Daniela Deck

Sowohl der Präsident der Jugendkommission (Juko) wie auch die Vizepräsidentin sind um ein paar Illusionen ärmer. Mit der Eröffnung des Skaterparks letzten Frühling hatte sich die Kommission wie ausgemacht aus dem Geschäft zurückgezogen. Seit zwei Monaten versucht sie nun, die losen Fäden wieder aufzunehmen.

«Wir müssen uns zuerst wieder einen Überblick verschaffen. Es funktioniert nicht so, wie es ausgemacht war», sagen Luc Grossenbacher und Marlyse Frey unisono. Das Unbehagen zeigt sich deutlich in der Frage nach dem Trägerverein. Sie sind sich nicht einmal einig darüber, ob der Verein dieses Jahr rechtswirksam gegründet wurde.

Einigkeit herrscht hingegen darüber, dass der Verein nicht funktioniert, wie er sollte. Gemäss Planung der Stadt müsste die Freizeitanlage bei der Bocciahalle inzwischen erwachsen sein. Die Nutzer müssten den Unterhalt besorgen und wegen allfälliger Reparaturen oder unerwünschtem Besuch bei der Baudirektion oder der Stadtpolizei vorstellig werden.

Verschwundene Schlüssel

Stattdessen muss sich der Juko-Präsident den Kopf darüber zerbrechen, was mit den Schlüsseln der Anlage geschehen ist. «Einer sollte beim Wirt der Bocciahalle deponiert sein, ein zweiter bei einem bestimmten Jugendlichen.»

Unsere Recherchen haben ergeben, dass im Bocciahalle-Restaurant kein Schlüssel hinterlegt ist. Dafür moniert das Personal, dass die Skater das WC benützen, ohne etwas zu konsumieren. Eine Klage, die man bereits an die Verwaltung adressiert habe.

Ob besagter junger Skater, der als Vereinspräsident amten sollte, einen Schlüssel besitzt, liess sich nicht in Erfahrung bringen. Fest steht, dass der Skaterpark gestern Nachmittag offen und funktionstüchtig war und von zwei Jugendlichen aus dem bernischen Safnern genutzt wurde.

Die Frage nach dem Geld

Nun will auch SVP-Gemeinderat Heinz Müller Auskunft zum Skaterpark. Er werde dazu eine Interpellation einreichen, sagt er. Weil er noch nie jemanden auf der Anlage gesehen habe, will er wissen, in welchem Ausmass diese genutzt wird. «Denn wenn es nur zwei oder drei sind, wäre es Verhältnisblödsinn.» Ausserdem will Müller erfahren, wie teuer der Unterhalt ist, ob es Schäden gibt und wie es mit dem Verein und der damit verbundenen Leistungsvereinbarung steht.

Der Reiz des verschlossenen Tors

Es ist momentan nicht einfach, bei der Stadt jemanden zu finden, der sich zum Skaterpark äussern kann. Die Baudirektion war auskunftsmässig just gestern verwaist. Die Ferien des Stadtbaumeisters und seines Stellvertreters überschneiden sich um einen Tag.

Dafür äussert sich Stadtschreiber François Scheidegger mit ungewohnt deutlichen Worten: «Ich habe beim Skaterpark seit einem Jahr Druck gemacht. Aber der Ball wurde immer wieder an andere Personen weitergespielt. Und jetzt muss ich feststellen, dass es mit der Trägerschaft nicht geklappt hat.»

Es gebe tatsächlich eine Reihe von offenen Fragen zum Unterhalt und zur Verantwortlichkeit. «Es ist richtig, dass sich die Juko wieder darum kümmert. Aber man muss klar sagen, dass der Skaterpark nicht mehr ihre Aufgabe wäre.»

Scheidegger erinnert sich ans letzte Jahr, als die Infrastruktur aufgestellt, aber noch nicht eröffnet war. «Da sind immer wieder Jugendliche über den Zaun geklettert, um zu skaten. Nun, da sie offen ist, sehe ich nicht mehr oft Benutzer auf der Anlage.» Der Stadtschreiber fragt sich, ob bloss das Verbot, das der anfänglich verschlossenen Anlage anhaftete, die Jugendlichen angezogen hat.