Freie Luft für filigrane Werke

Freie Luft für filigrane Werke

Freie Luft für filigrane Werke

Der Künstler Hansruedi Steiner aus Aarau hatte die Idee, die Organisatoren stiegen darauf ein: Im Schlosspark Schöftland lockt erstmals Kunst im Rasen, auf Sockeln und an Wänden.

Peter Weingartner

Bis Mitte November hat die Frauenstatue auf dem Rasen des Schlosshofs, da kann sie sich abdrehen, wie sie will, Gesellschaft: Hansruedi Steiners Stelen. Die gut 100 Besucher der Vernissage staunen: Der Aarauer Künstler hat alle diese Werke, ob Skulpturen oder Wandobjekte, zuerst aus einem Stück Holz herausgeholt. Und jetzt stehen sie da in Bronze. «Es gibt von jedem Objekt fünf Exemplare», sagt Steiner, «so gelten sie noch als Originale.»
Ruhe und Ausdauer

Wie kommt er zu seinen Formen? Sie entwickelten eine Eigendynamik, sagt er, auf der Geometrie basierend entstehen Variationen. Das zeigt sich besonders schön bei den als «Arabesques» betitelten Wandobjekten: ein Endlosgeflecht, organisch gewachsen, so scheint es. Streng, ohne Abschweifungen kommen die Ringe daher, und die Frage stellt sich: Wie macht er das? Ruhe, Ausdauer und ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen. Das sagt Barbara Lüthi von Pro Schöftland in ihren einführenden Worten zur ersten Ausstellung im Schlosspark. Der Künstler sagt nicht viel, lässt sich auch für ein Foto nicht vor ein Objekt stellen. «Verjüngungen halt», meint er lakonisch zu den spiralförmig sich zuspitzenden Stelen. Eine gewisse Besessenheit muss jemand haben, wenn er einige hundert Stunden damit zubringt, ein solches Objekt zu schaffen. Sein Material ist das Holz, sei es Buchsbaum, Thuja, Linde, Ahorn oder Ebenholz.

Schnitzel als Insekten

«Pinzettenarbeit», staunt Marianne Christen, eine ehemalige Schulkollegin des Künstlers, als sie im Entree des Schlosses ein «Schnitzelbild» betrachtet. Da wird beim Betrachten der Kreis zur Kugel, allein durch die Anordnung des Holz-«Abfalls»: innen gröber, aussen quadratmillimeterklein. Und an der Wand gegenüber? Da liegen die Schnitzel nicht flach, da bevölkern, insektengleich aufgenädelt, Ebenholzspäne das rechteckige Bild. Hansruedi Steiner zeigt: Was abfällt, kann aufgehoben werden und in neuem Zusammenhang wieder Verwendung finden.

Bis zum 14. November offen

Die Vernissage fand am Mittwochabend bei gutem Wetter statt. Für musikalische Begleitung sorgten Christof Hochuli (Drums) und Petra Hereth (Piano). Der Gemeinderat offerierte einen Apéro, und wer genug Kunst hatte, konnte die Reben an der Friedhofmauer begutachten.

Und manch ein Besucher verliess den Schlosspark mit geschärftem Blick, sah im zentralen Baumstrunk ein Denkmal, im alten Hydranten ein Kunstobjekt. Die Ausstellung im Schlosspark, im Schloss und (während der Öffnungszeiten) in der Raiffeisenbank gegenüber kann noch bis zum 14. November – Schöftler Woche – besichtigt werden.

Barbara Lüthi hat recht: Der Gang auf die Kanzlei, ein Marktbesuch oder ein Restaurantbesuch ermöglichen zu unterschiedlichen Tageszeiten neue Wirkungen der Objekte: Schattenwürfe, Lichteinfall.

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