Fliegen, aber bitte präzis

Das Training für die Helikopter-Meisterschaften ist in Grenchen in vollem Gang.

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Fliegen, aber bitte präzis

Fliegen, aber bitte präzis

Solothurner Zeitung

christoph neuenschwander

Das Training für die offene Schweizer Meisterschaft der Helikopter-Piloten ist in vollem Gang. «Offen» bedeutet, dass am Turnier auch Mitstreiter von ausserhalb der Schweiz teilnehmen dürfen. «In der Schweiz allein gibt es zu wenig Teams für eine Meisterschaft», erklärt Organisatorin und Teilnehmerin Monika Arbenz, ihre Stimme laut genug, um Rotorlärm und Windböen zu übertönen.

Ein paar Meter von ihr entfernt schwebt der Helikopter eines deutschen Teams über einer blauen Tonne. Ein Gewicht, ein so genannter «Fender», wird vom Copiloten herabgelassen und zielgenau in der Tonne versenkt. «Fender Rigging» nennt man die Disziplin. Am anderen Ende der Segelflugpiste manövrieren die Russen ihren Fender gerade durch einen Slalom.

Dann ist das Team «Heli West», amtierender Schweizer Meister, an der Reihe. Copilotin Arbenz und Pilot Hans Wüthrich steigen in ihren Eurocopter. Die Rotoren dröhnen. Auch Wüthrich hat als Präsident des Schweizerischen Helikopterverbands, der die Meisterschaft nach sieben Jahren erstmals wieder durchführt, eine Doppelrolle. Im Moment ist er aber ganz und gar Pilot.

Die EC 120 hebt ab, der Magen wird in der Aufwärtsbeschleunigung leicht nach unten gedrückt. Elegant wirbelt die Maschine in der Luft herum. Wüthrich fliegt das erste Slalomtor an, Arbenz lehnt sich hinaus, Seil in der Hand, und führt den Fender exakt zwischen den beiden Pfosten hindurch. Wüthrich wendet die EC erneut – hin zum nächsten Tor.

Schwindlig oder gar übel wird einem dabei nicht. Der Helikopter gleitet geschmeidig durch die Lüfte. Lediglich in einem sanften Vibrieren des Sitzes spürt man seine Kraft. «Die EC ist der Mercedes unter den Helikoptern», schwärmt Manuela Heusser, seit zehn Jahren Schiedsrichterin und fester Bestandteil von «Heli West».

Jede Mannschaft besteht sowohl aus Piloten als auch Beobachtern. Platzwechsel. Wüthrich fliegt hinüber zum «Fender Rigging». Hier geht es auf und ab. Der Fender pendelt hin und her, schlägt mehrmals gegen die Tonne. Schliesslich findet Arbenz das richtige Timing und lässt das Gewicht schwungvoll ins Fass stürzen.

Landen, aussteigen – schon geht es weiter mit Organisieren: Den Russen muss jemand sagen, sie sollen doch bitte den Anweisungen des Towers folgen. Neu angekommene Teams werden begrüsst. Man ist herzlich, umarmt sich, wünscht einander Glück und lacht zusammen. Konkurrenz-Denken existiert kaum. Natürlich gibt jeder sein Bestes, aber mitmachen und Spass haben ist das Wichtigste.

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