Meiereien: Fotografieren statt schenken (22.12.2009)
Fotografieren statt schenken

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

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Keystone

KERZEN ZIEHEN ist sinnlich und meditativ. Das passt gut in die Adventszeit. Kerzen ziehen ist kreativ und enthält die Symbolik von Licht und Wärme. Das passt auch gut in die Adventszeit. Die öffentlichen Kerzenziehen bringen verschiedenste Menschen zusammen und schaffen so Gemeinschaft in der dunklen und kalten Jahreszeit. Und das passt erst recht in die Adventszeit. Wenn nur die Kerzen nicht wären.

DENN DIE KERZEN, die beim Kerzenziehen zwangsläufig entstehen, sind in der Regel ziemlich hässlich. Oder noch schlimmer. Auch die selber gezogenen. Und die der eigenen Kinder erst recht. Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber die sind selten. Die allermeisten Kerzenzieher wissen, dass ihre Werke, gelinde gesagt, eher unschön sind. Und gleich abbrennen soll man sie ja auch nicht; eigentlich müsste man ein Jahr warten, bis die Kerzen ihr warmes Licht überhaupt richtig entfalten können. Aber keiner will so hässliche Kerzen so lange aufbewahren. Deshalb werden sie auch so grosszügig verschenkt. Wahrscheinlich haben wir dadurch pro Haushalt weltweit den höchsten Schnitt an eingelagerten Wachsungetümen, alles Geschenke, allesamt gezogen von uns mehr oder weniger nahe stehenden Menschen.

DESHALB HIER gleich zwei Empfehlungen: Die erste geht an die Organisatoren von öffentlichen Kerzenziehen. Wirklich erfolgreich wird eure wertvolle Veranstaltung künftig nur dann sein, wenn die Kerzenzieher ihre Werke gleich nach dem Ziehen noch vor Ort gleich wieder einschmelzen können. Und der zweite Tipp geht an potenzielle Kerzenschenker: Tut es bitte nicht! Aber fotografiert euer Werk und verschenkt das Foto - im Sinne: Sieh, davor verschone ich dich. Die so beschenkte Person wird dieses Zeichen der Zuneigung besonders schätzen.

joerg.meier@azag.ch