Flüsterbelag flüstert nicht mehr

Besonders betroffen vom Lärm entlang der A2 sind die Gemeinden zwischen der Verzweigung Augst und dem Belchentunnel. Sie schlossen sich darum zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammen.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Tobias Gfeller

Ob Verkehrslärm, Fluglärm oder der Lärm des Benzinrasenmähers des Nachbarn, sie alle haben etwas gemeinsam - sie stören. Wenn man sich dagegen schützen kann, sollte man dies tun. Dies dachten sich auch die neun Gemeinden zwischen der Verzweigung Augst und dem Belchentunnel. Sie schlossen sich im Mai zu einer IG zusammen, um stärker auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.

Viel lauter und schlimmer als früher

Genauer sind dies Augst, Giebenach, Arisdorf, Itingen, Sissach, Zunzgen, Tenniken, Diegten und Eptingen. Das Ziel ist klar: «Vor 40 Jahren hat man während der Nacht die Autobahn praktisch nicht wahrgenommen. Dies hat sich massiv geändert. Auch tagsüber haben die Lärmbelastungen durch den Verkehr zugenommen. Für die Gemeinden entlang der A2 ist dies eine enorme Last», klagt Tennikens Gemeindepräsident Erich Wiesner. Tenniken erhielt vor 20 Jahren Lärmschutzwände, die laut Wiesner «längst nicht mehr genügend wirken.» Für Wiesner ist es wichtig, als ganze Region beim Bund und Kanton vorzusprechen, um mehr Gewicht zu erhalten.

Stark betroffen vom Autobahnlärm ist die Gemeinde Eptingen. Durch die Tempoerhöhung von 100 auf 120 ab dem Oberburg-Tunnel hat sich die Situation weiter verschlimmert. Für Präsidentin Renate Rothacher ist den Anwohnern die aktuelle Situation nicht mehr zumutbar: «Man spürt den Unterschied extrem, vor allem im Sommer, wenn man draussen sitzt.» Die Lage von heute ist nicht mehr vergleichbar mit derer von damals, als die Richtlinien für Lärmbelastung festgelegt wurden. Die Lärmschutzwände oberhalb des Dorfes seien zu alt und der so genannte «Flüsterbelag bei Tenniken flüstert seit längerem nicht mehr».

Ins gleiche Horn bläst Giebenachs Gemeindepräsidentin Käthy Thommen. «Unsere Lärmschutzwände gleichen mehr einem besseren Sichtschutz», scherzt sie, obwohl ihr eigentlich gar nicht zum Lachen zu Mute ist. Dass die Situation nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, weiss Andreas Stoecklin, Lärmbeauftragter des Kantons Baselland. «Seitdem die Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kanton (NFA) am 1.1.2008 in Kraft trat, gehören die Autobahnen in den Zuständigkeitsbereich des Bundes.» Laut Stoecklin ist es für den Bund aber schwierig, innerhalb eines oder zweier Jahre die komplette Übersicht über alle Belange der Autobahnen zu bekommen. «Die Rollenverteilung ist theoretisch klar, de facto muss aber der Bund die Kantone immer noch um Mithilfe bitten.»

Zwischen 1985 und 1993 wurden die Autobahnen im Kanton komplett lärmsaniert. Mit Abschluss der Lärmsanierungsprojekte wurde rechtlich die maximal zulässige Lärmbelastung festgehalten. «Die zuständigen Behörden prognostizierten die Verkehrszunahme sehr grosszügig», erklärt Stoecklin. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat im Laufe des vergangenen Monats den in die Jahre gekommenen Flüsterasphalt (auf der Höhe der Gemeinden Zunzgen und Tenniken) stellenweise sanieren müssen, da der Strassenbelag oberflächig beschädigt war.

Kosten blockieren viele Bemühungen

Der Bund ist momentan daran, die Lärmbelastungen zu überprüfen. Wird der Grenzwert überschritten, heisst dies aber noch nicht, dass sogleich Massnahmen realisiert werden. «Öffentliche Anlagen wie Autobahnen dürfen von Erleichterungen profitieren, wenn Sanierungen unverhältnismässige Betriebseinschränkungen oder Kosten verursachen», heisst es. Oftmals würden die Bemühungen an den hohen Kosten scheitern. Fazit: Auch wenn die Lärmemissionen die Grenzwerte überschreiten, bedeutet dies in einem ersten Schritt nur, dass Massnahmen geprüft werden. Nur falls die Massnahmen betreffend Wirksamkeit und Kostenhöhe positiv beurteilt werden, würden sie auch tatsächlich umgesetzt werden.