Flugzeugunglück
Flug-Experte: «Das Ereignis muss sehr plötzlich eingesetzt haben»

Für den Aviatik-Experten Kurt Hofmann gibt es verschiedene mögliche Erklärungen für das Verschwinden von Flug MH370. Er vermutet, dass das Flugzeug in grosser Höhe auseinander gefallen ist und deswegen noch keine Trümmer gefunden wurden.

Matthias Niklowitz
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Flug-Expert Kurt Hofmann: «Eine Black-Box sendet auch noch Signale aus 400 Metern Wassertiefe»

Flug-Expert Kurt Hofmann: «Eine Black-Box sendet auch noch Signale aus 400 Metern Wassertiefe»

Keystone/zvg

Herr Hofmann, was weiss man über das Schicksal der Boeing 777 der Malaysian Airlines?

Kurt Hofmann*: Wir wissen schlicht nicht, wo das Flugzeug geblieben ist. Transponder und die Triebwerke übermitteln ständig automatisch Daten. Aber auch die Übermittlung dieser Daten ist abrupt unterbrochen worden. Es ist für die Hinterbliebenen, die Fluggesellschaft und den Hersteller des Flugzeugs sehr wichtig, dass man rekonstruieren kann, was mit dem Flugzeug passiert ist.

Was macht man denn mit den Erkenntnissen?

Nehmen wir den Fall der vor fünf Jahren über dem Südatlantik abgestürzten Air-France-Maschine. Danach hat man die Sensoren für die Geschwindigkeitsmessung so umgebaut, dass sie nicht mehr vereisen können, Auch das Pilotentraining in Krisensituationen wurde nochmals verbessert.

Zurück zur Boeing - wie gut ist denn die Radarabdeckung in der Region?

Es gibt viele Gegenden, wo die Radarüberwachung nicht vollständig vorhanden ist. Beispielsweise über dem Südatlantik oder Afrika. Piloten sind sich gewohnt, auch in solchen Regionen sicher zu fliegen, sie kommunizieren dann untereinander. Aber die Stelle, wo die Piloten zum letzten Mal Funkkontakt mit der Bodenkontrolle hatten, war in diesem Fall nicht so weit weg von den Küsten wie über den Ozeanen. Es gab vor 20, 30 Jahren hin und wieder Fälle, wo es zu Abstürzen kam und man einige Tage nach Trümmern suchen musste. Einen solchen Fall wie jetzt hat es in jüngerer Zeit nicht mehr gegeben. Es fehlen jegliche Hinweise über den Verbleib.

Fällt ein grosses Flugzeug nicht den Radarstationen auf?

Piloten müssen sich jeweils anmelden. Zudem gibt es Radaraufzeichnungen. Aber man kann auch darüber spekulieren, dass die lokalen Stationen in der fraglichen Zeit nicht genau aufgepasst hatten.

Wenn man alle Spekulationen über Entführungen von Ausserirdischen oder nach Nordkorea ausklammert, gibt es einige Punkte, die man ausschliessen kann. Beispielsweise die Landung auf einem kleinen Flugplatz im Dschungel.

Ja, ein Flugzeug von der Grösse kann man nicht auf einer kleinen Piste landen. Man braucht Infrastruktur, Treppen für die Passagiere, so ein Flughafen müsste eine Piste wie etwa der Flughafen von Basel haben. Ein Absturz ist leider viel wahrscheinlicher.

Abstürze ziehen sich zeitlich oft hin, Piloten können dann noch Notfallmeldungen absetzen.

Das war hier nicht der Fall. Ein Ereignis muss sehr plötzlich eingesetzt haben.

Auch laufen dann ja noch die Transponder und die Notfallsender weiter.

Transponder, also die Instrumente, mit denen sich Flugzeuge bei den Radarstationen am Boden automatisch identifizieren, lassen sich auch von Hand abstellen. Das passiert auch immer wieder. Aber bei Abstürzen schalten sich auch automatische Notfallsender ein, die man peilen kann, um so zur Unfallstelle zu kommen. Und die Black-Boxen senden ihre Signale noch aus 4000 Meter Meerestiefe.

Dennoch gibt es keine Signale.

Dafür gibt es zwei Erklärungen: Entweder diese Sender sind zerstört worden, was eher unwahrscheinlich ist, denn sie sind sehr robust. Oder man sucht schlicht an der falschen Stelle.

Beim Air-France-Absturz mitten über dem Atlantik wurden die Black-Boxen auch gefunden.

Ja, aber man wusste, wo man suchen musste. Es blieben auch grosse Trümmerteile übrig.

Jetzt wurden nicht einmal solche Trümmer gefunden.

Das spricht eher dafür, dass das Flugzeug in grosser Höhe auseinander gefallen war. Dann verteilen sich die vielen kleinen Trümmerteile auf einer grossen Fläche, und die sind dann viel schwieriger zu finden.

Gibt es dafür auch andere Ursachen als eine Bombe an Bord?

Korrosion ist ein Problem bei Flugzeugen. Es gab schon Abstürze und Zwischenfälle, die auf Korrosion zurück zu führen waren, weil sich wichtige Teile gelöst hatten. Dazu müsste man mehr über die Wartung und den Zustand des abgestürzten Flugzeugs wissen. Es gibt aber auch die plausible Möglichkeit, dass es sich hier um eine Verkettung unglücklicher Umstände handelt, an die man zuvor nicht gedacht hatte. Um das aufzuklären und die Spekulationen zu beenden, müssen zunächst die Flugschreiber und Trümmerteile aufgefunden werden.

* Kurt Hofmann ist Aviatik-Experte und Luftfahrt-Berater aus Österreich.

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