Forellensterben im Bretzwiler Seebach

In Bretzwil stank es zum Himmel. Heruntergespülter Abfall verstopfte den Kanal zur Kläranlage. Sämtliches Schmutzwasser wurde direkt in den Seebach geleitet, weswegen rund 50 Bachforellen verendeten.

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KanalisationSeebach_dsc.jpg

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Michael Nittnaus

«Das führt uns wieder einmal vor Augen, wie sensibel unser Ökosystem ist.» Dies ist das Fazit von Heinz Argenton, dem Leiter des Gewässerschutzpiketts beim Amt für Umweltschutz und Energie (AUE). Auf einer Länge von rund 300 Metern verendete am Mittwoch- abend im Bretzwiler Seebach der gesamte Bachforellenbestand, weil grosse Mengen verdrecktes Abwasser wegen einer Verstopfung statt zur Kläranlage direkt in den Bach gelangten. «Windeln, Tampons und WC-Papier flossen neben toten Fischen den Bach hinunter. Es war wahrlich kein schöner Anblick und stank schrecklich», beschreibt eine Anwohnerin die Situation.

Die rund 50 grossen Bachforellen und vielen kleinen Brütlinge, die sich in diesem Abschnitt aufhielten, starben an Sauerstoffmangel. «Damit sich das Gewässer reinigen kann, wird Sauerstoff benötigt, der dann den Fischen fehlt», erklärt Argenton. Die Tiere seien also nicht durch giftige Substanzen verendet. Die Makroflora und -fauna mit ihren Kleinstlebewesen blieb denn auch intakt. Langzeitschäden seien nicht zu erwarten.

Dass die Kanalisation verstopfen und das gesamte Schmutzwasser über den Regenwasserentlastungskanal in den Seebach fliessen konnte, bezeichnet Gemeindeverwalter Rolf Schweizer als Verkettung unglücklicher Umstände: «Es war in letzter Zeit sehr trocken, weswegen die Kanalisation nur wenig Wasser führte. Dadurch konnte die Leitung schneller verstopfen.» In erster Linie müssen die Bretzwiler aber besonders sperrige Dinge den Abfluss runtergespült haben, denn «so einen Vorfall hat es hier noch nie gegeben». Erstaunlich ist die Verstopfung auch, weil Bretzwil erst im März die Leitungen durchspülen liess. «Wir werden im nächsten Mitteilungsblatt nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass man keine grossen und festen Gegenstände über den Abfluss entsorgen darf», so Schweizer.

Massnahmen sind keine geplant

Ein einzelner Verursacher kann kaum gefunden werden, da rund ein Drittel der Bretzwiler an diese Leitung angeschlossen sind. In diesem Fall muss laut Fischereigesetz der Kanton aus dem sogenannten Fischhegefonds für den Ausfall der Seebach-Pächter aufkommen. Für Bernhard Breuer, Obmann der dortigen Fischer, dennoch ein harter Schlag: «Für uns Pächter ist das natürlich brutal, da wir absolut nichts dagegen tun konnten.»

Direkte Massnahmen ergreifen nun aber weder der Kanton noch die Gemeinde. «Eine Sanierung der Leitungssysteme würde nichts bringen. Für uns ist die Sache abgeschlossen», sagt Argenton. Die Restverschmutzung würde vom nächsten grösseren Regen beseitigt.