Aline Wüst

«In Schlossrued sind letztes Jahr zu viele befallene Bäume stehen geblieben», sagt Rosmarie Reich, die als Regionalberaterin zuständig ist für den Feuerbrand im Wynen- und Suhrental. Weil nicht alle befallenen Bäume gefällt wurden, sind dieses Jahr noch mehr Bäume von der Krankheit betroffen. «Sämtliche Quittenbäume und viele Cotoneaster im Dorf sind befallen», sagt Willy Lüscher, der Feuerbrand-Verantwortliche in Schlossrued. Die einzige Lösung sei, alle betroffenen Bäume zu fällen. Das Ausmass des Befalls könne er aber noch nicht abschliessend beurteilen. «Ich bin mit der Kontrolle noch nicht fertig», sagt Lüscher.

In der Nachbargemeinde Schmiedrued ist Stefan Hunziker verantwortlich für die Bekämpfung des Feuerbrands. Der Befall sei schlimmer als letztes Jahr, sagt er. Hunziker hat bereits 28 kranke Bäume gefällt.

Feuerbrand wird unterschätzt

Seit letztem Jahr gehört der gesamte südliche Aargau zur Befallszone des Feuerbrands. Sobald eine Region als Befallszone eingestuft wird, müssen Pflanzen mit Feuerbrand nicht mehr obligatorisch gefällt werden. Das hat dazu geführt, dass viele Obstbaumbesitzer ihre kranken Bäume stehen liessen.

Viele Bauern meinen, dass es Feuerbrand schon vor hundert Jahren gab, und glauben, dass sich der Baum davon erhole, sagt Reich. «Tatsache ist aber, dass es Krankheiten gibt, deren Folgen ähnlich aussehen wie Feuerbrand, die aber wesentlich harmloser sind», erklärt Reich. Das Problem ist, dass ein kranker Baum andere Bäume in seiner Umgebung anstecken kann, sagt Reich. Für sie ist daher klar, dass alle befallenen Bäume weg müssen.

Kanton hilft betroffenen Gemeinden

Wie schlimm der Feuerbrand wüte, sei von Jahr zu Jahr unterschiedlich, sagt Lisa Burger vom Kantonalen Pflanzenschutzdienst. Eine Prognose für das nächste Jahr wagt sie nicht: «Wie sich die Krankheit entwickelt, sei abhängig von Witterung und Blütezeit der Kernobstbäume.» Warum das Ruedertal so stark betroffen sei, erklärt Burger damit, dass sich ein hohes Infektionspotenzial in der Region aufgebaut habe während der letzten Jahre. Das Ziel des Aargaus sei es natürlich, die Befallszone so klein wie möglich zu halten.

Der Kanton lässt betroffene Gemeinden wie Schlossrued nicht allein: Bauern können ihre Obstanlagen als Schutzobjekte anmelden. Darüber informierte die Gemeinde Schlossrued die Bevölkerung, wie Gemeindeschreiber Viktor Würgler bestätigt. Bei einer Schutzzone muss der Bauer in einem Radius von 250 Metern um seine Obstanlagen die Bäume auf Feuerbrand kontrollieren. Bei einem Befall bezahlt der Kanton die Kosten für das Fällen der Bäume und der Bauer bekommt eine Entschädigung. Willy Lüscher, Feuerbrand-Verantwortlicher in Schlossrued: «Das Ganze ist natürlich ein Riesenaufwand.»

«Wer neue Obstbäume pflanzt, soll darauf achten, Sorten auszuwählen, die wenig anfällig sind auf die Krankheit», sagt Burger vom Kantonalen Pflanzenschutzdienst.