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Frischer Wind für Windstrom

Frischer Wind für Windstrom

Frischer Wind für Windstrom

Erst eine kleine Anlage gibt es im Aargau, auf der Nütziweid in Schmiedrued. Jetzt wollen die Windfreunde tüchtig in die Propeller blasen, um neue Kraftwerke bauen zu können. Zu diesem Zweck führt der Förderverein Windenergie Aargau auf dem Heitersberg ein Windfest durch.

Hans Lüthi

Kein Zweifel, weltweit ist die Windenergie längst zu einem veritablen Orkan angeschwollen und beschäftigt bereits eine halbe Million Menschen. «Allein im letzten Jahr legte die Windenergie um 31 Prozent zu und erreichte eine Gesamtleistung von 158 Gigawatt», schreibt Präsident Thomas Leitlein vom Förderverein Windenergie Aargau (FWA). Die grossen Investitionen trotz schwieriger Wirtschaftslage zeugten «von der hohen Attraktivität dieser Technik».

Wegen seiner Windparks in der Nordsee wird Deutschland gerne als energetischer Musterknabe präsentiert, aber die gesamte Versorgung beruht noch immer auf über 82 Prozent fossilen Energien (Erdöl, Kohle, Erdgas). Der deutsche Strommix stützt sich auf 58 Prozent Kohle, Erdgas und Mineralöl, rund 22 Prozent Kernenergie, der Rest auf alternative Energien, wobei die Windkraft mit 6,3 Prozent am stärksten ist. Die Schweiz steht, auch ohne Wind, mit einer lufthygienisch sauberen Stromweste da: Dank 60 Prozent Wasserkraft und 40 Prozent Kernenergie.

Wenig Projekte im Aargau

Zwar ist das Potenzial mittels Messstationen auf den Hügelzügen schon ausgelotet worden und durchaus vorhanden. Doch wirklich Strom macht erst ein kleiner Windgenerator mit 10 Kilowatt Leistung auf der Nütziweid im Ruedertal. Weitere Projekte für moderne Windmühlen gibt es für das Gebiet Chalt ob Staffelbach, in Beinwil-Grod und vor allem jenes am Festort auf dem Heitersberg. Doch hoch über dem Limmattal und dem Reusstal stehen sich Befürworter und Gegner eines grossen Windpropellers mit geschlossenen Visieren gegenüber.

«Als Bürgerin von Remetschwil wäre ich stolz, wenn unsere Gemeinde nachhaltige Projekte zur Energieunabhängigkeit unterstützen könnte», betont Theresia Meier-Wettstein, Präsidentin der IG Wind plus am Heitersberg. Die Anlage oberhalb des Sennhofs könnte immerhin die Hälfte des Gemeinde-Strombedarfs decken. Und Präsident Leitlein erklärt zum Ablauf: «Das Projekt steht kurz vor der Baueingabe, die noch vor der Sommerpause geschehen sollte.»

Ist er erst bewilligt, geht der Bau des Windkraftwerks sehr schnell, «in drei Monaten ist es am Netz». So weit ist es nicht, die Gegner werden die Anlage bekämpfen, notfalls durch alle Instanzen. Das Problem liege in der Prozedur für die Genehmigung, «der Aargau steht auf der Leitung und hat seit Jahren seine Hausaufgaben nicht gemacht», kritisiert Windförderer Leitlein.

Minimale Effizienz verlangt

Der Energiekanton ist in der Tat kein grosser Förderer der Windenergie; er produziert schon CO-freien Strom in über 30 grossen Wasser- und drei Atomkraftwerken – weit über den Eigenbedarf hinaus für die Axpo-Kantone. Verhindern will der Aargau die Windenergie nicht, aber die Anwendung im Energiegesetz klar regeln. «Es geht um ein Abwägen zwischen dem Schutz der Umwelt und der Energie, die man gewinnt», sagt Werner Leuthard, Leiter der Fachstelle Energie. Nötig sei eine minimale Effizienz, dazu brauche es auf der Nabenhöhe von 50 Metern mindestens 4,5 Meter Wind pro Sekunde. Das Verfahren läuft so ab: Die Gemeinde muss einen Eintrag in den Nutzungsplan machen, dazu braucht es eine Mehrheit des Stimmvolks. Der Kanton will den Schutz von Personen und Natur sicherstellen. «Hier ist der Abstand der entscheidende Punkt», betont Leuthard, in der Schweiz gelten Mindestabstände von 300 Metern, in Österreich von 1500 Metern. Mit dem Zuzug von Experten will der Aargau festlegen, was bei uns gelten soll.

Unterstützung aus der Politik

«Die regenerative Energie im Aargau braucht frischen Wind, um dieser neuen Technologie auch hier den nötigen Aufwind zu geben», fordert Grossratspräsidentin Patricia Schreiber-Rebmann (Wegenstetten) von den Grünen und gratuliert den Pionieren vom Heitersberg. Auf das Windfest freut sich auch Grossrätin Regula Bachmann (CVP, Magden), denn gut geplante Projekte könnten einen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung leisten. Der Präsidentin des WWF Aargau «liegt das Wohl unseres Kantons und seiner Umwelt gleichermassen am Herzen, Windenergie ist ein Teil der Lösung unseres Klimawandelproblems».

In der Kuchengrafik zum Schweizer und zum Aargauer Energiemix erscheinen die erneuerbaren Energieträger als «mageresStückli, an dem man glatt verhungern könnte», sinniert die Grüne Nationalrätin Maya Graf aus Basel-Landschaft. Vom Wind zur Sonne greift Paul Müri und spricht von Hoffnungsträgern gegen den Klimawandel: Biomasse, Solarstrom, Solarwärme, Wind und Wasserkraft seien «einheimisch, sauber, risikolos und ohne bleibende Rückstände». Das erklärt Müri als Präsident der Regionalgruppe Aargau der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES).

Fazit: Es braucht vom Windfest und darüber hinaus viel frischen Wind, um die starken Gegenwinde wirklich überwinden zu können.

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