Warum kein Skater-Weg am Flachsee
Freizeitsportler fordert Skater-Weg am Flachsee

Von Rottenschwil führen nur die trottoirlose Kantonsstrasse sowie zwei Kieswege bis zum Veloweg oberhalb des Flachsees. Beide sind für Skater ungeeignet. Freizeitsportler Michael Boss versteht nicht, weshalb man einen der Kieswege nicht endlich teert.

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Andrea Weibel

«Dem Flachsee und der Reuss entlang gibt es wunderbare Strecken für Fussgänger, Velofahrer und Skater», schwärmt der begeisterte Freizeitsportler Michael Boss (45) aus Zufikon. «Von Unterlunkhofen her kommt man hervorragend auf der einen Seite nach Bremgarten, auf der anderen bis Ottenbach und weiter bis nach Zug.» Velofahrer und Spaziergänger hätten überall Wege und kämen überall durch. «Nur die Skater sind eingeschränkt», hält er fest.

Was ihm fehlt, ist eine Verbindungsstrasse über die Reuss nach Rottenschwil, «denn dort drüben gibt es ebenfalls sehr schöne Wege, die man nutzen könnte». Dabei handle es sich lediglich um ein winziges, einige hundert Meter umfassendes Stück, das für Skater nicht überbrückt ist. «Zwischen dem Veloweg oberhalb des Flachsees und der Reussbrücke gibt es zwei Kieswege, die mit Inlineskates nicht nutzbar sind. Sonst bleibt nur die Kantonsstrasse von Unterlunkhofen nach Rottenschwil.» Diese ist jedoch sehr stark befahren und verfügt nicht über ein Trottoir.

«Kleine Strecke teeren»

«Ich habe mich schon öfter über diese Situation genervt», so der Haustechnikplaner. Diesen Frühling hat er sich an die Gemeinde Unterlunkhofen gewandt, auf deren Grund die beiden Kieswege liegen. «Man müsste nur einen der beiden teeren, und schon würde das Gebiet für Skater enorm an Attraktivität gewinnen, weil man dann auch vom Parkplatz bei der Reussbrücke her mit den Skates dem See entlang fahren könnte», schlägt Boss vor. «Man könnte, um ein noch besseres Standortmarketing zu betreiben, auch einen offiziell ausgeschilderten Skate-Weg daraus machen, wie es das in der ganzen Schweiz gibt. Der Platz hier ist ideal dafür.»

Claudia Nick, Vizeammann von Unterlunkhofen, kennt das Problem: «Wir wissen, dass die Strecke für Skater nicht ideal ist, denn die Kantonsstrasse ist für sie die einzige Möglichkeit, von Unterlunkhofen nach Rottenschwil zu kommen, und die ist gefährlich.» Aus diesem Grund hat sie die Anfrage an den Kanton weitergeleitet.

Kein zweites Klingnau

Von dort kam jedoch eine negative Antwort. «Man wolle kein zweites Klingnau», so Nick. Dieser Meinung ist auch Josef Fischer, Geschäftsführer der Stiftung Reusstal, der für das Naturschutzgebiet am Flachsee zuständig ist. «Will man am Sonntag an den Klingnauer Stausee, um zu spazieren, muss man sich ständig vor den Bikern und Skatern in Acht nehmen», weiss er aus Erfahrung. «Ähnliche Zustände herrschen zum Teil schon jetzt auf dem Veloweg am Flachsee, jedoch noch nicht so ausgeprägt. Darum wollen wir keine weitere Attraktivitätssteigerung, denn diese würde natürlich noch mehr Leute anlocken.»

Fussgänger gefährdet

Ein zweiter wichtiger Punkt, der gegen die geteerte Verbindung spreche, sei die Unübersichtlichkeit. «Die Strecke des Velowegs ist meist gerade, sehr offen und dadurch überschaubar», erklärt Claudia Nick. «Zwischen dem Veloweg und der geteerten Verbindungsstrasse würde dann aber eine enge Kurve entstehen. Viele Skater und oft auch Velofahrer verhalten sich in solchen Situationen nicht angepasst, das heisst, sie bremsen zu wenig ab, um eventuelle Fussgänger oder andere entgegenkommende Sportler zu erkennen.» Diese Gefahr sei gross, das bestätigt auch Josef Fischer: «Erst kommt die Kurve, dann ist die Strasse ein Stück weit abschüssig, sodass die Skater noch schneller werden. Das ist für die Fussgänger einfach zu gefährlich.»

«Fall ist abgeschlossen»

Der Kanton habe auch den Naturschutz als Gegenargument aufgeführt, führt Claudia Nick aus. «Das kann ich beim besten Willen nicht ernst nehmen», schüttelt Michael Boss den Kopf. Da stimmt ihm auch Josef Fischer zu: «Darauf käme es nun wirklich nicht mehr an, die Wege bestehen bereits und viele Sportler benutzen sie auch jetzt schon», sagt der Naturschützer. «Die Argumente sind die Zunahme der Sportler, die bei einer Attraktivitätssteigerung zu erwarten wäre, sowie die mangelnde Sicherheit.»

Claudia Nick betont jedoch, dass der Gemeinderat das Anliegen von Michael Boss sehr ernst genommen habe. «Nach dem negativen Bescheid des Kantons haben wir überlegt, ob es andere Möglichkeiten gäbe», bestätigt sie. «Beispielsweise haben wir über einen Velostreifen und dergleichen auf der Kantonsstrasse nachgedacht.» Wenn der Kanton aber nicht mitmache, sei ein solches Projekt zu teuer. Und auf beiden Seiten werde die Strasse von Landwirtschaftsland gesäumt. «Es gibt einfach keinen Platz für ein Trottoir», bedauert sie. «Durch den negativen Bescheid des Kantons ist der Fall für uns abgeschlossen», hält Claudia Nick fest.