Freude schenken macht Freude

Kurt Oberholzer aus Dättwil und Heinz Waser aus Döttingen fahren im Auftrag vom Schweizerischen Roten Kreuz für 2xWeihnachten Pakete aus. Unentgeltlich, versteht sich. Für die beiden Ehrensache, in einer Zeit, in der viele Menschen nur noch gegen Bezahlung aktiv werden.

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Zwei Mal Weihnachten

Zwei Mal Weihnachten

Stadtanzeiger Baden

Carolin Frei

Vor drei Jahren waren die beiden Pensionierten erstmals gemeinsam auf Ausliefertour. Seither hat sich etwas Grundlegendes geändert: Die Pakete werden nicht mehr direkt an Private geliefert, weil es offenbar immer wieder mal zu Missbrauch kam. Neuerdings werden die Geschenke beim Sozialdienst, dem Kinderheim oder direkt bei der Gemeindeverwaltung deponiert, die sich dann um die Verteilung an die Bedürftigen kümmern.

Die neue Regelung bringt für Kurt Oberholzer und Heinz Waser keine grosse Veränderung. Ausser, dass man die Freude der Beschenkten nicht mehr mitbekomme. «Ich erinnere mich an einen alten Mann, der sich eine gestrickte Weste gewünscht hatte und auch bekam. Er konnte sein Glück kaum fassen», sagt Heinz Waser. Aber ansonsten - bei dem straffen Routenplan - hätten sie eh keine Zeit für ein Schwätzchen oder Kaffeekränzchen.

Am 26. Januar werden die beiden Pensionierten wieder miteinander auf Tour gehen, um unter anderem in den Gemeinden Baden, Wettingen, Brugg und Untersiggenthal für strahlende Gesichter zu sorgen. «An diesem Tag werden gut und gerne 20 Freiwillige darum bemüht sein, im ganzen Kanton die Geschenke zu verteilen. Zu zweit fährt man zwei Touren, eine am Morgen und eine am Nachmittag. Pro Fuhr kommen zwischen 800 und 1100 Kilo zusammen. Leider sind die Pakete nicht immer so bepackt, dass sie ‹handlich› sind.

Zum Glück gibt es Gemeinden, die für uns ein paar Helfer zum Abladen und ‹Hinaufbuckeln› organisieren.» Was bei diesem Ausliefertag nicht fehlen darf, ist das gemeinsame Mittagessen, auf das sich alle freuen, trifft man doch immer wieder bekannte Gesichter.

Für 2xWeihnachten engagieren sich Kurt Oberholzer und Heinz Waser gerne. «Uns macht es Freude, Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stehen, zu helfen.» Deshalb stellen sich die beiden auch noch für andere Aufgaben beim Roten Kreuz zur Verfügung. Kurt Oberholzer ist täglich im Einsatz, fährt Patienten zum Arzt, ins Spital oder zur Kur. Sein Kollege Heinz Waser ist nicht regelmässig fürs Rote Kreuz tätig. «Ich musste mich jahrelang an straffe Terminpläne halten.» Nun geniesst er am Pensioniertsein vor allem die Freiheit, die Tage spontan zu planen. Aber, für 2xWeihnachten wird er auch künftig immer verfügbar sein.
Josef Reinhardt koordiniert seit fünf Jahren für das Schweizerische Rote Kreuz «2xWeihnachten»

Weihnächtlichen Überfluss an Menschen zu schenken, die auf der Schattenseite der Gesellschaft leben: Diese Idee steht seit Beginn vor 13 Jahren im Zentrum der Geschenkaktion von SRG SSR idée suisse, der Schweizerischen Post und des Schweizerischen Roten Kreuzes.
Josef Reinhard hat seit fünf Jahren die Projektleitung für «2xWeihnachten» beim Schweizerischen Roten Kreuz inne. Zu seinen Kernaufgaben gehört das Koordinieren mit den beteiligten Partnern, das Betreuen der Freiwilligen und schlussendlich die «Endkontrolle» vor Ort. «Jährlich werden zwischen 60- und 80 000 Pakete von gegen 1000 Freiwilligen sortiert und weitergeleitet», sagt der Projektleiter. «Ohne die Mithilfe der Freiwilligen wäre diese Arbeit nicht zu bewältigen.» 50 Prozent der gespendeten Pakete werden an die 24 Kantonalverbände des SRK geliefert, die restlichen gehen ins Ausland. «Dieses Jahr ist Moldawien das Schwerpunktland. Aber auch Weissrussland und Bosnien-Herzegowina werden berücksichtigt.»
Lebensmittel, Hygieneartikel und Babyprodukte eignen sich besonders zum Verschenken. «Aber es gibt eigentlich nichts, das wir nicht bekommen», sagt Josef Reinhardt. Verderbliche Sachen wie Käse oder Speck werden unverzüglich an Gassenküchen oder die Heilsarmee weitergeleitet. Alles andere wird erst auf die Haltbarkeit überprüft und nachher für den Versand bereitgestellt. 6 Prozent der Geschenke landen im Abfall, weil sie beschädigt oder verdorben sind.
Seit zwei Jahren kann man «virtuelle» Geschenke übers Internet platzieren. «Für den gespendeten Betrag kaufen wir dann vor Ort Lebensmittel ein.» Über diesen Kanal werden jährlich zwischen 40- und 70 000 Franken generiert. Der Vorteil dieser Spendenform: die Transportwege entfallen.
Die Aktion «2xWeihnachten» hat sich gut etabliert, melden sich doch jeweils mehr Freiwillige, als benötigt werden. «Es gibt Menschen, die seit dem Start vor 13 Jahren mit von der Partie sind.» Die Freiwilligen kommen aus der ganzen Schweiz und der älteste ist 80 Jahre alt. Zunehmend beteiligen sich Firmen, entweder mit einer Arbeitsleistung oder einer Naturalspende in Form von Esswaren oder etwa Kleiderkollektionen. www.2xweihnachten.ch