Feldschlösschen
«Frauensegment ist ein Wachstumsmarkt»

Eine staatliche «Verbotskultur» macht den Brauereien zu schaffen. In den vergangenen Jahren liess der Bierdurst ständig nach, sodass die grösste Brauerei der Schweiz, Feldschlösschen in Rheinfelden, sich mit neuen Produkten die Marktanteile sicherte.

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Feldschlösschen CEO

Feldschlösschen CEO

Aargauer Zeitung

Peter Rombach

In diesem Jahr fehlen grosse Veranstaltungen im Land, folglich kann der Bierausstoss kaum erhöht werden. Thomas Metzger, seit einem Jahr CEO der Feldschlösschen Getränke AG, kennt die Schwierigkeiten des Marktes.

Erinnern Sie sich noch gerne an die Euro 08, löste sie bei Feldschlösschen wirtschaftliche Impulse für 2009 aus?
Thomas Metzger: Die Euro 08 war für das ganze Unternehmen Feldschlösschen eine inspirierende Zeit. Die Euro war ein Anlass, der sehr viel von Feldschlösschen gefordert hat, der aber auch gezeigt hat, was alles möglich ist, wenn motivierte Mitarbeitende zusammenarbeiten. Dank dem grossen Einsatz unserer Mitarbeitenden und dank der frühzeitig begonnen Vorbereitungs- und Planungsarbeiten konnte Feldschlösschen sicherlich von der Euro profitieren. Aber natürlich können wir uns nicht auf den Lorbeeren des letzten Jahres ausruhen und müssen die aktuellen Herausforderungen im Schweizer Biermarkt angehen.

Wo liegen die aktuellen Herausforderungen im Schweizer Biermarkt?
Metzger: Sorgen bereiten uns, neben dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, insbesondere die zunehmende Verbotskultur: zum Beispiel die Rauchverbote in der Gastronomie oder natürlich die zunehmenden Werbeverbote und Verkaufsbeschränkungen für alkoholische Getränke.

Wie beurteilen Sie die allgemeine Konjunkturentwicklung 2009?
Metzger: Bier gehört zwar erfahrungsgemäss zu jenen Produkten, die in einer Wirtschaftskrise weniger stark betroffen sind. Trotzdem sind wir aufgrund der negativen Konsumstimmung vorsichtig. Zudem fehlen uns in diesem Jahr sportliche Grossereignisse, wie wir sie letzten Jahr mit der Euro oder im Jahr zuvor mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest hatten.

Wirken sich Rauchverbote in der Gastronomie auf den Bierabsatz aus?
Metzger: Die ersten Erfahrungen zeigen, dass das Rauchverbot in den Bars und Restaurants kurzfristig zu einem Rückgang beim Bierabsatz von 5 bis 10 Prozent führt. Wie die langfristigen Auswirkungen des Rauchverbotes in der Gastronomie aussehen, bleibt abzuwarten.

Spielt das Wetter beim Bierkonsum eine Rolle?
Metzger: Unser Geschäft ist sehr wetterabhängig, und die Sommermonate sind für die Brauereien sehr wichtige Monate. Der Sommer 2009 war - nach dem guten Start mit dem «Sommermonat» April - in den Monaten Mai, Juni und Juli wettermässig sehr durchzogen. Der August hat uns hohe Temperaturen und damit erhöhten Durst gebracht.

Die Statistik behauptet, 70 Prozent der Schweizer Frauen würden kein Bier trinken. Könnte das eine Wachstumsreserve sein?
Metzger: Das Segment der Frauen ist sicherlich ein Wachstumsmarkt für uns. Das Unternehmen Feldschlösschen hat mit der Lancierung von Eve und Angel von Cardinal neue innovative Getränke für diese Zielgruppe lanciert. Wir sind mit der Entwicklung dieser Innovationen sehr zufrieden.

Beeinflussen politische Vorgaben wie die Promillegrenze manche Unternehmensentscheidungen?
Metzger: Die Markteinführung von Feldschlösschen 2.4 erfolgte als Reaktion auf die Senkung der Promille-Grenze. Und das alkoholreduzierte Bier hat schnell seinen Platz im Markt gefunden. Grundsätzlich ist zu sagen, dass die politischen Rahmenbedingungen für unsere Branche zunehmend schwieriger werden und unseren wirtschaftlichen Handlungsspielraum immer stärker einengen.

Welchen Stellenwert geniesst Feldschlösschen im international operierenden Carlsberg-Konzern?
Metzger: Feldschlösschen wurde von der Carlsberg-Gruppe im vergangenen Jahr als beste Ländergesellschaft, als «Company of the year», ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die uns mit Stolz erfüllt und die zeigt, dass Feldschlösschen einen wichtigen Stellenwert innerhalb der Carlsberg-Gruppe einnimmt. Zudem wurde unsere erfolgreiche Innovation Eve auch von der Carlsberg-Gruppe übernommen und ist nun auch in Deutschland erhältlich.

Wie sicher ist der «Bierstandort» Rheinfelden?
Metzger: Feldschlösschen ist seit 133 Jahren der Hauptsitz unseres Unternehmens. Auch innerhalb der Carlsberg-Gruppe ist der Standort Rheinfelden ein wichtiger Produktions- und Logistikstandort. Rheinfelden ist auch das Kompetenzzentrum für alkoholfreie und alkoholreduzierte Biere der Carlsberg-Gruppe und weist in diesem Sektor grosse Erfahrungen auf.

Die französischen Marken Kronenbourg und 1664 befinden sich seit Januar 2009 im Bierportfolio von Feldschlösschen. Setzen Sie sich damit
der Gefahr aus, dass das Sortiment unübersichtlicher wird?
Metzger: Kronenbourg und 1664 stellen eine ideale Ergänzung für unser Sortiment dar. Jede Marke hat ihre eigene Funktion in unserem Bierportfolio. Die breite Palette an Biermarken und Produkten ist eine der Stärken des Unternehmens Feldschlösschen. Wir bieten das richtige Bier für jede Gelegenheit.

Feldschlösschen propagiert «global denken, lokal handeln». Was darf man darunter konkret verstehen?
Metzger: Wir sind einerseits Teil der Carlsberg-Gruppe und profitieren vom Netzwerk und vom Know-how des global tätigen Unternehmens. Auf der anderen Seite ist das Biergeschäft doch ein sehr lokales Geschäft. Carlsberg berücksichtigt die regionalen Gegebenheiten und setzt auf die lokalen Marken wie beispielsweise Feldschlösschen in der Schweiz. Das lokale Management richtet sich dabei natürlich auf den lokalen Markt aus und fühlt sich auch sehr stark lokal verankert.

Wie definieren Sie Traditionspflege?
Metzger: Für Feldschlösschen sind die Tradition und das Erbe der Gründer sehr wichtig. Wir halten die Brauerei-tradition und die Bierkultur hoch. Beispielsweise ist Feldschlösschen die einzige Brauerei in der Schweiz, die noch heute regelmässig einen Sechsspänner, einen Bierfuhrwagen mit sechs Brauereipferden, im Einsatz hat. Auf der anderen Seite passen wir uns auch neuen Marktgegebenheiten und aktuellen Kundenbedürfnissen an. Tradition und Innovation miteinander zu verbinden, ist eine unserer Stärken.

Eine Grossbrauerei gilt als «Energiefresser». Leistet das Unternehmen einen aktiven Beitrag zum Umwelt- und letztlich Ressourcenschutz?
Metzger: Wir produzieren unsere Getränke mit natürlichen Ressourcen: Hopfen, Gerstenmalz, Wasser. Deshalb liegt uns der Umweltschutz sehr am Herzen. Wir haben in den letzten Jahren hart daran gearbeitet, unsere Energieeffizienz deutlich zu verbessern. Wir haben verschiedene innovative Projekte umgesetzt: Wir nutzen die Restalkoholverbrennung zur CO2-Reduktion, wir haben ein System der Wärmerückgewinnung installiert, und wir sind das erste Unternehmen in der Schweiz, das einen emissionsfreien Elektro-LKW im Einsatz hat. Die Aussage, eine Brauerei sei ein «Energiefresser», stimmt also auf uns bezogen sicher nicht. Feldschlösschen war übrigens die erste Schweizer Brauerei, die für Umwelt und Qualität zertifiziert war. Wir leisten auch lokal einen aktiven Beitrag für kleinere Umweltprojekte, zum Beispiel haben wir uns zugunsten des Naturschutzgebiets «Aengi» zwischen Rheinfelden und Magden engagiert.

Themenwechsel: Sie sind im Fricktal aufgewachsen und wohnen in Möhlin. Findet ein CEO überhaupt noch Zeit für privates Engagement?
Metzger: CEO von Feldschlösschen zu sein, ist eine Herausforderung und verlangt auch ein zeitlich grosses Engagement. Trotzdem ist mir der Freizeitausgleich natürlich wichtig. Im Kreise der Familie gehören die Spaziergänge mit unseren Hunden zu den Momenten der Erholung. Daneben habe ich im Fuss-ballclub Möhlin vor einem Jahr das Amt des Präsidenten übernommen. Beides gibt mir einen Ausgleich, der für mich wichtig ist.

Macht das Spass, Präsident eines viertklassigen Fussballvereins zu sein?
Metzger: In erster Linie geht es mir darum, auch ausserhalb des Berufslebens noch etwas zu bewegen. Das Arbeiten mit Junioren hat mich schon als Trainer fasziniert. Da ist es sekundär, in welcher Liga wir im Moment spielen, es geht um die Perspektiven. Nach dem Abstieg sehe ich dies auch als Chance, mit jungen Spielern etwas aufzubauen. Dass ich damit auch einen kleinen Beitrag für unser Dorf Möhlin leiste, ist für mich zweifellos eine zusätzliche Bereicherung.

Im Steinli findet der FC Möhlin neue Sportanlagen vor, die am heutigen Samstag eingeweiht werden. Rechnen Sie nun mit neuen Impulsen?
Metzger: Ich denke, die neue Sportanlage wird rückblickend ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte sein. Aus diesem Grund haben wir uns bei der Abstimmung an der Gemeindeversammlung mit den Junioren eingesetzt, um zu zeigen, wie wichtig uns dieses Projekt ist. Die grösste Herausforderung steht uns aber noch bevor. Auf der neuen Anlage fehlt uns noch das Klubhaus. Dieses Projekt wird den Verein sicher noch stark fordern. Aber wie heisst es doch so schön, jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt.

Können Sie Beobachtungen bestätigen, dass dem FC Möhlin die Junioren davonlaufen?
Metzger: Nein, davon kann keine Rede sein. Im Mai mussten wir einen Trainer wegen verschiedener Verfehlungen entlassen. Einige Junioren haben sich diesem Trainer aus welchen Gründen auch immer angeschlossen.

Wie realistisch sind die Träume der ersten Mannschaft vom Wiederaufstieg?
Metzger: Ich kenne die Träume der Spieler der ersten Mannschaft nicht (schmunzelt). Der Wiederaufstieg steht bei mir nicht zuoberst auf der Wunschliste. Wir haben Ja zu einem neuen Weg mit jungen Spielern gesagt, und dieser erfordert auch etwas Geduld. Auf meiner Wunschliste zuoberst steht das neue Klubhaus. Ich bin überzeugt, dass wir damit den Verein nachhaltig weiterentwickeln können.

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