Flamingo
«Flamingo hätte überleben können»

Die Jagdverwaltung hat den Flamingo, der seit Wochen am Flachsee hauste, gestern vom Reservatsaufseher erlegen lassen. Der Vogel hätte den harten Winter eh nicht überlebt, so René Altermatt, der Leiter der Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton.

Merken
Drucken
Teilen

Dieser Darstellung widerspricht Robert Zingg, Kurator am Zoo Zürich. «Der Vogel hätte sehr wohl überleben können. Der Umstand, dass er bisher nicht geschwächt war und letzte Woche noch geflogen ist, spricht eine deutliche Sprache», sagt Zingg gegenüber a-z.ch. Bei Futterknappheit wäre das Tier längst geschwächt gewesen, so Zingg.

Die Ornithologen der Vogelwarte Sempach haben das anders beurteilt und René Altermatt, Leiter der Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton beschieden, dass der Hungertod nur eine Frage der Zeit sei, so Altermatt. Der Flamingo brauche eiweissreiche Nahrung, ein paar Algen reichten nicht, so die Sempacher Ornithologen.

Der Vogel, der seit ein paar Wochen am Flachsee hauste, gehörte dem Zürcher Zoo. Dieser hat das Fehlen des Flamingos allerdings erst am Wochenende bemerkt, nachdem er seinen Bestand endlich gründlich gezählt hat. «Uns ist beim Zählen ein Fehler unterlaufen», gibt Zingg heute offen zu. Es sei eben nicht ganz einfach, die Vögel zu zählen. Der Zürcher Zoo besitzt über 50 Flamingos. Um sie zu zählen, müsse man sie einfangen, sagt Zingg. «Das machen wir sehr ungerne».

Beim ersten genauen Zählen, dass Mitte letzter Woche vorgenommen wurde, hat man sich offenbar verzählt. Am Wochenende haben die Verantwortlichen eine Nachzählung veranlasst und dieses Mal auch Buch führen lassen. Erst da ist der Zählfehler entdeckt worden. Zuvor hatte der Zürcher Zoo sich darauf beschränkt, die Tiere in Freiheit zu zählen, was kaum brauchbare Ergebnisse liefert.

Gestern Montag haben die Zürcher laut Zingg die Aargauer Behörden zu informieren versucht, diese aber nicht erreicht.

Hätten die Aargauer entschieden, den Flamingo einzufangen statt abzuschiessen, sie wären ihn leicht losgeworden. «Wir hätten ihn genommen», sagt Zingg. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Vogel dem Zoo gehört habe oder nicht. (rsn)