Nora Bader

In der Nacht vom 22. auf den 23. März 2003 kam es in Schönenwerd zwischen einem Ehepaar italienischer Herkunft zu einem verbalen und dann handgreiflichen Streit, bei dem unter anderem ein Bügeleisen als Schlaginstrument verwendet wurde. Dies ist der Anklageschrift vom 20.März 2008 zu entnehmen.

Der Fall hat sich vor über sieben Jahren zugetragen. Ganze fünf Jahre dauerte es, bis die fünfseitige Anklageschrift erstellt war, weitere zwei Jahre, bis ein Verhandlungstermin angesetzt wurde. Im Vorfeld der Verhandlung wollen auf Anfrage weder die Stellvertreterin des solothurnischen Oberstaatsanwalts, Sabine Husi, noch Barbara Hunkeler, Amtsgerichtsgerichtspräsidentin von Olten-Gösgen, Stellung nehmen zu den Gründen für die Verzögerung. Beide stellen in Aussicht, nach oder während der dreitägigen Verhandlung darauf Antworten geben zu können.

In Todesangst gehandelt

Gemäss Untersuchungen des Instituts für Rechtsmedizin in Bern wies das Opfer zahlreiche Kopfverletzungen auf, die zu einem massiven Blutverlust führten. Die Frau wurde damals inhaftiert und medizinisch betreut. Sie befand sich gemäss Anklageschrift vom 23.März bis zum 12.April 2003 in Untersuchungshaft. Am 22.Mai 2004 lag ein psychiatrisches Gutachten über die Frau vor.

Die Frau handelte gemäss Anklageschrift in Todesangst. Ihr Mann hatte sie mit einer Schusswaffe bedroht und versucht, sie gewaltsam zu Sex zu zwingen. Er hatte ihr das Bügeleisen ins Gesicht geschlagen, sie damit im Mundbereich verletzt und ihr den linken oberen Schneidezahn angeschlagen.

Zu diesem Zeitpunkt soll der zweite Beschuldigte – der Mann ihrer Schwester – ins Spiel gekommen sein. Er packte den Ehemann von hinten, umklammerte ihn mit den Armen, drückte ihn mit Körpergewalt zu Boden und nahm ihn in den «Schwitzkasten», sodass er wehrlos war.

Der Ehemann verblutete

Seine Frau schlug auf ihn ein. Mindestens zehnmal, wie die Ermittlungen ergaben. Zuerst tat sie dies mit dem Bügeleisen und anschliessend mit einem Steppgerät. Der Ehemann erlitt 33 Quetschungen am Scheitel und am Hinterkopf zu. Er verblutete.

Zum Zeitpunkt des Geschehens war die Frau 35- und der Mann 38-jährig. Die vier Kinder des Ehepaars, die sich in der Tatnacht bei einer befreundeten Familie aufhielten, kamen in die Obhut von Verwandten. Sie waren damals im Alter zwischen 8 und 15 Jahren.

Der Frau hat sich wegen Totschlag vor Gericht zu verantworten, ihr Schwager wegen Gehilfenschaft zu vorsätzlicher Tötung und eventuell fahrlässiger Tötung. Die von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafanträge für die beiden Angeklagten sind noch nicht bekannt.