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Fridau als «Vatikan» Lefebvres?

Fridau, Egerkingen: 1871 als Kurhaus erstellt, diente die Fridau von 1921 bis 2008 als Klinik für psychisch kranke Menschen. Seit dem Auszug der letzten Patienten am 12. Januar 2009 steht die Anlage leer, der Kanton Solothurn will sie verkaufen. (Bild: Hansruedi Aeschbacher)

Fridau

Fridau, Egerkingen: 1871 als Kurhaus erstellt, diente die Fridau von 1921 bis 2008 als Klinik für psychisch kranke Menschen. Seit dem Auszug der letzten Patienten am 12. Januar 2009 steht die Anlage leer, der Kanton Solothurn will sie verkaufen. (Bild: Hansruedi Aeschbacher)

Seit Januar steht die ehemalige Klinik Fridau in Egerkingen leer, der Kanton Solothurn sucht Käufer. Interesse hatte neben anderen die Priesterbruderschaft St. Pius X. Die Fridau sollte ihr neues Generalhaus werden, also Sitz des Generaloberen mit der weltweiten Leitung und Verwaltung. Der Kanton winkte bisher ab.Seit Januar steht die ehemalige Klinik Fridau in Egerkingen leer, der Kanton Solothurn sucht Käufer. Interesse hatte neben anderen die Priesterbruderschaft St. Pius X. Die Fridau sollte ihr neues Generalhaus werden, also Sitz des Generaloberen mit der weltweiten Leitung und Verwaltung. Der Kanton winkte bisher ab.

Christian von Arx

«Unsere Bruderschaft wächst stark. Wir brauchen mehr Platz für unsere Verwaltung. Darum haben wir nach einem neuen Sitz gesucht», bestätigt Pater Niklaus Pfluger. Der Oensinger ist Generalvikar und 1. Assistent von Bischof Bernard Fellay, dem Generaloberen der Vereinigung (siehe «Pius-Bruderschaft»).

Schon von 1979 bis 1993 befand sich das Generalhaus, die Weltleitung der 1970 vom traditionalistischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Priestervereinigung, mit Rickenbach im Kanton Solothurn. Seither dient das Haus an der Solothurnerstrasse als Distriktssitz, also Standort der «Landesleitung» für die Schweiz. Das Generalhaus hingegen wurde 1993 nach Menzingen ZG verlegt. Während Ecône im Wallis mit dem Internationalen Priesterseminar das geistliche Zentrum beherbergt, ist Menzingen der «Konzernsitz» der mittlerweile 16 Distrikte (Länder) umfassenden Pius-Bruderschaft - also sozusagen deren «Vatikan».

«Nicht weiterverfolgt»

Auch der Chef des kantonalen Hochbauamts, Kantonsbaumeister Martin Kraus, bestätigt das Interesse der Pius-Bruderschaft an der Fridau. Doch wegen der «angespannten Situation» habe der Kanton dieses Angebot «gegenwärtig nicht weiterverfolgt». Damit meint er die Differenzen der Bruderschaft mit der katholischen Kirche und die Äusserungen von Bischof Richard Williamson, der die Existenz von Gaskammern zur Vernichtung der Juden leugnete.

Für Kraus stehen zurzeit zwei andere, «sehr ernsthafte» Interessenten für die Fridau im Vordergrund. Beim einen

handle es sich um eine Gruppe regionaler Investoren, die zum Beispiel eine «gehobene Seniorenresidenz» realisieren möchten. Mit dieser Gruppe steht der Kanton schon länger in Kontakt, doch verfolge sie noch andere Projekte in der Region.

Weniger weit gediehen, aber «sehr interessant» seien die Gespräche mit einem ausserkantonalen, aber schweizerischen Interessenten, über den Kraus nichts Näheres verraten kann. Der Kantonsbaumeister räumt jedoch ein, dass die derzeitige Finanzsituation die Projekte dieser Interessenten nicht unbedingt beschleunigt: «Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass wir wie ursprünglich erhofft bis Ende Jahr zu einem Abschluss der Verhandlungen kommen.» Allgemein wünscht sich das kantonale Hochbauamt für die Anlage oberhalb von Egerkingen eine neue Nutzung, die einen «nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung der Region» leisten könne, beispielsweise in Form von Arbeitsplätzen oder Aufträgen für die regionale Wirtschaft.

Tür ist nicht ganz zu

Immerhin schliesst Martin Kraus nicht aus, dass «unter geänderten Rahmenbedingungen» neue Verhandlungen auch mit der Priesterbruderschaft denkbar wären. Das gilt auch umgekehrt: Laut Niklaus Pfluger ist die Bruderschaft zwar derzeit daran, in Menzingen auszubauen. Doch in 10 bis 15 Jahren werde der Platz dort wiederum zu klein sein. Niklaus Pfluger lässt die Tür offen: «Wenn der Kanton nicht verkaufen kann und bei uns anruft, werden wir die neue Situation prüfen.»

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