Freiamt
Freiamt liegt in Süddeutschland

Fährt man ins Freiamt oder nach Freiamt? Beides. Denn das Freiamt ist eine Region in der Schweiz, aber Freiamt ist ein 4250-Seelen-Dorf in Süddeutschland. Die AZ Freiamt war zu Besuch bei den Freiämtern.

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Freiamt in Süddeutschland
5 Bilder
140 km Wanderwege
Hünersedel
Erneuerbare Energie
Bürgermeisterin

Freiamt in Süddeutschland

Andrea Weibel

Blühende, ausladende Wiesen, weite grüne Wälder und dazwischen verstreute Siedlungen - hier fühlt sich ein Freiämter zu Hause. Und tatsächlich, vor einer Ortseinfahrt steht auf einem gemeisselten und bemalten Holzschild: Willkommen in Freiamt - und das mitten im Südschwarzwald!

Freiamt gibt es tatsächlich zweimal. Die Schweizer Region Freiamt und das Dorf Freiamt in Baden-Würtemberg liegen keine zwei Autostunden voneinander entfernt. Und die beiden Gegenden haben sehr viel gemeinsam.

Freiamt ist eine Gemeinde, bestehend aus den fünf Dorfteilen Ottoschwanden, Mussbach, Reichenbach, Keppenbach und Brettental, die zum Teil kilometerweit auseinander liegen. Genau wie das Freiamt im Kanton Aargau hat der Ort seinen Namen von der Obrigkeit erhalten: «Im Mittelalter haben sich die freien Bauern aus den umliegenden Siedlungen im Bauernkrieg besondere Rechte erkämpft. Daher wurde ihr Land zusammen als freies Amt bezeichnet», erklärt Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench.

Sie ist seit neun Jahren die oberste Freiämterin. «Auch wir nennen uns Freiämter. Nur Leute, die es nicht besser wissen, sagen Freiamter zu uns, aber das kommt schon auch ab und zu vor», erklärt sie schmunzelnd. Reinbold-Mench ist sehr stolz auf ihr grünes Dorf. Vom Dichter Johan Peter Hebel sei es einst «Das Dorf nahe des Himmels» genannt worden. Allerdings liegt die Gemeinde nicht nur mitten im Grünen, sondern produziert auch grüne, also erneuerbare Energie (Artikel unten). «Wir bekommen das ganze Jahr hindurch Besuch von ausländischen Delegationen, die unsere Elektrizitätsanlagen begutachten möchten.» Es seien schon Leute aus Ländern wie Korea, Kanada und Mexiko bei ihnen gewesen. «Ich habe auch schon in Sempbach in der Schweiz einen Vortrag darüber gehalten», berichtet die 49-Jährige.

Doch über die Energie und die unzähligen Photovoltaik-Anlagen auf fast allen Dächern hinaus hat Freiamt besonders für Touristen einiges zu bieten. «Wir sind Preisträger für Familien-Ferien, das ist eine Auszeichnung des Bundeslandes Baden-Würtemberg», ist die Bürgermeisterin stolz. Denn gerade für Familien bietet der Ort einiges. Unter anderem einen Waldlehrpfad, bei dem es neben einem grossen Spielplatz auch viel Wissenswertes für die Kinder zu entdecken gibt. Sie erfahren beispielsweise im Tierweitsprung, dass ein Fuchs lediglich drei Meter weit springen kann, ein Eichhörnchen viereinhalb Meter und ein Hirsch ganze neun Meter. Im Holzartenpavillon stehen ihnen zudem ein gutes Dutzend Holzblöcke zum Anfassen, Vergleichen und Lernen zur Verfügung.

Der Erlebnispfad wie auch die meisten der anderen Sehenswürdigkeiten Freiamts, wie der Aussichtsturm Hünersedel und der Garten des Kurhauses, sind in Fronarbeit von verschiedenen Vereinen erbaut worden, «ebenfalls ein Markenzeichen Freiamts», so die Bürgermeisterin.

Bekannt ist Freiamt ausserdem für seine Gastronomie und den Tourismus. «Wir haben vier Cafés und unzählige Restaurants», so Reinbold-Mench. «Diese leben vor allem von den Touristen.» Nicht nur, aber auch bei Motorradfahrern ist das Gebiet um Freiamt und der Schwarzwald allgemein sehr beliebt. Auch aus der Schweiz verbrächten viele Leute ihren Urlaub in Freiamt. Das freut die Freiämter, denn «bei uns sagt man, wo Schweizer einkehren, da muss die Gastronomie gut sein», erzählt die Bürgermeisterin.

«Wir mögen die Schweizer aber nicht nur aus diesem Grund», führt sie aus. «Wir haben überhaupt ein sehr positives Bild von den Schweizern. Sie gelten als ordentlich, fleissig und gesellig. Ausserdem lieben wir die Berge, und das verbindet uns.» Auch die Schweizer Mundart höre man nicht ungern. «Wir verstehen die Schweizer meistens gut, wenn sie Dialekt sprechen, denn wie unsere stammt auch ihre Mundart vom Alemannischen ab», weiss die Repräsentantin. «Wir haben viele gleiche Dialektwörter wie die Schweizer in Gebrauch, die andere nicht verstehen. Das bringt uns einander auch näher.»

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