und Schüler sind an der leistungsstärksten Schule und auch entsprechend stärker belastbar als andere.» Für Nadler vom ALV ist das aber keine annehmbare Lösung. «Das geht erstens auf Kosten der Kinder und zweitens widersprechen solche Stützangebote der Frühsprachenregelung.»

Muttenzer Rektor bleibt gelassen

Etwas gelassener beurteilt man derweil die Situation am Gymnasium Muttenz selber. «Die Probleme sind nicht so gravierend, wie sie gegenwärtig dargestellt werden», beschwichtigt Gymi-Rektor Ulrich Maier. «Noch so manche Unterschiede zwischen den beiden Systemen habe man in vergangenen Jahren an der Schnittstelle auffangen können», weiss der Schulleiter.

Beispielsweise hatten Fricktaler Schüler in der Vergangenheit ihre Defizite im Englisch, die dann in Muttenz aber mit «Stützangeboten» aufgefangen wurden. Maier bezeichnet dies als «pragmatische Lösung», für die er auch in Zukunft plädiert. «Wir setzen auf Absprachen mit den Fricktaler Schulen und auf individuelle Situationsbeurteilungen seitens der Fachlehrpersonen.»

Die Befürchtung, dass aufgrund der unterschiedlichen Gewichtung in den Fremdsprachen dereinst der Schulstandort Muttenz als Gymnasium und Fachmaturitätsschule gefährdet sein wird, hält Maier für ungerechtfertigt.

«Die Probleme sind nicht so gravierend, dass es zu einer Umorientierung kommen wird.» Ähnlich sieht das auch Robert Schüle, Bezirksschulleiter aus Möhlin. Er hält es für völlig unrealistisch, dass die Fricktaler Jugend dereinst in Aarau die Kantonsschulen besucht.

Es mache keinen Sinn, jetzt schon über konkrete Massnahmen und Szenarien nachzudenken, relativiert der Muttenzer Rektor die ganze Aufregung. Man müsse erst schauen, wo die beiden Kantone in ein paar Jahren überhaupt stehen und wie lange dann das Gymnasium im Baselbiet dauert.