Loris Vernarelli

Nur wenige Tage durften sich die Fremdsprachen-Muffel freuen: Gestern hat die Baselbieter Regierung beschlossen, das Frühsprachenkonzept doch wie geplant ab dem Schuljahr 2012 einzuführen - mit Französisch ab der 3. und Englisch ab der 5. Klasse der Primarschule. Noch vor zwei Wochen hatte die Exekutive die Einführung des Konzepts aus finanziellen Gründen sistiert. Die leeren Staatskassen und die daraus resultierenden Sparmassnahmen haben jedoch zur Folge, dass der Verpflichtungskredit für die Jahre 2011 bis 2022 von 16,5 auf 15 Millionen Franken gekürzt worden ist.

Zwei Gründe haben laut Bildungsdirektor Urs Wüthrich die Regierung bewogen, auf dem Sprachenkonzept zu beharren. Die erste ist eher eine technische: Der Landrat soll an jenem Tag, an dem die Motion von Eva Chappuis (SP/ Reinach) traktandiert ist, auf einer konkreten Basis debattieren können. Chappuis hatte an der letzten Landratssitzung mit einer dringlichen Motion den Regierungsrat zu einer raschen Finanzierungsvorlage zwingen wollen; ihr Vorstoss wurde aber zu einer normalen Motion degradiert. «Zudem will Baselland Partner im Passepartout-Verband bleiben, was finanzpolitisch verkraftbar ist», erklärt Regierungsrat Wüthrich den zweiten Grund. Verkraftbar auch deshalb, weil die bewilligten Mittel über einen längeren Zeitraum verteilt werden (2011-2022 anstelle von 2011-2018).

Persönlich kann der Baselbieter Bildungsdirektor einen kleinen Erfolg feiern, war doch die Verschiebung des Frühsprachenkonzepts nicht in seinem Sinne erfolgt. Er sei wegen der Kehrtwende auch sehr erleichtert, sagt er auf Anfrage. Froh ist Wüthrich vor allem deshalb, weil er nun die Vorlage im Parlament erklären und verteidigen könne.

Für den Präsidenten der landrätlichen Bildungskommission, Karl Willimann (SVP), ist durch den gestrigen Regierungsentscheid die Planungssicherheit erhöht worden. «Damit ist eine gewisse Kontinuität im Schulbereich gewährleistet», sagt er. Der Füllinsdörfer Bildungspolitiker macht allerdings darauf aufmerksam, dass die Vorlage noch vom Kantonsparlament genehmigt werden muss. Und dies sei keineswegs eine Formalität, obwohl das Frühfranzösisch unbestritten ist. «Im Landrat sind die Vorbehalte gegenüber der Einführung einer zweiten Frühfremdsprache gross», erklärt Willimann. «Eine Studie aus Zürich hat gezeigt, dass Schüler und Lehrer damit überfordert sind.»

Auf die gekürzten Mittel angesprochen, meint der SVP-Landrat, beim Kredit handle sich nur um einen Richtwert. Klar sei mit Blick auf das Budget 2010, dass Baselland sparen müsse, egal ob im Bau-, Schul- oder einem anderen Bereich.

Jenseits der Hülftenschanz nimmt man die überraschende Entscheidung der Baselbieter Regierung «mit grosser Erleichterung» zur Kenntnis. Dies ist zumindest der Gemütszustand von Pierre Felder, Leiter Volksschulen im Erziehungsdepartement Basel-Stadt. Vor zwei Wochen hatte er die Sistierung des Frühsprachenkonzeptes mit der Begründung kritisiert, die in der Nordwestschweiz geplanten Schulreformen könnten jetzt nicht zeitgleich mit Baselland durchgeführt werden. Nun sieht die Situation wieder rosiger aus. «Zum Glück haben die beiden Basel bei der Schulharmonisierung wieder den gleichen Rhythmus. Das ist gut so», betont Pierre Felder.