Ehefrau
Freispruch für Ehefrau mit Biss

Während eines Ehestreites hat eine Dominikanerin ihren Ehemann gekratzt und ihm in den Unterarm gebissen. Nun sprach das Zürcher Obergericht die Frau aus Birmensdorf frei und hob die Geldstrafe gegen sie auf.

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Attila Szenogrady

Am Anfang war es die grosse Liebe, als ein Birmensdorfer in seinen Ferien auf Santo Domingo die drei Jahrzehnte jüngere Angeklagte am Strand kennen lernte.

Bereits nach wenigen Monaten heiratete der Schweizer die Dominikanerin. Ein Jahr später folgte sie ihm in die Schweiz.

Die Ehe stand allerdings unter einem schlechten Stern. So suchte die Frau immer wieder alleine das Zürcher Langstrassenquartier auf, wo sie den Kontakt zu ihren Landsleuten suchte. Dies zum grossen Ärger ihres Mannes, der nicht viel damit anfangen konnte, dass seine Partnerin häufig erst in den frühen Morgenstunden den Heimweg wieder fand. Meistens unter Alkoholeinfluss.

Das war auch in der Nacht auf den 22.Mai 2008 der Fall. Diesmal verlor der eifersüchtige Mann die Beherrschung und riss seine Frau an den Haaren. Worauf diese wie eine Furie zum Gegenangriff überging. Sie kratzte ihn am Hals und ihm Brustbereich.

Dann ergriff die Angeklagte ein Messer und fuchtelte damit in der Luft herum. Bis es dem Geschädigten gelang, ihren Arm abzublocken und sie die Waffe fallen liess. Doch dann biss sie ihm massiv in den rechten Unterarm. Worauf er die Polizei alarmierte. Kurz darauf führte eine Patrouille die angetrunkene Dame ab. Sie verbrachte danach 22Tage lang in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft Limmattal-Albis leitete eine Strafuntersuchung ein und lastete der Angeklagten mehrfache Körperverletzung sowie Drohung an.

Im letzten Juni beteuerte die Angeschuldigte vor dem Bezirksgericht Dietikon ihre Unschuld und machte Notwehr geltend. So sei sie von ihrem Mann zuerst attackiert worden, führte sie aus. Allerdings vergeblich. So kam der Dietiker Richter zu einem Schuldspruch und setzte eine bedingte Geldstrafe von 120Tagessätzen zu 60Franken fest.

Nun versuchte die heute 31-jährige Dominikanerin ihr Glück in einem Berufungsprozess. Sie habe nur zugebissen, da sie von ihrem Mann in den Schwitzkasten genommen worden war, gab sie zu Protokoll.

Auch der Verteidiger forderte einen vollen Freispruch. Diesmal mit Erfolg. Im Gegensatz zur ersten Instanz gingen die Oberrichter von einer Reaktion der Angeschuldigten auf einen Angriff aus und kamen neu zu einem Freispruch. Dabei stuften sie die Aussagen der Angeklagten als glaubhaft ein und bejahten eine Notwehrsituation.

Mit dem Freispruch erhielt die Frau eine Prozessentschädigung von 2500 Franken. Sie hat sich inzwischen von ihrem Mann getrennt, will aber weiterhin in der Schweiz verbleiben.

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