Feuerwerke
Feuerwerker kennen keine Krise

Der Trend zu immer mehr Privatfeuerwerken sorgt trotz Krise für ein Umsatzfeuerwerk in der Pyrotechnik-Branche. Probleme mit der Lärmbelästigung sind dennoch bisher eine Ausnahme, wie eine Umfrage bei der Polizei zeigt.

Drucken
Feuerwerk

Feuerwerk

Schweiz am Sonntag

von Andreas Toggweiler

Für das Abbrennen von Feuerwerkskörpern gibt es in der Schweiz keine Bundes- oder Kantonsregelung. Manche Gemeinden regeln sie in Polizei- oder Lärmschutzreglementen, manche kennen überhaupt keine Vorschriften. Vielerorts ist das unbewilligte Abfeuern auf den Nationalfeiertag und den Tag davor beschränkt.

Party-Feuerwerk: Bald kommen schärfere Vorschriften

Die rechtliche Situation rund ums Feuerwerk ist unübersichtlich. Es gibt unterschiedliche kantonale Vorschriften bezüglich Verkauf, Lagerung und Versand. Da der Postversand in der Schweiz nicht mehr möglich ist, landet die Internet-Bestellung von Feuerwerk direkt beim Hersteller oder Importeur, der sie per Kurier - der wiederum eine Spezialbewilligung benötigt - ausliefert. Das immer beliebtere Party-Feuerwerk, das in fertig zusammengestellten Bildern zu Preisen von einigen hundert bis einigen tausend Franken geliefert wird, gehört in der Regel zur so genannten «Kategorie IV». Das bedeutet, dass der Kunde beim Kauf ein Protokoll unterzeichnen muss, das ihn auf die Risiken aufmerksam macht. Auf 2010 war ursprünglich geplant, die Vorschriften für diese Kategorie zu verschärfen, indem nur noch Personen mit einer Spezialausbildung dieses Feuerwerk kaufen bzw. zünden dürfen. Weil noch nicht geregelt ist, wer für die Ausbildung der Hobby-Feuerwerker zuständig ist, wurde die Frist für die Umsetzung jetzt bis 2013 verlängert. Für die Umsetzung werden aber die Kantone verantwortlich sein. Bis dahin gilt weiterhin Feuer frei für Hobby-Pyrotechniker. (at.)

Auch Silvester hat sich in den letzten Jahren als weiterer Feuerwerkstag etabliert. Doch immer öfter knallt es auch unter dem Jahr, bei Hochzeiten, Vereinsanlässen oder wenn jemand einen runden Geburtstag feiern will. Wer dies tun möchte, ist allerdings gut beraten, wenn er sich über die lokalen Vorschriften oder zumindest Gepflogenheiten informiert.

Diese sind beispielsweise in Grenchen recht detailliert. «Wir erteilen eine schriftliche Bewilligung, die folgende Angaben enthält: genaue Zeit und Ort, Dauer des Ereignisses und eine verantwortliche Person», sagt Hugo Kohler, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei. In der Bewilligung werden die Feuerwerker zudem auf das Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe und die Jagdschutzbestimmungen hingewiesen, darauf, dass ein Feuerwerk einer gewissen Grösse nur von einer qualifizierten Fachperson gezündet werden darf, dass die Nachbarschaft zu orientieren ist und dass ein Abbrennen nach 23 Uhr (im Sommer) verboten ist.

Privatfeuerwerke, die diesen Namen verdienen, würden in Grenchen zwei bis drei pro Jahr so bewilligt. «Ob jemand einen Trend zu mehr Privatfeuerwerken beobachtet, scheint mir eher subjektiv. Markant ist er jedenfalls nicht», sagt Hugo Kohler weiter. Überhaupt sei es am wichtigsten, dass man die Nachbarschaft gut orientiere, denn - «die Leute rufen so oder so an, wenn es nachts knallt. Wir können sie dann darauf aufmerksam machen, dass das Feuerwerk bewilligt ist».

Ganz ähnlich wird in Langenthal vorgegangen, wie Peter Hegi, Postenchef der Stadtpolizei, erläutert. Hier genügt allerdings eine vorgängige telefonische Information über Zeit und Ort und die Angabe einer Kontaktperson. Feuerwerke werden hier bis 22 Uhr bewilligt, «mit einer gewissen Zurückhaltung», wie Hegi sagt. Auch er rät, auf jeden Fall die Nachbarn zu informieren. Wenn jemand ohne Information der Polizei mit Knallen loslegt, ist der Ärger oft programmiert. Ein Nachbar stört sich immer und ruft die Polizei. «Wir müssen dann den Feuerwerkern sagen, dass sie sich Ärger ersparen können, wenn sie die Polizei vorgängig informieren.»

Ein anderer Ansatz wird in Solothurn verfolgt. «Private Feuerwerke sind nicht bewilligungspflichtig, und wir erteilen auch keine solchen Bewilligungen», sagt Stapo-Kommandandt Peter Fedeli. Das heisst, jeder muss selber einschätzen, ob seine Nachbarn auch Freude haben an einer schönen Rakete, die allerdings auch mit einem Knall explodiert. Vor 22 Uhr hat er das Recht auf seiner Seite, sofern er es nicht übertreibt. Danach muss er - wie andernorts auch - mit Klagen wegen Nachtruhestörung rechnen.

Auch leise Feuerwerke können zudem ihre Tücken haben. Wenn zum Beispiel eine Hochzeitsgesellschaft Ballone mit brennenden Wunderkerzen steigen lässt, kann dies verheerende Folgen haben - beispielsweise in der Solothurner Altstadt. «So etwas würden wir hier nie zulassen», sagt Fedeli. Die wilde Feuerwerkerei habe in den letzten Jahren etwas zugenommen, «allerdings nicht massiv», schätzt er.

Und in Oensingen, mit der Sonnwendfeier eine Hochburg der Feuerwerker? Auch hier scheint sich noch alles im Rahmen zu halten. «Wir haben meines Wissens keine Probleme mit dem privaten Feuerwerken», meint Bauverwalter Dominik Jenni auf Anfrage. Bestimmungen auf Gemeindeebene existieren nicht, und die Entwicklung mache auch nicht absehbar, dass deswegen ein Reglement nötig werde. «Das würden wir allenfalls in ein Lärmschutzreglement einbauen, welches zum Beispiel auch das Rasenmähen einschränkt.»

Doch dann gibt es auch noch Ersigen. Die Gemeinde im Berner Mittelland hat das private Feuerwerken kurzum ganz verboten, mit Ausnahmen 1. August und Silvester. Grund waren die Gastronomiebetriebe im Dorfzentrum, deren Hochzeitsgäste regelmässig das Fest mit einem zünftigen Feuerwerk beendeten. Das wurde den Einwohnern zu viel.

«Wir sind ein landwirtschaftlich geprägter Ort, und es gab deshalb auch immer wieder Probleme mit den Tieren», erklärt Gemeindeschreiber Thomas Balsiger. Ein Gemeinderatsbeschluss vor einem Jahr setzte dem Treiben ein Ende. Negative Reaktionen in der Bevölkerung habe es keine gegeben. «Sogar die Wirte sind eher erleichtert, denn sie mussten sich am nächsten Tag auch noch das Donnerwetter der Nachbarn anhören.» Jetzt gebe es klare Regeln.

Aktuelle Nachrichten