Arxhof
Fernsehbeitrag trübt Stimmung im Arxhof

Renato Rossi ärgert sich über einen Beitrag des Schweizer Fernsehens zum Fall der ermordeten Lucie. Grund: Er beinhalte Unwahrheiten. Die Baselbieter Sicherheitsdirektion fordert, dass eine Passage präzisiert wird. Bis dahin soll der Film im Internet nicht abrufbar sein.

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Fernsehbeitrag trübt Stimmung im Arxhof

Fernsehbeitrag trübt Stimmung im Arxhof

bz Basellandschaftliche Zeitung

Alessandra Paone

Nach dem Fall Lucie stand der Arxhof im Kreuzfeuer der Kritik. Immer wieder rückten die Medien das Massnahmezentrum für junge Erwachsene bei Niederdorf in den letzten Wochen ins Zentrum. Und immer wieder musste Arxhof-Direktor Renato Rossi Stellung nehmen zur schrecklichen Tat des ehemaligen Arxhof-Bewohners Daniel H. (die bz berichtete). Schockiert zeigte sich Rossi über das Ereignis, wiederholte aber stets, der Arxhof habe sich nichts zu Schulden kommen lassen.

Umso mehr ärgert sich Rossi über falsche Aussagen und verzerrte Darstellungen in gewissen - «sonst als seriös bekannten» -Medien. Insbesondere ein Beitrag des Schweizer Fernsehens hat ihn «sehr enttäuscht». Die Sendung «Reporter» hatte bereits vor zwei Jahren über den Arxhof berichtet. Aus aktuellem Anlass hat «Reporter» kürzlich die Geschichte der damals porträtierten Gewalttäter wiederholt und in einer überarbeiteten Version des Films «Das Restrisiko - Die jungen Gewalttäter von Arxhof» aufgezeigt, was aus ihnen geworden ist.

Arxhof reicht keine Anzeige ein

«Der Bericht ist gespickt mit Unwahrheiten», sagt Rossi. So sei zum Beispiel die von SF-Reporterin Karin Bauer erwähnte Rückfallquote der ehemaligen Arxhof-Bewohner zu hoch. Solche Fehler will Rossi nicht akzeptieren. Denn: Diejenigen, die es geschafft haben, wieder ein normales Leben zu führen, sollten nicht im Nachhinein mit Unwahrheiten bestraft werden.

Deswegen stand sogar eine Anzeige des Arxhofs gegen das Schweizer Fernsehen im Raum. Dies weist der Arxhof-Direktor jedoch als «Gerücht» zurück. «Wir lassen lediglich juristisch abklären, ob eine Anzeige überhaupt möglich wäre», stellt Rossi klar. Der Film ist vorerst im Internet nicht abrufbar. Er soll erst dann wieder gezeigt werden, wenn die vom Arxhof gewünschten Korrekturen vorgenommen worden sind.

Empört hat Rossi vor allem, dass die Reporterin den Psychotherapeuten, der damals Daniel H. betreut hatte, in ihrem Bericht namentlich erwähnt hat. Dies, obwohl der Therapeut auf ein erneutes Interview verzichtet und klar den Wunsch geäussert hatte, die Reportage nicht zu wiederholen. Rossi: «Das ist Journalismus der übelsten Art.»

Das Schweizer Fernsehen will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. «Wir halten daran fest, dass alle wesentlichen Aussagen des Reporter-Films korrekt sind», sagt SF-Mediensprecher David Affentranger. Bei einem einzelnen Fakt habe sich erst nach der Ausstrahlung ergeben, dass er nicht mehr aktuell war. Arxhof-Leiter Renato Rossi habe diesen Punkt jedoch mit einem Zitat im Film noch bestätigt.

Film demnächst wieder abrufbar

Die Baselbieter Sicherheitsdirektion, welcher der Arxhof unterstellt ist, hat nun das Schweizer Fernsehen gebeten, diesen einen Punkt bei einer erneuten Ausstrahlung zu präzisieren. Der Film sei in der Zwischenzeit mit der neuen Information ergänzt worden und nächste Woche wieder im Internet abrufbar, informiert Affentranger.