Emmy Honegger
Frischer Wind für Altersvereine

Die Prattlerin Emmy Honegger will als Präsidentin des Kantonalverbandes der Basellandschaftlichen Altersvereine auch den «Röschtigraben» zwischen Ober- und Unterbaselbiet zuschütten.

Merken
Drucken
Teilen
Frischer Wind für Altersvereine

Frischer Wind für Altersvereine

bz Basellandschaftliche Zeitung

Meta Zweifel

An der Spitze der 13 Baselbieter Altersvereine mit ihren 6000 Mitgliedern steht eine erfahrene Frau: Emmy Honegger war während Jahren in Personalunion Geschäftsführerin, Chefredaktorin und Verwaltungsrats-Delegierte der Lokal-Anzeiger Verlags AG. Den Prattler Altersverein führte sie offenbar bisher so effizient, dass mehrere der 500 Mitglieder ihr das Versprechen abnahmen, trotz Übernahme des Kantonalpräsidiums weiterhin Präsidentin des Ortsvereins zu bleiben.

Erster weiblicher Präsident

Als sie vor 10 Jahren dem Altersverein Pratteln beigetreten sei, habe sie keinerlei Ambitionen gehabt, versichert Emmy Honegger. Dem 1851 gegründeten Kantonalverband steht sie als erster weiblicher Präsident vor. Auf die Frage, ob die Bezeichnung «Altersverein» nicht etwas muffig rieche, reagiert die lebhafte 73-Jährige mit Verständnis. «Nachdem ich Präsidentin des Ortsvereins geworden war, beschäftigte ich mich genau mit diesem Problem. Bekanntlich wollen alle möglichst alt werden, aber keinesfalls alt sein - und so wirkt die Bezeichnung ‹Altersverein› auf manche Leute tatsächlich abschreckend.»

Nicht mehr zu jung

Honegger rief in Pratteln das Mitteilungsblatt «S' 3. Alter» ins Leben; und der Verein erhielt den Namen «Verein 3. Alter Pratteln-Augst». Was wiederum zur Folge hatte, dass sich nun auch 60- und 70-Jährige nicht mehr zu jung für einen Vereinsbeitritt hielten. Etliche Altersvereine im Kanton orientierten sich am Beispiel Pratteln und tragen jetzt den Namen «Senioren-Verein», einzelne nennen sich im Doppelpack Alters- und Seniorenverein.
Pro Senectute, die Landeskirchen und andere Institutionen bieten älteren Menschen eine Fülle von Aktivitäten und Kursen an. Wo finden Altersvereine überhaupt noch eine Angebotslücke? Honegger weist auf die sozialen Kontakte hin, die ein solcher Seniorenverein bieten kann: «Jeder Verein setzt die jeweils wichtigen Akzente, die unter anderem auf lokale Gegebenheiten ausgerichtet sind.

In einer stadtnahen Gemeinde werden bei erkrankten Mitgliedern Spitalbesuche gemacht, in Gemeinden im Oberbaselbiet sind vielleicht Vorträge erwünscht.»
Richtungweisend und unvermindert aktuell sei in jedem Fall die Solidarität unter älteren Menschen einerseits und die Vernetzung zwischen den Generationen anderseits. Der Kantonalverband der Basellandschaftlichen Altersvereine ist mit drei Delegierten in der Baselbieter Alterskonferenz vertreten. Mit der Zugehörigkeit zum Seniorenverband Nordwestschweiz kann er politisch Einfluss nehmen. Die Kantonalpräsidentin sieht mit Besorgnis Probleme wie die Finanzierung der AHV oder der Pensionskassen auf die Gesellschaft zukommen: «Mich beschäftigt aber auch die Frage, wie man das Wissen und die Erfahrung der älteren Generation, die weitgehend brachliegen, sinnvoll nutzen kann.»

Gräben zuschütten

Zu den Zielen der Kantonalpräsidentin gehören vermehrte Kontakt- und Verständigungsmöglichkeiten zwischen dem Ober- und dem Unterbaselbiet. «Es besteht eine Art kantonaler ‹Röschtigraben› und es gibt Mentalitätsunterschiede, die man kennen und respektieren lernen sollte.» Schon möglich, dass Tanznachmittage oder eine Jassmeisterschaft Senioren aus dem oberen und dem unteren Kantonsteil in freundschaftlichen Kontakt bringt - oder auch eine «Chropfleerete» zwischen Senioren und Politikern.

Im Internet:
www.drittes-alter-pa.ch
www.datacomm.ch/kvavbl