Am Donnerstag kommt es bei der Fussball-Europameisterschaft zum vorgezogenen Endspiel Deutschland gegen Frankreich. Im Halbfinal treffen die beiden grössten Favoriten für den Turniersieg aufeinander. Der Gastgeber misst sich mit dem aktuellen Weltmeister. Welches Team in den Final einzieht, wird erst am späten Abend entschieden. Auf der sportlichen Ebene kann von einer ausgeglichenen Partie ausgegangen werden. Deutschland scheint aber klar überlegen zu sein – zumindest was die Stimmung und die Vorfreude auf das Spiel angeht. Ein Blick hin zu den Basler Nachbarstädten Lörrach und Saint-Louis zeigt, wie gut sich unsere Nachbarn auf den Halbfinal vorbereitet haben und wer stärker auf das Hammerspiel hinfiebert.

Wenige Fahnen, viel Bier

Einen Tag vor dem Spiel hängen nur wenige Deutschland-Fahnen in Lörrach. Aber nicht etwa, weil keine Vorfreude herrscht. Sondern weil diese von den Fans abgerissen würden, wie es Mick Gäntzel, Inhaber des Heimathafens in Lörrach, sagt. Das Polizeiaufgebot für heute wurde verdreifacht und in der Stadt gelte die «Gefahrenstufe 3». Das ist die höchstmögliche. Mehr Vorbereitung geht nicht.

Zum Gastrobetrieb Heimathafen gehört auch das Lokal Barcode. Eine Bar, die anlässlich der EM in ein Public-Viewing-Areal für bis zu 1'500 Personen umfunktioniert wurde. Auf einer fünf auf dreieinhalb Meter LED-Leinwand wird das Spiel gezeigt – und dazu gibt es viel Bier. «Fünfzig Fässer haben wir uns für dieses Spiel extra liefern lassen», sagt Gäntzel. Das sind dann 2'500 Liter Bier für 1'500 Personen. So viele erwartet er nämlich heute Abend beim Public Viewing im Barcode. Vier Deziliter Bier kosten vier Euro. Gäntzel rechnet schon im Voraus der Partie mit einem grossen Fest der Deutschland-Anhänger. Egal, wie die Partie ausgehen wird. «Gute Party und super Atmosphäre wird hier herrschen.» Der Eintritt zum Public-Viewing-Areal ist kostenfrei.

Mit Live-Kommentator

Das Barcode ist nicht das einzige grössere Public Viewing in Lörrach. Das Sportresort und Hotel Impulsiv bietet Platz für 2'500 Fans und zeigt auf einer 25 Quadratmeter grossen Leinwand das Spiel. Auch sie haben fünfzig Fässer Bier geholt und verlangen ebenfalls vier Euro für vier Deziliter.

Der Einlass ist gratis, jedoch gibt es eine Altersbeschränkung: Nur wer über 18 Jahre alt ist, darf rein. Mit einem Live-Kommentator und einem Trommler soll die Stimmung zusätzlich angefeuert werden. Simone Grosse, stellvertretende Geschäftsführerin des Resorts, spricht von einem «Stadionflair», das dort herrschen wird. Bereits bei den Deutschland-Partien zuvor war das Impulsiv rappelvoll. Heute soll es natürlich genau so sein. Neben den zwei grossen Public Viewings gibt es aber noch viele andere Möglichkeiten, in der deutschen Grenzstadt zu bester Fussball-Unterhaltung zu kommen. In den Strassen Lörrachs fehlen zwar die Fahnen, aber nicht die Bildschirme. Beinahe jedes Café und Restaurant in der Innenstadt hat eine Leinwand aufgestellt und auf die Plätze rausgestuhlt.

Auch die SBB haben den Halbfinal auf dem Bildschirm: Nach Spielende erhöhen die Schweizerischen Bundesbahnen die Kapazität der Regio-S-Bahn-Linie S6. Zusätzlich verstärkt sie den Sicherheitsdienst im Zug und am Bahnsteig. Die Haltestelle Haagen/Messe des S6-Zugs liegt direkt vor dem Impulsiv Resort.

Saint-Louis: Kein Public Viewing

Ganz anders präsentiert sich die Lage in Saint-Louis. Nichts, aber auch gar nichts deutet da, einen Tag vor dem Halbfinal, auf den Knüller gegen Deutschland hin. Keine Fahnen, keine bereits nervösen Fans auf den Strassen. Hie und da gibt es mit Fahnen bestückte Autos, die durch die Strassen im Stadtkern fahren – jedoch sind es deutsche Fahnen und nicht französische, die da im Wind wehen. Schwarz-Rot-Gold dominiert auch in Saint-Louis.

Die öffentlichen Verkehrsmittel werden morgen, anders als in Lörrach, nicht extra länger fahren. Ob die Sicherheit speziell für den Event erhöht wird, will die ortsansässige Polizei nicht sagen. Und in Saint-Louis gibt es auch kein offizielles Public Viewing, wo sich die Massen versammeln können. Die wenigen Fussballverrückten werden sich mit Übertragungen in Bars begnügen müssen.

Doch sogar diese sind rar. Erst nach langer Suche nach einem Pub wird man fündig. Das «Le Tyl» ist seit Anfang der EM in Frankreich der Treffpunkt für Fussballfans in Saint-Louis. Hier treffen sich für die Partien regelmässig 100 Fans und mehr, um das Spiel auf einem grossen Fernseher zu verfolgen. Ein grosses Bier kostet hier 2.70 Euro – immerhin ein kleiner Sieg für Saint-Louis gegen Lörrach. Vier mickrige Fässer kühlen Gerstensaftes haben die Inhaber der Bar auf Lager. Eine besondere Überraschung gäbe es bei einem Sieg der Équipe tricolore: Dann kämen die Gäste des «Le Tyl» in den Genuss einer Glacé in den Nationalfarben ihrer Siegermannschaft.

Dies ist vermutlich aber das höchste der Gefühle in Saint-Louis, das heute beim Halbfinal gegen Deutschland zu erwarten ist. Anders als in Lörrach wird hier – unabhängig vom Resultat – nicht die ganz grosse Party steigen.