Samuel Schumacher

Wenn Landfrauen im Oberfreiamt zur Kelle greifen, dann muss das nicht - wie im Fall von SVP-Politikerin Milly Stöckli - zwingend ein politisches Bekenntnis sein, sondern kann auch einfach der Fortbildung dienen. Dann etwa, wenn sich die Mitglieder der Bäuerinnen- und Landfrauenvereinigung (BLV) des Bezirks Muri im Sinser Ammannsmatt-Schulhaus treffen, um sich gemeinsam durch delikate Fingerfood-Rezepte zu kochen. Gut zwanzig Teilnehmerinnen der Vereinigung teilten sich am Donnerstagabend die Sinser Schulküche und lernten von Kursleiterin Edith Zwahlen neue Tipps und Tricks für das eigene Kochrepertoire.

Stolz auf das, was man macht

Die Hünenbergerin Edith Zwahlen, die bereits mehrmals für die BLV als Kochkursleiterin aktiv war, ermutigte die Teilnehmerinnen, sich nicht hinter ihrer Funktion als Hausfrauen zu verschanzen. «Seid stolz auf das, was ihr macht. Dann werden eure Kochkünste auf einmal viel mehr geschätzt», sagte sie.

Den Fingerfood-Abend verstand Edith Zwahlen keineswegs nur als spassigen Kochevent, sondern vielmehr auch als «Weiterbildungskurs». Unter der kundigen und motivierten Leitung von Edith Zwahlen machten sich die Fingerfood-Aspirantinnen in Zweierteams ans Werk und kreierten innert einer knappen Dreiviertelstunde ein herrliches kleines Leckerbissen-Buffet mit kleinen Happen für zwischendurch. Aufgetischt wurden etwa gefüllte Champignons, Käse-Nuss-Muffins, Speckzöpfli, Kräuter-Gipfeli und Rohschinken-Piadinas. So schnell die Häppchen zubereitet waren, so schnell wurden sie beim anschliessenden Fingerfood-Kränzchen auch wieder verspeist.

Hausarbeit kommt zu kurz

Geschmeckt hat es. Aber: Fingerfood und Landfrauen, passt das überhaupt zusammen? Wieso auch nicht, fand BLV-Vorstandsmitglied Bernadette Barmettler-Balmer. «Wir legen viel Wert darauf, mit saisonalen Zutaten einheimische Gerichte zu kochen. Mit frischem Gemüse und frischen Kräutern zubereiteter Fingerfood liegt da durchaus drin.»

Gesunde Ernährung wird bei den Landfrauen traditionellerweise grossgeschrieben. Die gesellschaftliche Entwicklung hin zu einer auswärts essenden Schnellverdrücker-Kultur birgt in ihren Augen nicht zu unterschätzende Risiken. Als Mitglied der Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenvereinigung engagiert sich Bernadette Barmettler-Balmer deshalb für mehr Hauswirtschaftsunterricht an Schweizer Schulen. «Selbst kochen soll wieder attraktiv werden. Dazu müssen wir den jungen Leuten zu allererst die Grundkenntnisse des Haushaltens beibringen und ihnen die Möglichkeit bieten, selbst Erfahrungen in der Küche zu sammeln», erklärte sie.