Flieger werden über den Köpfen kreisen
Flieger werden über den Köpfen kreisen

Die Höllengilde ist bekannt für ihre extravaganten Fasnachtswagen. Die 15 Mannen aus Unterlunkhofen bauen jedes Jahr einen neuen. Ein Besuch auf der Baustelle für Sparbomber.

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Fasnacht

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Aargauer Zeitung

Andrea Marthaler

In der Halle der Verzinkerei Unterlunkhofen wird gehämmert, gesägt und gestrichen. Ein alter Bootswagen aus dem Militär samt landwirtschaftlichem Anhänger wird gerade umgebaut. Das Gerüst steht bereit. An anderen Stellen wird noch gewerkt. Die Abdeckung der Wagen wird gerade gestrichen und das Innenleben ausgebaut. Der Anhänger ist kahl, aber das bleibt nicht mehr lange so.

Seit 22 Jahren baut die Höllengilde aus Unterlunkhofen Fasnachtswagen. Was erst mit einigen Kumpeln aus der Feuerwehr begonnen hatte, entwickelte sich zu einem Fasnachtsverein. Genau 15 Männer sind Mitglieder der Höllengilde - nicht weniger und vor allem nicht mehr. «Wir wollen nicht zu gross werden. Wir brauchen Leute, die arbeiten können», betont Fridolin Stutz. Er ist das älteste Mitglied der Gilde und wie einige andere seit den Anfängen dabei. Die Mitglieder der Höllengilde verstehen etwas vom Handwerk. Sie sind Baumeister, Montageingenieure und Elektriker. Entsprechend macht beim Bau jeder, was er am besten kann.

Billigflieger für Ueli Maurer

Jeweils im November treffen sich die Fasnächtler. In fünf Gruppen tüfteln sie an Ideen, bis in einem demokratischen Ausscheidungsverfahren das definitive Projekt auserkoren wird. Dann geht es an die Planung und das Material wird beschafft. Im Januar beginnt die Höllengilde mit dem Bau des Wagens. Innert kürzester Zeit - vier Samstage sowie drei Mittwochabende sind es in diesem Jahr - entsteht eine Umzugsnummer.

Die diesjährige Idee hat wie meistens einen aktuell politischen Bezug. «Wir zeigen den Leuten Sparbomber», sagt der Höllenmeister, Kaspar Stöckli. «Da Ueli immer jammert, er habe zu wenig Geld, zeigen wir ihm nun einen Lösungsvorschlag für neue Militärflieger.» Im M-Budget- sowie Prix-Garantie-Anstrich werden zwei Flieger über dem Anhänger kreisen. Auch die Materialien sind günstig. Für den Rumpf wurden Blechfässer zusammengeschweisst, alte Bürostühle dienen als Sitze und die Flügel der Bomber wurden aus Schalttafeln gesägt. Als Munition gibt es Stiefel - in Anlehnung an die Bauernattacke auf Bundesrätin Doris Leuthard. Damit die Piloten mit den Sparbombern fliegen können, baut die Höllengilde auf dem vorderen Wagen ein Umschulungscenter. Neben zwei alten Schulbänken gehören fasnachtsgemäss auch eine Bar und ein Grill zur Ausstattung.

Hydraulik hebt die Flieger an

Obwohl die Materialien zum grössten Teil recycelt werden, entstehen beim Wagenbau Kosten. Diese deckt die Höllengilde mit Hilfseinsätzen: Altpapiersammlung, Montieren der örtlichen Weihnachtsbeleuchtung sowie der Helfereinsatz am jährlichen Schürball bringen Geld in die Kasse der Gilde. In Unterlunkhofen ist die Truppe für ihre spontanen Einsätze bekannt. Die Hauptaktivität konzentriert sich aber auf die Fasnachtszeit. Beim Bau der Fasnachtswagen sind sie richtig gefordert.

So wie in diesem Jahr. In einer Werkstatt in Unterlunkhofen wird gerade geschweisst. Gleissendes Licht blendet die Augen und beissender Rauch hindert beim Atmen. Die Männer der Höllengilde sind das gewohnt. Stutz und Stöckli setzen zwei Fässer aufeinander, das Schweissen übernimmt ein anderer. Knackpunkt beim diesjährigen Bau ist die Hydraulik. Die Flieger sollen an den Umzügen in fünf Meter Höhe über den Köpfen der Zuschauer kreisen. Beim Fahren ausserhalb des Umzugs dürfen sie aber nicht über den Wagen hinausragen, der Aufbau darf nicht höher als vier Meter sein. Deshalb wird die Konstruktion erst während des Umzugs auf gut fünf Meter Höhe angehoben und die Flieger werden ausgefahren.

Die spinnt, die Höllengilde

Solch wagemutige Gebilde ist die Höllengilde gewohnt. «Das bisher Gröbste war das Katapult vor zwei Jahren», schwärmt Stöckli. Damit wurden als schwarze Schafe kostümierte Männer in die Luft geschleudert, worauf sie zielgenau auf einer Matte vor dem Wagen landeten. Ganz nach dem Motto der Höllengilde: «Wer spinnt, hat mehr vom Leben.»

Eine Spinnerei ist auch der diesjährige Fasnachtswagen. Noch muss vieles getan werden. Die Flieger sind noch nicht fertig und auch die hydraulische Hebevorrichtung ist noch nicht montiert. Bis die Höllengilde ihren ersten Auftritt hat, dauert es aber nicht mehr lange. Bereits Ende Januar werden sie am ersten Fasnachtsumzug dabei sein. Nach dem Auftakt in Dietikon folgen dann der Nachtumzug in Hägglingen, der Umzug in Baar und zum Schluss derjenige in Urdorf. Am Umzug in Wohlen wird die Höllengilde dieses Jahr nicht mitfahren, da er am selben Datum wie der Umzug in Baar stattfindet.