Neat

«Freiamt braucht einen Neat-Anschluss»

Rasant: Heute fahren noch viele Schnellzüge ohne Halt durch das Freiamt; hier soll Abhilfe geschaffen werden. (AZ-Archiv)

Zug

Rasant: Heute fahren noch viele Schnellzüge ohne Halt durch das Freiamt; hier soll Abhilfe geschaffen werden. (AZ-Archiv)

Nur das Wiggertal profitiere von der Neat, die 2016 ihren Betrieb aufnimmt, befürchten die Freiämter Regionalplanungsverbände (Replas). Beim Kanton verlangen sie deshalb, eine schnelle Verbindung zum Neat-Bahnhof Arth-Goldau in den Richtplan aufzunehmen.

Fabian Hägler

In sieben Jahren soll der Basistunnel am Gotthard in Betrieb genommen werden. «So, wie es heute aussieht, verpasst es der Kanton Aargau, einen schnellen Anschluss an die Neat zu erhalten», sagt Fredy Zobrist von der ÖV-Gruppe Freiamt.

Laut dem regionalen Bahnspezialisten müssten die Reisenden Umwege über Zürich, Olten oder Zug in Kauf nehmen «und benötigen für die Fahrt zum Neat-Portal Arth-Goldau beinahe doppelt so lange wie dann für die Strecke durch den Basistunnel bis nach Bellinzona.»

Grund: Eine schnelle Anbindung via Freiamt fehlt. Im aktuellen Richtplan, der gegenwärtig revidiert wird, «sieht der Kanton keinen direkten Anschluss über die bestens ausgebaute Südbahn vor», hält Zobrist fest. Für ihn und für die Politiker der Region ist dies unverständlich.

Replas wehren sich

Die drei Regionalplanungsverbände Unteres Bünztal, Oberes Freiamt und Mutschellen-Reusstal-Kelleramt wollen diesen Zustand auch nicht einfach hinnehmen. «Wir verlangen, die Planungsgrundsätze zum Personenfernverkehr seien mit einer schnellen Verbindung ab Aarau zum Neat-Bahnhof Arth-Goldau und eventuell weiter nach dem Tessin mit Halt in Lenzburg, Wohlen und einem weiteren Bahnhof im Freiamt zu ergänzen», betont Zobrist.

Dieses Anliegen bringen die Replas im laufenden Richtplan-Verfahren ein. «Momentan steht dort nur die allgemeine Bemerkung, die Kapazitäten der Bahninfrastrukturen in den Hauptkorridoren Ost-West und Nord-Süd (Neat-Achse) seien auszubauen.» Konkrete Massnahmen für den Neat-Anschluss würden hingegen keine genannt, kritisiert der Bahnexperte. «Die drei Replas und deren Verbandsgemeinden werden diesbezügliche Begehren stellen», kündigt Fredy Zobrist weitere Schritte an.

Probelauf am Wochenende?

Eine konkrete Idee deponieren die Replas bereits beim Kanton. «Mit einer schnellen Verbindung am Wochenende durch das Freiamt wollen wir der Aargauer Bevölkerung in der Praxis zeigen, wie schnell und bequem die Innerschweiz und der Süden auch mit dem öffentlichen Verkehr erreicht werden kann», sagt Zobrist. Für dieses Angebot hat die SBB eine Offerte erstellt.

«Bis heute ist vom Kanton aber noch keine Unterstützung in Sicht. Die involvierten Regionen müssen für die ungedeckten jährlichen Kosten von rund 150 000 Franken während des Versuchsbetriebs selber aufkommen», bemängelt Zobrist.

Umfangreicher Fragekatalog

Deshalb stellten sie dem Kanton einen umfangreichen Fragekatalog zu. Themen darin sind unter anderem: Beteiligung des Kantons, Vorgehensweise, mögliche Beschleunigung des offerierten Fahrplans. Daneben geht es auch um ein Marketingkonzept, das laut Zobrist für einen erfolgreichen Versuch notwendig wäre. «Die drei Regionalplanungsverbände hoffen auf eine schnelle Beantwortung ihrer Fragen, damit sie dann das Projekt zügig in Angriff nehmen können», blickt er voraus.

Reisewelle wie am Lötschberg

Zobrist ist überzeugt, dass man Reisenden aus der Region mit diesem Schnellzug einen attraktiven Vorgeschmack auf die Neat bieten könnte. «Durch den 57 Kilometer langen Basistunnel werden die Bahnreisenden künftig 50 Minuten nach der Abfahrt in Arth-Goldau schon Bellinzona erreichen. Die neue Verbindung könnte eine ähnliche Reisewelle wie die Neat am Lötschberg auslösen», ist er überzeugt.

Die Replas freuen sich laut Fredy Zobrist über zusätzliche Unterstützung der Bevölkerung. Interessierte können sich unter ag.ch/raumentwicklung (Klick auf «Aktuell» und «Mitwirkung») persönlich an der Vernehmlassung zum Richtplan beteiligen.

Freiamt: Nicht nur Güterzüge

Zobrist hält fest, das Freiamt mit dem Reusstal sei bei allen früheren Etappen am Gotthardpass ein «mehr oder weniger wichtiger Zubringer» gewesen. Das gelte für die erste Passstrasse im Jahr 1830, die Eröffnung der Gotthardbahn 1882 und für den Autobahntunnel der A2 ein Jahrhundert darauf. Ohne konkrete Massnahmen des Kantons dürfte sich dies aber ändern. «Wenn der direkte Anschluss des Aargaus nicht gelingen sollte, bleibt dem Freiamt künftig nur das Rattern der Güterzüge als wichtigsten Zubringern zur Neat», befürchtet Fredy Zobrist.

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